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Tiefe Rezession erwartetAgenda Austria: Stromverbrauch sank massiv, BIP schrumpft deutlich

Der Stromverbrauch in Österreich ist in der Coronakrise massiv gesunken. Daraus leitet die Agenda Austria ab, dass die Wirtschaftsleistung, für die eine Schnellprognose anhand des Stromverbrauchs erstellt wurde, ebenfalls deutlich zurückgehen wird. Die Rezession durch die Covid-19-Pandemie werde tief sein, so die Agenda Austria in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse.

Der Stromverbrauch ist ein wichtiger Indikator. © (c) vchalup - stock.adobe.com
 

Die Schätzungen anhand des Stromverbrauchs legten nahe, dass der Wirtschaftseinbruch der größte in der Zweiten Republik sein werde. Bereits in der Woche vor dem 16. März sei die Stromnachfrage gesunken, das stärkste Minus habe es mit 20 bis 45 Prozent in den zwei Wochen nach dem 16. März gegeben. In der ersten Aprilwoche habe sich der Rückgang etwas abgeschwächt, sei aber immer noch bei durchschnittlich 25 Prozent gelegen. Die Rückgänge an den Wochenenden seien weniger stark oder gar nicht vorhanden.

Welche Rückgänge der Wirtschaftsleistung sich aus den Stromverbrauchsdaten ergeben hänge von der gesamten Dauer des unterstellten Lockdowns ab. Bei einem sechswöchigen Lockdown von 16. März bis 30. April müsse man anhand des errechneten Verbrauchs mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,46 Prozent für heuer rechnen. Wenn die Sperre bis zu den Sommerferien (15 Wochen) dauere, könnte das BIP um 7,5 Prozent zurückgehen, wobei davon ausgegangen wird, dass es keine "zweite Welle" an Ansteckungen im zweiten Halbjahr geben wird. Diese Schnellprognose decke sich weitgehend mit Prognosen von anderen Instituten.

Wichtig: unbürokratische Hilfe

Es gelte in jedem Fall eine Pleitewelle von an sich gesunden Unternehmen zu verhindern und damit eine mögliche Finanzkrise, die den Stillstand noch verschärfen würde. Nötig seien in einem ersten Schritt unbürokratische und schnelle Liquiditätsunterstützung und in einem zweiten eine umfassende Kapitalmarktstrategie für die österreichische Volkswirtschaft sowie eine Stärkung von Risiko- und Eigenkapitalfonds. Eine Reihe von Maßnahmen wie expansive Notenbankpolitik, Überbrückungskredite oder Kredit- und Steuerstundungen ziele auf eine Verhinderung drohender Insolvenzen und einer Finanzkrise ab.

Konjunkturprogramme seien in der akuten Gesundheitskrise nicht wirksam, weil Beschäftigte ihr Geld weniger gut ausgeben können und Unternehmen in gewissen Branchen weiter nur eingeschränkt ihre Waren und Dienstleistungen anbieten können. Zu wirksamen Reformen zählen für die Agenda Austria etwa das Vorziehen von geplanten Infrastrukturprojekten, eine steuerliche Begünstigung von Unternehmensinvestitionen oder eine steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit sein, um den Anstieg der Beschäftigung zu beschleunigen.

Mobilitätsdaten zeigen Rückgang von Besuchen in Handelsbetrieben

Nicht nur Stromdaten wiesen in Echtzeit darauf hin, wie ungewöhnlich der aktuelle Ausnahmezustand sei. Auch Mobilitätsdaten der großen digitalen Konzerne Apple oder Google zeigten, dass die Wirtschaft de facto stillstehe. Seit der Einführung der Ausgangsbeschränkungen seien Besuche in Handelsbetrieben um mehr als 80 Prozent gesunken, in Arbeitsstätten um rund 50 Prozent, in Supermärkten und Apotheken um 30 Prozent. Diese Daten könnten hilfreiche Hinweise darauf liefern, inwieweit die langsame Öffnung im Einzelhandel auch tatsächlich in den Geschäften ankomme.

Auch in Deutschland hat der Stromverbrauch seit dem weitgehenden Stillstand in großen Teilen der Wirtschaft spürbar nachgelassen, wie das Kieler IfW-Institut laut der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Der Stromverbrauch werde stark von der Industrieproduktion beeinflusst und deute dort auf einen Einbruch seit dem Lockdown um rund 20 Prozent hin. Während der Zeit des "harten Lockdowns vom 23. März bis zum 19. April" lag der deutsche Stromverbrauch an Werktagen im Schnitt um 7,5 Prozent unter dem normalerweise zu erwartenden Wert - "mit deutlich fallender Tendenz", schätzen die Forscher auf Basis amtlicher Daten. Seit den Lockerungen ab dem 20. April habe sich der Stromverbrauch wieder etwas erhöht und liege nun im Schnitt 6,6 Prozent unter den Erwartungen.

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