Die österreichischen Bäcker und Fleischer schlagen Alarm. Die steigenden Energiepreise können viele Betriebe bereits jetzt nicht mehr stemmen. Doch die Mehrkosten können weder an der Wursttheke noch an der Theke kleinen Bäckereien verdient werden. Daher warnt die Wirtschaftskammer vor einer Welle des Bäcker- und Fleischersterbens.

"Die aktuelle Situation ist schon jetzt für viele Betriebe existenzbedrohend, vor allem für jene, die keinen langjährigen Vertrag mit einem Stromanbieter haben", sagt Raimund Plautz, Vorsitzender der Berufsgruppe Fleischer in der Wirtschaftskammer Österreich. Der Klagenfurter Fleischer fürchtet, dass sich die Situation in den kommenden Monaten für die österreichweit rund 1200 Fleischerbetriebe und ihre 14.500 Mitarbeiter sogar noch mehr zuspitzen könnte.

"Wenn, wie prognostiziert, die Preise pro Kilowattstunde Strom tatsächlich auf 70 bis 75 Cent steigen, stehen wir alle mit dem Rücken zur Wand", sagt Plautz. Denn vor allem die Herstellung von Fleischprodukten wie Wurstwaren und Speck, die erhitzt und gekühlt werden müssen, verschlingt viel Energie. Der Unternehmer hat sich ausgerechnet: "In meinem Betrieb mit 14 Mitarbeitern würde sich so eine Strompreisentwicklung mit einer Verteuerung von 8000 bis 9000 Euro pro Monat zu Buche schlagen." Ein Energiepreis, der auch in der Preiskalkulation mit einem Plus von zwei Euro pro Kilogramm Wurst berücksichtigt werden müsste, um die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens nicht zu gefährden.

Fleischerei Plautz - Raimund Plautz - Klagenfurt Dezember 2020
Fleischer Raimund Plautz
© Markus Traussnig

Kräftig unter Druck stehen auch die österreichischen Bäcker, die mit ihren Öfen und Teigkühlern ebenfalls viel Energie verbrauchen. Laut einer Berechnung der Wirtschaftskammer sind für einen kleinen, regionalen Bäckerei-Nahversorger mit "vergleichsweise sehr günstigen Energie-Verträgen" die Kosten rasant von 17.600 Euro auf 54.000 Euro im Jahr gestiegen. "Die Energiekosten sind bis zu zehnmal höher als letztes Jahr. Viele Bäckereien denken daran, für immer zu schließen", erklärt Josef Schrott, Innungsmeister des WKÖ-Bundesverbandes der Bäcker. Die Kostensteigerungen können nicht zur Gänze auf Kunden abgewälzt werden.

Hohe Mehl- und Fettpreise

Den Ernst der Lage bestätigen auch Heinz Regula, Innungsmeister der 180 steirischen Bäcker, und Martin Vallant, Innungsmeister der 90 Kärntner Bäcker. Verschärft werde die Situation durch gestiegene Preise für Mehle, Öle, Fette und Saaten. Im Sinne der "Kostenwahrheit", werde sich das auch auf die Preise der Backwaren niederschlagen, sagt Vallant. Allerdings könne er keine Größenordnung der Preissteigerung nennen, da diese je nach Betrieb, dessen Mitarbeiteranzahl und Lage unterschiedlich ausfallen werden. Auch Vallant will sich nicht auf eine Größenordnung festlegen. Fest steht für ihn aber, dass die Bäcker ohne Preisanhebung diese "stürmischen Zeiten" nicht bewältigen werden können. In der Wirtschaftskammer Oberösterreich rechnet man mit einem Preisanstieg bei Backwaren von etwa zehn Prozent.

Heinz Regula, Innungsmeister der steirischen Bäcker
© Juergen Fuchs

Regula ist davon überzeugt, dass viele Bäcker die Krise bewältigen werden, solange ihnen die Kunden die Treue halten und Verständnis für höhere Preise zeigen. Darüber hinaus könnte ein Sockelbetrag für günstige Energie "schnell Erleichterung" für die Betriebe bringen. Plautz hingegen fordert EU-weite Maßnahmen und die Entkoppelung des Strompreises vom Gaspreis ein. Vallant drängt darauf, dass Bäckereien als energieintensive Betriebe anerkannt werden.

Woche des Brotes Baecker Kaernten Innung Besuch Redaktion Kleine Zeitung Klagenfurt Baecker-Innungsmeister Martin Vallant und Hannes Kandolf
Martin Vallant, Innungsmeister der Kärntner Bäcker
© Traussnig