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Exodus aus SüdosteuropaKroatien & Co: Länder verlieren Kampf um kluge Köpfe

Allein von 2013 bis 2016 wanderten 230.000 kroatische Bürger ins EU-Ausland aus. Ähnliche Beobachtungen macht man auch in Bulgarien, Serbien oder Rumänien.

Brain Drain: Südosteuropäische Staaten kämpfen gegen den Verlust von jungen, klugen Köpfen
Brain Drain: Südosteuropäische Staaten kämpfen gegen den Verlust von jungen, klugen Köpfen © leremy - stock.adobe.com
 

"Wir sind eine im Verschwinden begriffene Nation." So beklagt Marian Hanganu, Chef der rumänischen Headhunting-Firma Colorful, auf seiner Homepage die Massenauswanderung aus einem der ärmsten EU-Länder. "Das Resultat ist, dass viele multinationale Unternehmen entschieden haben, nicht mehr in Rumänien zu investieren, weil es einfach kein Personal gibt."

Ähnlich sieht es im Nachbarland Bulgarien aus: "Die Wirtschaft beginnt, Verträge und neue Aufträge abzusagen, da es an Arbeitskräften fehlt", so Wirtschaftsminister Emil Karanikolow in einem bulgarischen TV-Sender.

Viele Menschen aus Südosteuropa zieht es in Länder wie Deutschland, Italien und Spanien. Die Löhne in ihrer Heimat steigen, aber nur gering. Ganz Südosteuropa ist betroffen. Unternehmer, Experten und Politiker von Budapest bis Athen sorgen sich. Gerade die für den Arbeitsmarkt attraktiven jungen, gut ausgebildeten Menschen wandern ab. Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden.

Normalität wird vorgegaukelt

Mancherorts führt der Exodus zu verzweifelten Versuchen der Behörden, den Bürgern Normalität vorzugaukeln, wie etwa im ostkroatischen Dorf Rusevo: Dort wurde jüngst das Schulgebäude neu gestrichen, obwohl es in dem Ort nur vier Schüler gibt. Was aber nicht wegzutünchen ist: In dem auf 310 Einwohner geschrumpften Ort in der Nähe von Slavonski Brod steht die Hälfte der Häuser an der Hauptstraße leer, viele davon verfallen.

Mehr als zwei Millionen Rumänen leben nach Schätzung der Regierung in Bukarest im Ausland, die meisten in Spanien und Italien. Der Exodus in der Nachbarschaft war ähnlich: Mehr als 700.000 Bulgaren haben nach offiziellen Angaben im EU-Ausland ein neues Zuhause. Aus Kroatien wanderten laut einer Studie der Nationalbank (NHB) in Zagreb allein von 2013 bis 2016 230.000 Bürger ins EU-Ausland aus. Es entspricht einer Auswanderungsrate von 2 Prozent der Bevölkerung pro Jahr. Serbien haben seit dem Jahr 2000 nach Regierungsangaben 654.000 Menschen verlassen. Sie gesellen sich zu der halben Million Serben, die bereits vorher wegen der von Slobodan Milosevic angezettelten Kriege emigriert sind.

400.000 junge Griechen gingen ins Ausland

Griechenland kehrten seit Ausbruch der schweren Finanzkrise 2010 nach Schätzungen der Gewerkschaften mindestens 400.000 überwiegend junge Menschen den Rücken. Der neue konservative griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hat wiederholt erklärt, sein Ziel sei es, das Leben aller Griechen zu verbessern und auch den Auswanderern wieder "Perspektiven zu bieten, damit sie zurückkehren".

Sogar in Ungarn, das bisher als eines der am besten entwickelten Länder der Region galt, setzte nach der globalen Krise 2008 eine Emigrationswelle ein, die sich nach 2010 sprunghaft verstärkte, wie die Budapester Soziologin Agnes Hars in einer Studie feststellte. Allein von 2010 bis 2017 hätten mehr als 200.000 Ungarn zwischen 20 und 65 Jahren das Land verlassen - die Dynamik sei die höchste in allen neuen EU-Beitrittsländern gewesen. Seit 2010 ist der nationalistische Politiker Victor Orbán Ministerpräsident von Ungarn.

