Lösegeld verlangtNeue Cyber-Attacke legt Firmen lahm

Ein so genannter Erpressungs-Trojaner traf zahlreiche Firmen in der Ukraine. Aber auch den russischen Ölkonzern Rosneft und die dänische Reederei Maersk. Österreichische Unternehmen sind offenbar nicht betroffen.

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Sechs Wochen nach der globalen Attacke des Erpressungstrojaners "WannaCry" hat ein Cyberangriff Dutzende Unternehmen vor allem in der Ukraine lahmgelegt. Betroffen waren aber unter anderem auch der russische Ölkonzern Rosneft, die dänische Reederei Maersk, das britische Werbeunternehmen WPP und der französische Industriekonzern Saint-Gobain. Aus dem Österreichischen Innenministerium verlautet, dass keine Informationen vorlägen, wonach auch österreichische Unternehmen betroffen seien.

Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine Version der bereits seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software "Petya", die Computer verschlüsselt und Lösegeld verlangt. Berichtet wurde aber auch von einer "WannaCry"-Variante.

"Größter Hackerangriff der Geschichte"

Neben dem Staatskonzern Antonov meldeten auch Banken, Telekom, Post, ein Stromnetzbetreiber, der Kiewer Flughafen und die Regierung Probleme mit ihren Computer-Netzwerken. Es handele es sich um die bisher schwersten Hackerangriffe in der Geschichte des Landes, erklärten Berater des Innenministeriums in Kiew. Die Kiewer Metro teilte mit, dass durch den Angriff die Bezahlfunktion für Fahrten mittels Kreditkarten nicht mehr funktionierte.

Die ukrainische Zentralbank warnte am Dienstag in Kiew vor einer Attacke mit einem "unbekannten Virus". Auch der Internetauftritt der Regierung war betroffen. Berichten zufolge fordern die Erpresser für die Wiederherstellung der Systeme die Zahlung von jeweils 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin.

Webseiten "tot"

Kunden der staatseigenen Sparkasse wurden an Geldautomaten anderer Banken verwiesen. In den Filialen fänden nur Beratungen statt, hieß es. Mindestens vier weitere Banken, drei Energieunternehmen, die staatliche Post sowie ein privater Zusteller seien ebenso betroffen. Auch die Eisenbahn und der größte Flughafen des Landes, Boryspil, berichteten von Problemen. Die Webseiten mehrerer Medienunternehmen funktionierten ebenfalls nicht mehr. Bei der Polizei gingen bis zum Nachmittag 22 Anzeigen ein, darunter auch von mindestens einem Mobilfunk-Anbieter.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Mondelez International erklärte, Mitarbeiter in verschiedenen Regionen hätten technische Probleme. Der französische Baukonzern Saint Gobain erklärte ebenfalls, Opfer eines Angriffs geworden zu sein, ebenso der britische Werberiese WPP. Die weltgrößte Reederei A.P. Moller-Maersk schloss einen weltweiten Ausfall seines Computersystems nicht aus, nachdem etwa in Großbritannien und Irland Probleme bekannt wurden.

Sicherheitslücke

Mitte Mai hatte die "WannaCry"-Attacke hunderttausende Computer in mehr als 150 Ländern mit dem Betriebssystem Windows betroffen. Dabei sorgte eine seit Monaten bekannte Sicherheitslücke im veralteten Windows XP für eine schnelle Ausbreitung. Betroffen waren vor allem Verbraucher - aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Renault.

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