"2020 war auch für die Milchwirtschaft ein herausforderndes Jahr", sagt Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Geschäftsführer der Kärntnermilch. Schon der erste Lockdown im März habe die Branche hart getroffen. Molkereien mussten Mengensteuerungsmodelle einführen, weil von März bis Mai die milchreichste Zeit im Jahr sei, und die Milchbauern trotzdem ihre Mengen produziert hätten. "Die Landwirte haben ja keine Kühe in Kurzarbeit. Sie müssen trotzdem entsprechend versorgt werden", so Petschar.

Das größte Problem, so Petschar, sei der Totalausfall der Gastronomie. Im Schnitt liege das Minus hier bei 60 bis 80 Prozent. Trotzdem ist der Gesamtumsatz der Molkereibranche 2020 um 3,2 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro gestiegen. Wie das möglich war? "Durch den Mehrabsatz im Lebensmittelhandel", sagt der VÖM-Präsident. Alleine bei Butter habe es Steigerungsraten von 15 Prozent gegeben, bei Käse von 10 Prozent. Im Schnitt sei der Absatz der Milchprodukte im Handel um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Und speziell die Nachfrage nach Biomilch sei groß, auch im Export, und da wiederum vor allem in Deutschland.

Helmut Petschar ist VÖM-Präsident und Chef der Kärntnermilch
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Strukturwandel bei Milchlieferanten

Petschar weist aber auch auf den Strukturwandel bei der Anzahl der Milchlieferanten hin. Waren es 1994 noch 81.902, so sind es heute nur noch 24.645. Ein durchschnittlicher Lieferant habe nicht mehr als 21,3 Kühe, 70 Prozent der gesamten Produktion finde im Berggebiet statt. Der Milchgeldumsatz pro Lieferant habe sich von 2019 auf 2020 um 6,2 Prozent auf 58.571 Euro erhöht.

Rund 3,8 Millionen Tonnen Milch werden jährlich in Österreich produziert. Der Pro-Kopf-Konsum liegt bei knapp 75 Kilomgramm
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Umsatzsteigerungen im Export

Jährliche Umsatzsteigerungen werden auch im Export erzielt. Vom Gesamtumsatz von 2,95 Milliarden Euro werden 1,31 Milliarden Euro im Ausland verdient, was 2020 einem Plus von 4,5 Prozent entspricht. Mehr als die Hälfte der gesamten Exporte wiederum gehen nach Deutschland, so Petschar. Sein Appell an die Politik und an den Lebensmittelhandel: "Wir dürfen die Bauern gerade in dieser Zeit nicht im Stich lassen." Aktuell gebe es keine Ersatzzahlungen. Jetzt hoffe man auf Hilfsgelder, ähnlich, wie sie beispielsweise für Schweinebauern ausgezahlt werden.

In Österreich werden laut Statistik Austria jährlich rund 3,8 Millionen Tonnen Milch produziert. Pro Kopf werden rund 75 Kilogramm getrunken. Der Bioanteil liegt bei 26 Prozent.