Einen kräftigen Umsatzsprung konnte der Autozulieferkonzern Magna im dritten Quartal verbuchen. Die Erlöse kletterten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf 9,3 Milliarden US-Dollar. Zählt man die ersten drei Quartale zusammen, summieren sich die globalen Umsätze auf 28,27 Milliarden Dollar, im Jahr davor waren es im selben Zeitraum 27,13 Milliarden. Das operative Ergebnis (Ebit) legte im dritten Quartal zum Vorjahr von 229 auf 441 Millionen Dollar zu.

Die Quartalsbilanz von Magna eröffnet auch einen Blick auf die Geschäftslage in der Grazer Gesamtfahrzeugfertigung. Hier gaben die Umsätze im dritten Quartal von 1,255 auf 1,213 Dollar Milliarden leicht mach, das operative Ergebnis (Ebit) stieg hingegen kräftig: von 30 auf 65 Millionen Dollar. Die Zahl der in Graz gefertigten Fahrzeuge wuchs in diesen drei Monaten um sieben Prozent auf 24.900. Sieht man sich den gesamten bisherigen Jahresverlauf an, ergibt sich ein Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 4,56 Milliarden auf 3,89 Milliarden Dollar – eine Entwicklung, die auch stark mit der Euro-Schwäche zum US-Dollar zu tun hatte. Aber auch die Zahl der gefertigten Autos sank von 92.900 auf 80.500.

Über Nachfolgeprojekte wird verhandelt

Für Magna stellt sich die Situation als komplex dar: Die großen Hersteller wollen ihre eigenen Werke auslasten, gerade in Zeiten sinkender Stückzahlen durch Chip-Krise. Dass der 5er-BMW mit dem Auslaufen 2024 nicht weiter in Graz produziert wird, gilt laut Branchen-Quellen als wahrscheinlich – über Nachfolgeprojekte wird verhandelt. Auch hinter der Jaguar-Produktion in Graz stehen Fragezeichen. Die Produktionszahlen in Graz legten zuletzt Tiefflüge hin. Die Modellzyklen von I-Pace und E-Pace gehen 2024/2025 zu Ende. Aber: Die Briten stellen sich als E-Marke neu auf, was Anlass zur Hoffnung gibt: In Graz wird mit Magna eine Elektro-Plattform für die zukünftigen E-Fahrzeuge der Marke aufgebaut.

Mit Mercedes hat man sich – nach harten Verhandlungen aufgrund von Unstimmigkeiten – geeinigt. Der "G", ein Welterfolg, bleibt in Graz, alles andere wäre Enttäuschung und Überraschung gleichermaßen gewesen. Denn Mercedes war längst dabei, den G-Spielplatz (Testgelände für Kunden aus aller Welt) zu erweitern. Neue Projekte, wie prestigeträchtige, sportliche E-Autos, konnten mit Mercedes nicht fixiert werden.

Fisker läuft am 17. November an

Die Produktion der neuen E-Automarke Fisker läuft am 17. November mit den ersten Kundenfahrzeugen an, bisher baute man an der Vorserie. Ob das Verkaufsmodell von Fisker Erfolg hat, muss sich erst noch weisen. Die Autos werden online bzw. in wenigen Auslieferungszentren verkauft, es gibt europaweit zentrale Anlaufstellen in den Ballungszentren. In Österreich wird es ein Fisker-Zentrum in Wien geben, aber keine Partner-Werkstätten in den Bundesländern, sondern mobile Fisker-Techniker-Teams. Fisker hat auf Nachfrage auch noch keinen Logistik-Partner für die weltweite Distribution genannt – das ist so kurz vor dem Produktionsstart ungewöhnlich.

Offen bleibt, wer die Auftragsbücher in Graz weiter füllt. Magna-Chef Günther Apfalter wurde zum Beispiel immer wieder in Wolfsburg, in der VW-Konzernzentrale, gesichtet. Eine Kunde, der immer wieder genannt wird, ist die neue Elektro-Marke Rivian. Vor allem deshalb, weil Amazon zum Beispiel eine E-Flotte von Zulieferfahrzeugen aufbauen will. Bei Magna in Graz winkt man aber ab.

Fix ist eines: Bis 2023 müssen neue Kunden oder Fortsetzungsaufträge spätestens geklärt sein.