Alarmierende UmfrageJeder Vierte unter 30 verzichtet auf die Mülltrennung

89 Prozent der Kärntnerinnen und Kärntner und 85 Prozent der Steirer und Steirerinnen trennen den Müll. Die Entsorger sind dennoch alarmiert. Denn Menschen unter 30 ist das Thema weniger wichtig als älteren.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© Stadt Villach/Oskar Hoeher
 

Die gute Nachricht zuerst: „Mit der Debatte zum Klimaschutz ist der Bevölkerung die Bedeutung von Abfällen als wertvolle Sekundärrohstoffe bewusst geworden“, sagt Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbandes der Entsorgungsbetriebe (VOEB). Der Verband stützt sich dabei auf eine aktuelle Umfrage in eigenem Auftrag – demnach sehen 80 Prozent der Befragten den Abfall als wichtigen Rohstoff, 87 Prozent wünschen sich eine ökologische Kreislaufwirtschaft. Das wirft die Frage nach der Sammelmoral auf – und hier tun sich dann doch Problemfelder auf.

73 Prozent der Menschen unter 30 trennen den Hausmüll – und damit seltener als jene über 60 (91 Prozent). Dem VOEB bereitet dies Sorgen, denn es hänge viel vom Verhalten der Jüngeren ab, ob eine Kreislaufwirtschaft gelingen könne. „Junge Menschen engagieren sich umweltpolitisch, handeln im Alltag aber nicht immer entsprechend“, so Jüly. Das Altersgefälle ist auch bei der Frage nach der Verschwendung von Lebensmitteln oder der richtigen Entsorgung von Problemstoffen deutlich sichtbar.

13 verschiedene Systeme

Diesen Widerspruch erklärt sich Jüly damit, dass die vor 30 Jahren eingeführte Mülltrennung heute nicht mehr beworben werde. Eine „zeitgemäße Aufklärung“ (auch) in sozialen Medien und in mehreren Sprachen sei nötig. Ein Hindernis ist aber der Umstand, dass es in Österreich 13 verschiedene Sammelsysteme gibt; die Abfallentsorger drängen hier seit Jahren auf eine Vereinheitlichung.

Die Umfrage zeigt freilich regionale Unterschiede auf. Burgenländer sind mit 92 Prozent die eifrigsten Mülltrenner, gefolgt von Kärntnern und Tirolern (89 Prozent), die Steiermark kommt hier auf respektable 85 Prozent. Steirer und Steirerinnen sind laut der Umfrage unter 1500 Personen beim Vermeiden von Verpackungsmüll zwar im Spitzenfeld des Ländervergleichs, jedoch Schlusslicht beim achtsamen Umgang mit Lebensmitteln. In Kärnten ist das Bild genau umgekehrt.

Roboter und Fehlwürfe

Auch immer bessere Sortieranlagen könnten die Mülltrennung in den Haushalten nicht ersetzen, erklären die Fachleute. Dies sei „Voraussetzung für stoffliches Recycling“ und damit ein wichtiger Beitrag zum „Klimaschutz“, heißt es vom Entsorger Saubermacher, der die Ergebnisse der Umfrage bestätigt: Im ländlichen Raum und bei älteren Menschen beobachte man eine hohe „Trennmoral“, die bei jüngeren, urban lebenden Menschen tendenziell sinke.

Das führe dazu, dass man etwa bei jüngsten Restmüll-Analysen große Mengen an Fehlwürfen fand – bis zu zwei Drittel des Restmülls gehören dort nicht hinein. Die eine Hälfte davon seien biogene Abfälle, die andere umfasse Altstoffe wie Papier, Glas, Kunststoff und Metall. Im Biomüll wiederum liegt die Quote bei nur fünf Prozent und ist dort recht eindeutig auf „mitgeworfene“ Plastiksackerl zurückzuführen.

Zugleich tut sich technologisch viel in der Branche. Saubermacher betreibt in Graz Österreichs größte Sortieranlage für Leichtverpackungen. Dort eingesetzte Folienabtrenner, Nahinfrarotmaschinen, Nicht-Eisenabscheider – aber auch händische Sortierung – sorgen mittlerweile für Verwertungsquoten von über 95 Prozent. Dennoch betont man auch beim Entsorger, der selbst Sortierroboter im Einsatz hat: „Die beste Sortieranlage ist nach wie vor der Mensch.“

Wohin gehört der Müll?

Rot, gelb, braun oder schwarz? Die Frage nach der richtigen Tonne ist im Alltag nicht immer einfach. So gehören zum Beispiel nicht in die rote Tonne zum Altpapier: Tetrapackungen, verschmutztes Hygienepapier (Taschentücher), beschichtetes Papier, Etiketten, Kassabons und Tiefkühlverpackungen. Auch stark verunreinigtes Papier (Pizzaschachteln) gehört in den Restmüll.

