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Sitzung in VilniusEZB hält Leitzins bis mindestens Ende Juni 2020 bei 0,0 Prozent

Auch der Einlagensatz bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent. Und Geldhäuser müssen weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

© Getty Images/iStockphoto
 

Der Leitzins im Euroraum bleibt mindestens bis zum Ende des ersten Halbjahres 2020 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei seiner auswärtigen Sitzung heute, Donnerstag, im litauischen Vilnius. Der EZB-Rat tagt üblicherweise mindestens einmal im Jahr außerhalb von Frankfurt.

Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Auch den Einlagensatz beließen die Währungshüter auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Geldhäuser müssen damit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

Sparer müssen sich noch länger gedulden, ehe die Zinsen im Euroraum wieder steigen. Geschäftsbanken bekommen frisches Zentralbankgeld bis mindestens Mitte 2020 weiterhin zum Nulltarif.

Kreditvergabe beflügeln

Bereits beschlossen sind zudem neue Geldspritzen für Banken. Von September 2019 bis März 2021 stellt die EZB jeweils zweijährige Kredite zu besonders günstigen Konditionen zur Verfügung - im Fachjargon TLTRO genannt. Ziel ist, die Kreditvergabe zu beflügeln und so Wirtschaftswachstum und Inflation anzuschieben.

Mittelfristig strebt die EZB eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug weg von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur bremsen.

Im Mai lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach vorläufigen Angaben der Statistikbehörde Eurostat um 1,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im April war die Inflation mit 1,7 Prozent noch wesentlich höher. Die neuesten Einschätzungen der EZB zur Entwicklung von Inflation und Wachstum in den 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung wird EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagnachmittag veröffentlichen.

EZB-Chef Mario Draghi
EZB-Chef Mario Draghi Foto © APA/AFP/DANIEL ROLAND

Die Hoffnungen der Finanzbranche auf Entlastung beim Strafzins erfüllten sich unterdessen zunächst nicht. Wegen der immensen Kosten der Negativzinsen - nach Branchenangaben allein im vergangenen Jahr rund 7,5 Milliarden Euro im Euroraum - waren zuletzt Forderungen nach einer Staffelung des Strafzinses oder Freibeträgen lauter geworden. Führende Notenbanker sehen das jedoch skeptisch. Umstritten ist unter anderem, wie sehr der Negativzins die Geschäfte der Banken bremst.

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