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Kursverluste wegen DieselskandalInvestoren klagen gegen Daimler

In dem Musterverfahren könnte es um über eine Milliarde Euro gehen. 219 institutionelle Anleger klagen.

Daimler-Headquarter (in Stuttgart) © APA/AFP/THOMAS KIENZLE
 

Mehrere Investoren haben gegen den deutschen Autobauer Daimler Schadenersatzklagen im Zusammenhang mit möglichem Dieselabgasbetrug eingereicht. Die Kanzlei Tilp aus Tübingen teilte am Dienstag mit, sie sei von 219 institutionellen Anlegern mit einer entsprechenden Klage beauftragt worden. Die gesamte Schadenersatzforderung belaufe sich auf 896 Millionen Euro.

Zu den klagenden Investoren gehören den Angaben zufolge unter anderem Banken, Versicherungen und Pensionsfonds aus Deutschland, anderen EU-Staaten, Nordamerika, Asien und Australien.

Tilp erklärte, man werfe Daimler vor, kapitalmarktrechtliche Pflichten verletzt zu haben. Der Autobauer habe die Verwendung von illegalen Abschalteinrichtungen in seinen Diesel-Fahrzeugen sowie die hiermit verbundenen Risiken und Kosten dem Kapitalmarkt verschwiegen und die Investoren über die wahren Umstände getäuscht hat. Zwischen dem 10. Juli 2012 und dem 20. Juni 2018 sei der Kurs der Daimler-Aktie von über 90 Euro auf unter 60 Euro gefallen. Die dadurch erlittenen Schäden seien Gegenstand der jetzigen Klagen.

Bisher fordern Investoren des Autobauers VW nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz Schadenersatz in Milliardenhöhe für Kursverluste nach Bekanntwerden des Dieselbetrugs. Anleger werfen dem Management des Volkswagens-Konzerns und der Porsche-Dachgesellschaft PSE vor, sie zu spät über die finanziellen Risiken der im September 2015 bekannt gewordenen Abgasmanipulationen informiert zu haben. Dieser milliardenschwere Anlegerprozess kam bis jetzt nur schleppend voran.

Temperaturfenster als Streitpunkt

Auch Daimler muss sich mit Abgasvorwürfen auseinandersetzen. Ein zentraler Streitpunkt hier: sogenannte Temperaturfenster, innerhalb derer die Reinigung zur Schonung von Motorbauteilen heruntergefahren werden darf. Weil es dabei rechtliche Grauzonen gibt, klagen auch viele Kunden. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte 2018 und 2019 gegen insgesamt mehrere hunderttausend Daimler-Fahrzeuge Rückrufbescheide wegen einer unzulässigen Abgastechnik erlassen.

Daimler erklärte auf Anfrage: "Wir halten die uns bekannten Klagen für unbegründet und werden uns gegen die Vorwürfe mit allen juristischen Mitteln verteidigen - gegebenenfalls auch in einem etwaigen Musterverfahren." Ein solches Musterverfahren könnte - ähnlich wie im Fall VW - Bewegung in die juristischen Streits zwischen dem Autobauer und Aktionären bringen. Im Kern geht es bei einem Musterverfahren darum, zentrale Rechtsfragen sämtlicher Fälle bereits vorab von der nächsthöheren Instanz verbindlich entscheiden zu lassen.

Verfahren noch vor dem Sommer?

Die Kanzlei Tilp zeigt sich zuversichtlich. Man habe alle formellen Voraussetzungen für ein Musterverfahren geschaffen und erwarte, dass es noch vor der Sommerpause beginnen könne. Die Kanzlei hat nach eigenen Angaben auch für zahlreiche private Anleger Klagen gegen Daimler eingereicht. Zudem liefen Gespräche mit weiteren institutionellen Klägern, bei denen es um Schäden in dreistelliger Millionenhöhe gehe, sagte Rechtsanwalt Andreas Tilp der "Wirtschaftswoche". "Es werden im laufenden Jahr weitere Klagen hinzukommen. Die Gesamtschadenssumme unserer Klagen dürfte 2020 auf 1,8 Milliarden Euro steigen."

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