In die gelbe Tonne für Plastikverpackungen sollten wirklich nur Verpackungen hinein; Spielzeug oder Blumentöpfe haben dort nichts verloren.

Flachglas (z. B. Fensterscheiben) bitte nicht in die Behälter für Glasverpackungen werfen. Es wird in der Steiermark im Zuge der Sperrmüllsammlung bzw. in zahlreichen Altstoffsammelzentren getrennt erfasst. Wäscheständer sind kein Altmetall, sondern Sperrmüll.

Kommentare (13)
Carlo62
0
7
Lesenswert?

Verzichtet ist vielleicht das falsche Wort

Vielleicht sind diese Menschen nur zu dumm und/oder zu faul zum Mülltrennen.

Raky
0
2
Lesenswert?

Bessere Information

In unserem Hause bemühen wir uns um die empfohlene Trennung, wir haben auch ein Gästeappartement wo wir die Gäste mittels der vom Müllverband angebotenen, mehrsprachigen Info- Blätter informieren. Auch die erforderlichen Behälter mit der Kennzeichnung sind vorhanden. Und es funktioniert! Daher: gute Information ist wichtig.

calcit
0
7
Lesenswert?

Wenn jemand nicht will…

…hilft das rein gar nichts. Ich habe genug Information aufgehängt, verteilt, immer wieder per SMS und E-Mail erinnert… nein, selbst der Weg für Glas oder Dosen zum ca. 50m entfernten Sammelbehälter im Park ist zu weit….

Lodengrün
0
11
Lesenswert?

Wenn sich

die jungen geimpften jungen Damen und Herren um die Covid Anordnungen nichts scheren werden sie dann schon gar nicht erst den Müll trennen.

blackpanther
0
12
Lesenswert?

Verzichten auf Mülltrennung

ist eine schlechte Formulierung, weil viel zu positiv. Verzicht ist ja grundsätzlich eine positive Eigenschaft. Besser müßte es heißen, es wird die Mülltrennung ignoriert bzw diese Personen pfeifen (trotz friday for future Demos) auf die Mülltrennung.

SoundofThunder
0
12
Lesenswert?

Ist mir auch schon aufgefallen

Kartonagen werden nicht zerlegt,sondern als ganzes in die Tonne geworfen (Platzsparend ist das nicht),der Bio-Müll samt Plastiktüten (obwohl es auf dem Deckel steht:Bitte keine Plastiktüten) in die Tonne geworfen,sogar eine WC-Schüssel befand sich einmal im Restmüll Container. Gelegentlich Autoreifen und auch ein Kühlschrank wurde auf dem Müllplatz entsorgt welcher von der Müllabfuhr verständlicherweise nicht mitgenommen wurde. Und so weiter. Mülltrennung fängt bei mir schon in den eigenen vier Wänden an. Dann braucht man unten nicht mehr den Müll trennen.

Hildegard11
5
22
Lesenswert?

Viel Erfolg....

...dann mit der Friday f.F. Bewegung beim Müllmachen, Streamen und Schulschwänzen.

leonlele
4
4
Lesenswert?

Was hat F.f.F jetzt genau mit dem Saustall am Müllplatz zu tun

Den zu unterbinden das kann nur jeder selber machen!

Hildegard11
0
8
Lesenswert?

...weil das....

...genau diese Generation ist.

future4you
0
19
Lesenswert?

Wozu denn Müll trennen,

wenn doch das Entsorgen aus dem Autofenster viel einfacher ist?

calcit
0
25
Lesenswert?

Ja leider…

…die Erfahrung mache ich in unserem Haus auch immer mehr… vor allem wird extrem viel über Lieferdienste bestellt und das Verpackungsmaterial, Essensreste und anderes wird defakto nicht getrennt…

Luzidererste
0
15
Lesenswert?

Traurig aber wahr

Ja genau und das selbe (in unserem Mehrparteienhaus) mit der Gangtour-/Gangfenster- , sowie Biokübel Reinigung, welche nicht gemacht wird. Spricht man die Personen darauf an, wird das bestritten oder es wird Einem ein (schön gesprochen/geschrieben) blödes Mundwerk angehängt.

melahide
1
20
Lesenswert?

Kenn ich

in unserem Haus auch. Da wird viel in den Restmüll gegeben (auch zb Dosen, obwohl wir eine eigene Dosen-Tonne haben). Schachteln werden in voller Größe im Altpapier entsorgt usw. Und so viele kaufen im Supermarkt ein wo ja echt alles in Plastik verpackt ist (und das liegt dann Volley im Restmüll).