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InvestorenJedes vierte steirische Start-up setzt auf Business Angels

Die steirische Start-up-Szene ist besonders lebendig und das zieht Investoren, sogenannte "Business Angels", an. Dabei geht es den Gründern nicht alleine ums Geld.

aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister, Business Angel Herbert Gartner, Vizerektorin der TU Graz, Claudia von der Linden, und Science-Park-Graz-Chef Martin Mössler (von links)
aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister, Business Angel Herbert Gartner, Vizerektorin der TU Graz, Claudia von der Linden, und Science-Park-Graz-Chef Martin Mössler (von links) © aws/Lichtmeister
 

Seit mehr als 20 Jahren vernetzt "i2 Business Angels" der aws (Austria Wirtschaftsservice) Investoren mit vielversprechenden Start-ups. Im Vorjahr konnten 17 Unternehmen an Investoren vermittelt werden, das Investmentvolumen betrug 2017 rund 5,5 Millionen Euro, die Tendenz ist steigend. So erfolgten heuer bis Ende September bereits 20 Vermittlungen. Als größte Drehscheibe in Österreich wird das Service zudem bei Investoren immer beliebter: Das Netzwerk wuchs im Sommer dieses Jahres erstmals auf 300 aktive Investoren und steht aktuell bereits bei mehr als 320 Business Angels.

„Für uns ist es sehr wichtig, eine lebendige Business Angel-Szene zu entwickeln. Denn für Start-ups ist es zum einen schwierig, Kapital in sehr frühen Phasen zu erhalten. Zum anderen fehlen den Jungunternehmern oft auch die nötigen Netzwerke und Erfahrungen. Business Angels können genau diese Lücke schließen. Wir reden in der Finanzierung oft von Family, Friends and Fools – die Fools wollen wir mit der Vermittlung von professionellen Business Angels ersetzen“, sagt aws Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn aktuell gibt es bei professionellen Investoren mehr Nachwuchs denn je.

Strategisches Wissen entscheidend

Davon profitieren insbesondere steirische Start-ups: Denn rund ein Viertel der steirischen Jungunternehmen nutzen in einer frühen Phase finanzielle Ressourcen und Erfahrungen von Investoren, bestätigt Martin Mössler, Geschäftsführer der „Start-up-Schmiede“ Science Park Graz: „Der Trend ist dahingehend verstärkt wahrzunehmen, dass insbesondere Hightech-Start-ups in einem sehr frühen Stadium der Unternehmensentwicklung auf Business Angels setzen.“ Der Erhalt von Investitionskapital sei dabei nicht immer der primäre Entscheidungsgrund, sagt Mössler: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass es Jungunternehmen immer wichtiger wird, bewanderte Strategen in der Skalierung von Start-ups an Bord zu holen. Know-how im Wachstum, beispielsweise was die Erschließung von neuen Märkten angeht, ist ebenso wichtig wie die monetäre Unterstützung an sich“, betont der Science Park Graz-Geschäftsführer. Dahingehend sei die unlängst erfolgte Ansiedlung heimischer Inkubationszentren, die durch das sogenannte „AplusB“-Programm subventioniert werden, in die Bereiche des aws ein großer Erfolg, wie Mössler bestätigt: „Dadurch sind die Hightech-Start-ups in einer frühen Phase noch näher an den entsprechenden Finanzierungsinstrumenten – von zielgerichteten Förderungen bis hin zum Kontakt mit den zunehmend wichtigen ‚Business Angels‘ gibt es entlang des Zyklus die richtige Maßnahme.“

Kostenintensive Innovationen

Dass gerade in der Steiermark die Wichtigkeit von „Business Angels“ – im Vergleich zu Restösterreich – auffallend hoch ist, kommt nicht von ungefähr: Das forschungsintensive Bundesland forciert speziell über den Science Park Graz hochtechnologische und damit kostenintensive Innovationen, was Geldgeber auf den Plan ruft. „Mit unseren Hochschulen – allen voran der Technischen Universität Graz, aber auch der Universität Graz und der Medizinischen Universität Graz – sowie unseren außeruniversitären Forschungseinrichtungen finden wir ein vitales Umfeld von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dadurch verfließen experimentelle und anwendungsorientierte Forschung und münden häufig in Hightech-Jungunternehmen, die in kostspieligen Hochtechnologien in Nischensegmenten agieren“, erklärt Claudia von der Linden, Vizerektorin der Technischen Universität Graz und Aufsichtsratvorsitzende des Science Park Graz. Auch faktisch gilt: Mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von 5,1 Prozent ist die Steiermark Spitzenreiter im EU-weiten Vergleich der Regionen. 

"Steiermark ist guter Boden"

Der Investment-Club eQventure mit Sitz in Graz macht sich dieses steirische Innovationsumfeld seit Jahren zunutze: An der Spitze der eQventure, in der sich eine Reihe erfolgreicher Hightech-Gründer zusammenschließen, steht der gebürtige Linzer Herbert Gartner. Für Furore sorgte er schon 2011 mit dem Verkauf des auf Bewegungssensorik für Smartphones spezialisierten Grazer Unternehmens SensorDynamics um 164 Millionen US-Dollar, zuletzt war Gartner am Millionenverkauf der Grazer NextSense beteiligt. Darüber hinaus bündelt eQventure zahlreiche steirische potenzielle Weltmarktführer im Portfolio – darunter die Mikrolautsprecher-Erzeuger von USound, die innovative Material-Science Firma Stirtec und die Halbleitersensorfirma SteadySense. „Die hohe Forschungsintensität auf Basis der steirischen Universitäten in Kombination mit der geballten Industrie ist ein guter Boden für die Entwicklung von Start-ups“, bestätigt Gartner, der sich daher auf Beteiligungen bei steirischen Unternehmen fokussiert hat. Die Bedeutung von Business Angels unterstreicht Gartner: „Wir sind national und international stark vernetzt, können global Marktzugänge eröffnen und wissen, wie Geschäftsmodelle skaliert werden können.“

Bis Jänner 2019: neuer Aufruf

Um die Start-up-Szene und die Mobilisierung von privatem Kapital weiter zu steigern, bietet die aws neben der Vernetzung durch i2 Business Angels gemeinsam mit dem EIF European Investment Fund einen Business Angel Fonds. Statt eines klassischen Co-Investments stellt der Fonds ausgewählten Business Angels einen Finanzierungsbeitrag zur Verfügung, mit dem der Eigenanteil bei zukünftigen Investments verdoppelt werden kann. Derzeit sind elf erfahrene Business Angels dabei in über 80 Start-ups investiert. 

Kürzlich startete zudem ein neuer Aufruf der Venture Capital Initiative (VCI) der aws: Dabei stehen insgesamt zehn Millionen Euro für junge, forschungs- und technologieorientierte Unternehmen in Österreich zur Verfügung. Wie bereits bei der vorherigen Runde ist es auch dieses Mal primäres Ziel, mit der aws VCI „neue“ Managementteams in Österreich anzusprechen. Bisher konnte die aws VCI ein Volumen von 34 Millionen Euro in neun Fonds investieren. Bis Ende Jänner 2019 können sich Venture Capital-Fonds mit regionalem Fokus in Österreich bei der aws für den aktuellen Call bewerben. 

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