Die Wiese liegt vom Süden gesehen kurz vor Friesach direkt an der St. Veiter Straße mit Blick auf den Deutschhauserberg, wo die künstliche Burg entsteht. Das 1,3 Hektar große Grundstück war bisher in Privatbesitz und ungenutzt. Jetzt ist es der Boden für etwas Großes: Das Klagenfurter Unternehmen "Unser Kraftwerk" baut darauf Österreichs bisher größte Solarthermie-Anlage. Die 436 Großflächenkollektoren mit einer Gesamtfläche von 5750 Quadratmetern, was in etwa einem Fußballfeld entspricht, stammen von GreenOneTec aus St Veit/Glan. Schon ab Juli sollen sie in den Sommermonaten 100 Prozent des Wärmebedarfes der Friesacher Fernwärmekunden decken. Das sind etwa 150 Hausanschlüsse bzw. rund 3000 Wohnungen. Auch das Friesacher Krankenhaus, das Gericht und die Maschinenfabrik Springer sind Fernwärmekunden.

Zwischen den Kollektoren wird eine Blumenwiese angesät
© Rudolf Inzko/KK

"Das Projekt war eigentlich prädestiniert dafür, aufgegeben zu werden", sagt Adolf Melcher, Geschäftsführer der Kelag Energie & Wärme GmbH, während einer Baustellenbegehung. Denn die Vorarbeit hat fünf Jahre gedauert. "Wir brauchen kürzere Genehmigungszeiten", sagt auch GreenOneTec-Chef Robert Kanduth. Friesach ist für GreenOneTec, den Weltmarktführer von thermischen Sonnenkollektoren, ein Vorzeigeprojekt. "Wir haben bereits Anmeldungen aus Italien, Chile und Mexiko zur Besichtigung dieser Anlage", sagt Kanduth und rechnet vor: "Die Anlage spart innerhalb von 25 Jahren 7,5 Millionen Liter Heizöl oder 15 Millionen Kilogramm Holz." Die Stadt Friesach ist stolz. "Wir sind wohl ein Stück weit verrückt", formuliert es Vizebürgermeisterin Ursula Heitzer (SP).

Bereits verlegt ist die 1,1 Kilometer lange Fernwärmeleitung vom Kollektorfeld zum neuen, 1000 Kubikmeter fassenden und elf Meter hohen Pufferspeicher beim Biomasseheizwerk der Kelag hinter dem Krankenhaus. Melcher: "Wir betreiben in Österreich 85 Fernwärmenetze. Doch der Schritt in Friesach ist für uns Neuland."

Die Kollektoren haben eine maximale Leistung von vier Megawatt. "Sie werden Wasser auf bis zu 90 Grad Celsius erwärmen und in den Pufferspeicher leiten", erläutert "Unser Kraftwerk"-Geschäftsführer Gerhard Rabensteiner. Und: "Die Solarthermie wird vor allem den Warmwasserbedarf der Kunden im Sommer decken, in der Übergangszeit aber auch zur Heizung beitragen." Finanzieren wird "Unser Kraftwerk", für den es das erste Solarthermieprojekt ist, die Investition von zwei Millionen Euro über ein Bürgerbeteiligungsmodell. "Wir bieten Kleininvestoren den Kauf einzelner Sonnenkollektoren an und mieten sie gegen eine fixe jährliche Pacht von drei Prozent der Investitionssumme zurück." Die Kalkulation ist auf 20 Jahre ausgelegt. Gefördert wird die Anlage vom Klima- und Energiefonds und vom Land Kärnten. Blenden wird die Anlage weder Auto- noch Radfahrer. Sie wird umzäunt, mit einer Hecke "versteckt" und dem Blendschutz wird gemäß Auflagen Genüge getan.