WetterextremeGetreidefläche sinkt in Österreich auf historisch tiefes Ausmaß

Landwirtschaft durch Hagel, Sturm und Starkregen schwer getroffen. Inländische Mehlproduktion coronabedingt reduziert, Bio-Ackerfläche kann hohes Niveau halten.

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Die Anbauflächen für Weizen gehen deutlich zurück
Die Anbauflächen für Weizen gehen deutlich zurück © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Hagel, Sturm und Starkregen haben die Landwirtschaft in den letzten Wochen schwer getroffen. "Die heurige Getreideproduktion (ohne Mais) wird auf rund 2,9 Millionen Tonnen (t) geschätzt und sinkt durch Flächenrückgänge und etwas geringere Hektarerträge unter das Vorjahresniveau sowie unter das langjährige Mittel," informiert Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA).

Wetterextreme bestimmten die österreichische Flächennutzung. Der regenreiche, kühle Herbst ließ die Getreidefläche deutlich zurückgehen, die mittlerweile fast alljährliche Frühjahrstrockenheit bewirkte eine Reduktion des Frühjahrsanbaues. Die Gesamtgetreidefläche 2021 (ohne Mais) von 516.520 Hektar (ha) liegt um 5 Prozent (-26.739 ha) unter dem Vorjahr und um 11 Prozent (-63.014 ha) unter dem Ausmaß vor fünf Jahren.

Die Weichweizenfläche schrumpfte durch widrige Anbaubedingungen im Herbst 2020 um -8.570 ha auf ihr historisch geringstes Ausmaß von 237.536 ha. Dennoch ist der Weichweizen die mit Abstand meist angebaute Getreideart auf den heimischen Äckern. Roggen landete wegen Preisrückgängen und nassen Anbaubedingungen ebenfalls auf einem Flächentief von 32.769 ha. Die Fläche für Ölraps setzte ihren steilen Abwärtstrend der Vorjahre fort und landete auf einem Langzeittief von lediglich 28.189 ha.

Dinkel erfreut sich dagegen einer regen Nachfrage, weshalb die Anbaufläche jener alten Getreideart um 5082 ha auf ein Allzeithoch von 20.335 ha ausgeweitet wurde. Nachfragesteigerungen konnte auch Hartweizen durch erhöhten Teigwarenabsatz (+358,4 Prozent in der Kalenderwoche 11/2020) während den Lockdowns erzielen, weshalb die Fläche ausgedehnt wurde (+2.951 ha).

Ein weiterer Nachfragetrend, nämlich die zunehmende Beliebtheit von Kürbiskernöl, führt zu 4250 ha mehr Kürbisfläche und somit zu einem Rekordanbau. Niederösterreich löste (bereits 2016) die Steiermark als bedeutendstes Kürbisanbaugebiet ab. Körnermais zählt durch seine Fähigkeit auch in heißen Jahren stabile Erträge zu erzielen bisher zu den Gewinnern des Klimawandels, weshalb auch heuer die Anbaufläche um 4871 ha erhöht wurde.

Hohe Qualität trotz Regens und Hagels

Trotz der von zahlreichen Regen- und Hagelereignissen unterbrochenen Erntephase weist die österreichische Weizenernte 60 Prozent Qualitäts- und Premiumweizen sowie hervorragende Knet- und Backeigenschaften auf. Das heimische Weizenangebot kann somit alle Verarbeitungssektoren im Inland sowie im Export vor allem nach Italien bedienen. Laut EU-Kommission besteht durch die ausgedehnten Regenfälle im Juli in den bedeutenden EU-Anbaugebieten eine Unsicherheit der Weizenqualität.

Weitreichend sind die Auswirkungen des historisch größten Hagelereignis in der Geschichte der Hagelversicherung in Oberösterreich. Bis zu diesem Zeitpunkt gut entwickelte Getreidebestände wurden massiv geschädigt und führten teilweise sogar zu Totalausfällen. In den für den Roggen bedeutenden Regionen im Spätdruschgebiet Waldviertel kommt es derzeit aufgrund von Unwettern immer wieder zu Verzögerungen der Ernte.

Bioanteil liegt bei 20 Prozent

Der Bio-Anteil an der Ackerfläche liegt weiterhin bei hohen 20 Prozent, womit Österreich weiter im europäischen Spitzenfeld liegt. Der Bio-Anteil an der Gesamtgetreideproduktion beträgt 10 Prozent, der Bio-Anteil an der Verarbeitung 7 Prozent und der Bio-Anteil an den Lagerbeständen 14 Prozent.

Die Lager für Biogetreide sind geringer als im Vorjahr. Der Einsatz an Bio-Getreide in der Mehlproduktion wurde zum Vorjahr um 8 Prozent erhöht, der Bio-Getreideeinsatz in den Mischfutterwerken wuchs um 2 Prozent. Die Verarbeitungsbetriebe im industriellen Sektor konnten ihre Bio-Mengen um 22 Prozent steigern. Insgesamt konnte während des Lockdowns ein Trend zu einem höheren Bio-Konsum festgestellt werden. Durch die positive Entwicklung der Bio-Absätze gehen die Überhänge in den Bio-Getreidelagern zurück.

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