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1811 gegründetSpittaler Familienunternehmen Volpini bekommt deutsche Eigentümer

Familie Volpini de Maestri verkauft den traditionsreichen Verpackungsbecher-Produzenten an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Finexx.

Seit 2005 erzeugt Volpini Becher am neuen Standort in Molzbichl (in der Joghurtstraße)
Seit 2005 erzeugt Volpini Becher am neuen Standort in Molzbichl (in der Joghurtstraße) © ORF
 

Die Geschichte des Spittaler Verpackungsherstellers Volpini reicht ins Jahr 1811 zurück. Im Jahr 1906 kaufte der Industrielle Anton Volpini de Maestri die Fabrik, in der Wellpappe erzeugt wurde, von Anton Moritsch, einem Pionier der Kärntner Industriegeschichte.

Seit 1970 ist das Traditionsunternehmen auf die Produktion von Kunststoffverpackungen, insbesondere von nachhaltigen Verpackungsbechern, etwa für Joghurt, sowie Tiefziehfolien spezialisiert. Am Freitag wurde bekannt, dass Familie Volpini de Maestri 100 Prozent der Anteile an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Finexx mit Sitz in Stuttgart verkauft. Die Übernahme trage dem Wunsch der Eigentümerfamilie Rechnung, sich nach mehr als sechs Generationen Zug um Zug aus dem Unternehmen zurückzuziehen, um neue Aufgaben anzugehen, heißt es seitens Finexx.

Neuer Standort

25 Jahre lang – von 1991 bis 2016 - prägte der Industrielle Anton Volpini de Maestri das Familienunternehmen. Er war es auch, der das aus allen Nähten platzende Werk in der Innenstadt, 2005 an den neuen Standort nach Molzbichl verlegte. In seiner Ära wurden innovative, mit Preisen ausgezeichnete Verpackungen, darunter Kunststoffkorken für Weinflaschen und Becher aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, entwickelt. Im November 2016 verstarb Anton Volpini de Maestri 59-jährig.

60 Mitarbeiter, 13 Millionen Euro Umsatz

Seither befand sich das Unternehmen, das rund 60 Mitarbeiter beschäftigt und 13 Millionen Euro Umsatz erzielt, im Eigentum von fünf Familienmitgliedern. Johannes Volpini de Mastri, der bisher 44 Prozent der Anteile hielt, ist der Geschäftsführer. Für Traditionsunternehmen wie Volpini sei „die Nachfolgefrage besonders herausfordernd und bedarf rechtzeitiger, sorgfältiger Planung“, erklärt Johannes Volpini de Maestri. Der Familie sei „von Anfang an sehr wichtig gewesen, Volpini branchenerfahrenen Händen anzuvertrauen, die unsere unternehmerischen Werte teilen und das Familienerbe in unserem Sinne fortführen“.

KK Johannes Volpini de Maestri
Johannes Volpini de Maestri © KK

"Der Schritt ist natürlich schwer"

Was hat Sie bewogen, das Unternehmen Volpini zu verkaufen?

JOHANNES VOLPINI DE MAESTRI: Wir haben uns in den letzten fünf Jahren sehr dynamisch entwickelt und konnten das Unternehmen sehr gut durch die Coronakrise führen. Wir haben aber schon seit längerer Zeit einen Partner gesucht, der uns in die nächste Ausbaustufe begleitet und die geplanten Erweiterungen des Betriebs umsetzt. Wir sind an gewisse Grenzen gestoßen und brauchen signifikante strategische Investitionen. Finexx hat uns die Sicherheit gegeben, dass das Unternehmen weiterentwickelt wird.

Es war sicher kein Schritt, der Ihnen leicht gefallen ist, oder?

Der Schritt ist natürlich schwer, als Familienunternehmer mit der Tradition im Rückspiegel und dem unternehmerischen Blut. Es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge: Man gibt aus der Hand, was gepflegt und gehegt wurde, aber man hat nun einen neuen Eigentümer, der nun Dinge tun kann, die man selbst nicht bewerkstelligen hätte können. Man muss wissen, wann man als Unternehmer loslässt. Aber wir hören nicht auf, Unternehmer zu sein und widmen uns anderen Aufgaben.

Die 60 Mitarbeiter werden allesamt übernommen?

Die Mitarbeiter sollen übernommen werden, es ist auch ein Ausbau geplant.

Johannes Volpini de Maestri ist Steuerberater und leitet das Büro von "Ernst & Young" in Salzburg.

Johannes Volpini de Maestri wird sich aus der Geschäftsleitung zurückziehen. Die Übernahme soll in den kommenden Wochen abgeschlossen werden, zum Verkaufspreis gibt es keine Informationen. 430 Millionen Becher werden in der Joghurtbecherstraße in Spittal pro Jahr für die Lebensmittelindustrie erzeugt.

Joghurtbecherproduktion Foto © Rie-Press

Produktpalette soll weiterentwickelt werden

Laut Finexx mache die Ausrichtung an nachhaltigen Verpackungsprodukten Volpini zur „idealen Bereicherung für das Unternehmensportfolio“ des neuen Eigentümers, der in der Bio-Lebensmittelindustrie und im Bereich organischer Nahrungsergänzungsmittel über viel Erfahrung verfüge. Angedacht sei unter anderem, die Produktpalette weiterzuentwickeln und nationale wie internationale Vertriebsstrukturen auszubauen. „Volpini ist als traditionsreicher ‚Hidden Champion‘ hervorragend aufgestellt. Wir freuen uns, durch unsere Beteiligung den Rückzugswunsch der bisherigen Eigentümerfamilie zu ermöglichen“, sagt Finexx-Geschäftsführer Matthias Heining. Erfolg und Unternehmenswachstum sollten langfristig sichergestellt werden.

Zum neuen Eigentümer

Die Finexx GmbH Unternehmensbeteiligungen mit Sitz in Stuttgart ist eine 2013 gegründete Beteiligungsgesellschaft, die sich auf etablierte mittelständische Unternehmen spezialisiert hat.

Typische Betätigungsfelder sind Wachstums-, Investitions- und Akquisitionsfinanzierungen sowie die Begleitung von Veränderungen im Gesellschafterkreis und Nachfolgeregelungen.

Überwiegend im Rahmen von Mehrheitsbeteiligungen investiert Finexx langfristig Mittel unter anderem von Versicherungen und Versorgungswerken.

Kommentare (1)
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fwf
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Lesenswert?

Und wieder einmal

Wieder ein traditioneller österreichischer Betrieb der an ausländische Investoren verkauft wird. Und irgend wann werden unsere Betriebe jammern, dass sie kein Verpackungsmaterial mehr bekommen. Wo bleibt der Selbstversorgungsgedanke Österreichs ? Hat man aus der Corona-Impfstoffkrise gar nichts gelernt ?