Geldwäsche?Darum stürzten Raiffeisen-Aktien bis zu 13,4 Prozent ab

Spekulationen um Beziehungen zu litauischer Geldwäsche-Bank Ukio waren ausschlaggebend.

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© APA/Hans Klaus Techt
 

Die Aktien der Raiffeisen Bank International (RBI) sind am späten Dienstagvormittag an der Wiener Börse abgestürzt. In der Spitze brachen sie um gut elf Prozent auf 19,84 Euro ein und erreichten damit den tiefsten Stand seit April 2017.

Am Vorabend war bekannt geworden, dass die Bank laut Berichten der Recherche-Plattform "Addendum" und des Nachrichtenmagazins "profil" ihre Geschäftsbeziehungen zur litauischen Ukio Bankas prüft. Gegen diese bereits 2013 pleitegegangene Bank sind Geldwäsche-Vorwürfe erhoben worden. In geleakten Unterlagen wird auch die RBI genannt, die als Korrespondenzbank der litauischen Bank fungiert hat.

Wer steht hinter Transaktionen?

Konkrete Vorwürfe gegen Raiffeisen werden nicht erhoben, "es stellt sich jedoch die Frage, wer tatsächlich hinter bestimmten Transaktionen stand - und wie sorgfältig die Hintergründe abgeklärt wurden", schreibt Addendum. Eine RBI-Sprecherin erklärte am Vortag auf Anfrage, die Compliance-Abteilung der RBI prüfe den Sachverhalt nun Fall für Fall. Details dazu könne man aufgrund des österreichischen Bankgeheimnisses nicht nennen.

Verdächtige Konten

"Addendum" zitierte am Dienstag aus einer Anzeige des US-Investmentfonds Hermitage Capital, die Zahlungen von umgerechnet rund 967 Mio. US-Dollar (853 Mio. Euro) gefunden haben will, die von verdächtigen Konten bei der Danske-Bank-Tochter in Estland und der Ukio Bankas aus Litauen stammen sollen. Das Geld landete laut Anzeige auf insgesamt 1055 österreichischen Bankkonten bei 78 Banken, so "Addendum". Der größte Teil - rund 634 Mio. US-Dollar - floss laut Dokumenten aus dem Zeitraum 2005 bis 2013 auf Konten bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB), die eine sogenannte Korrespondenzbank der Ukio Bankas gewesen ist.

Staatsanwalt prüft

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) erklärte auf APA-Anfrage, man prüfe, ob ein Anfangsverdacht vorliegt. Ein Ermittlungsverfahren sei bisher nicht eröffnet worden. Die WKStA-Sprecherin bestätigte, dass vor kurzem eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingelangt sei. Eine Raiffeisen-Sprecherin erklärte, die Compliance-Abteilung der RBI prüfe den Sachverhalt nun Fall für Fall. Details dazu könne man auf Grund des österreichischen Bankgeheimnisses nicht nennen. Gegenüber Reuters hieß es seitens der Raiffeisen Bank International (RBI), ein Teil dieser Vorwürfe sei schon Gegenstand behördlicher Untersuchungen gewesen, die bestätigt hätten, dass diese Vorwürfe unbegründet sind.

Absturz von Bankaktien

Die Aktien der RBI stürzten an der Wiener Börse am Dienstagvormittag zwischenzeitlich um mehr als 11 Prozent ab. Auch in den Niederlanden drückte ein Magazinbericht über den Verdacht auf Geldwäsche bei den größten niederländischen Banken Händlern zufolge die Aktienkurse von ABN Amro und ING. ABN-Titel gaben 4,6 Prozent nach, ING fielen um 2,4 Prozent. Laut dem finnischen Fernsehsender Yle könnte weiters die Nordea Bank in den Geldwäsche-Skandal verstrickt sein. Wie Yle berichtete, erhielt das Institut zwischen 2005 und 2017 verdächtige Zahlungen in einem Volumen von rund 700 Mio. Euro. Das Geldhaus wollte den Bericht nicht kommentieren.

Auch Hypo Vorarlberg taucht auf

Auch die Hypo Vorarlberg taucht in einem Bericht auf. Laut "Addendum" soll für eine Luxuswohnung in Wien Geld von vier Firmenvehikeln mit Konten bei der estnischen Tochter der dänischen Danske Bank gekommen sein. Die Danske Bank steht in Estland im Zentrum eines der größten Geldwäscheskandale in Europa mit einem Volumen von rund 200 Mrd. Euro. Die Hypo Vorarlberg erklärte, wegen des Bankgeheimnisses keine Auskünfte geben zu können. "Wir sind jedoch überzeugt davon, dass wir die geltenden gesetzlichen Vorgaben und Verpflichtungen - auch in Bezug auf die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung - jederzeit erfüllt haben", so eine Sprecherin.

Todesfall erscheint in neuem Licht

Der Fall des im August 2012 bei Königstetten in Niederösterreich tot aufgefundenen Wiener Wirtschaftsanwalts Erich Rebasso könnte durch die Recherchen ebenso in einem neuen Licht erscheinen. Demnach soll Rebasso als Geld-Maultier ("Money Mule") für russische Kriminelle fungiert haben und an der Wäsche großer Summen beteiligt gewesen sein.

Kommentare (2)
lexbalexba
1
0
Lesenswert?

Raiffeisen Bezirksbank Klagenfurt

Supersauber, soweit ich weiß!

selbstdenker70
1
10
Lesenswert?

....

Banken und Geldwäsche? Nie und nimmer....