Für Cristina Mihu war die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, leicht. Sie hatte in der Schule in Deva in der rumänischen Provinz Transsylvanien Deutsch als zweite Fremdsprache gelernt. Während des anschließenden Medizin-Studiums in Temeswar finanzierten ihre Eltern drei Praktika in Kliniken in Italien, Spanien und in Heidelberg. "Ich wollte international Erfahrungen sammeln", sagt die 32-jährige Fachärztin für Innere Medizin am Klinikum Nürnberg. Seit sechs Jahren ist sie in Franken. Die in Rumänien auch im Gesundheitswesen verbreitete Korruption war neben dem besseren Verdienst ein Grund für ihre Auswanderung. "Das hat mich schon gestört, auch wenn es früher schlimmer war", sagt sie.

Krankenhäuser müssen Stationen schließen

Im Vergleich zu Rumänien habe Deutschland nicht nur die besser ausgestatteten Kliniken, sondern auch einen anderen ihr sympathischen Zug. "In Deutschland spricht man deutlich mehr mit den Patienten", sagt Mihu.

Eine Stichprobe unter 217 deutschen Krankenhäusern ergab die klare Tendenz, dass unter den nichtdeutschen Pflegekräften die meisten aus Bosnien-Herzegowina stammten. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft werden die meisten ausländischen Arbeitskräfte über eigene Akquise oder private Vermittler gewonnen.

Allgegenwärtig ist in Südosteuropa der Mangel an Ärzten und Pflegepersonal: In der ungarischen Kleinstadt Szolnok musste die Station für Infektionskrankheiten deswegen vorübergehend geschlossen werden. Das Kreiskrankenhaus der rumänischen Donaudelta-Stadt Tulcea hat seit neuestem keine Anästhesisten mehr, weil von den drei ursprünglich vorhandenen zwei gekündigt haben und einer selbst krank geworden ist.

Rumänische Unternehmer versuchen wegen des Engpasses sogar, Personal aus dem Fernen Osten anzulocken. Die Regierung hat für dieses Jahr ein Kontingent von 20.000 Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern festgelegt. Jüngst war dies auch Thema bilateraler Verhandlungen mit Pakistan. Das Kontingent ist aber aus Sicht des Headhunters Hanganu nur ein "Tropfen auf den heißen Stein". Mindestens 300.000 Arbeitskräfte fehlten in Rumänien.

Ausbildungsvertrag in Deutschland

Die Zusammenarbeit mit Gastarbeitern aus Fernost scheitere oft, weil etliche von ihnen das Klima und die Kost in Rumänien nicht vertrügen, sagt Andreea Tartacan, Mitarbeiterin von Hanganu, der dpa. "Jetzt versuchen wir, zumindest für den Bausektor Arbeiter aus Tadschikistan anzuwerben. Sie sind wahrscheinlich körperlich robuster als die Vietnamesen, weil die Tadschiken aus der Steppe kommen", meint die Expertin. Die Arbeiter aus Fernost stellten für die Arbeitgeber wegen der Anpassungsschwierigkeiten ein hohes Risiko dar. "Es ist wie beim Roulette." Einen Vorteil hätten diese Gastarbeiter aber auf jeden Fall: "Sie sind fleißig und seriös".

Auch Bulgarien beschäftigt Gastarbeiter, wenn auch nicht aus dem ganz so fernen Osten wie in Rumänien: In den Badeorten am Schwarzen Meer kommen die Kellner und Zimmermädchen auch aus der Ukraine, Weißrussland und Moldau.

Die westliche Politik scheint die Abwanderung anzuheizen: Im bitterarmen Kosovo hat jüngst der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn eine Schule besucht, in der Pflegekräfte aus dem Land für Deutschland ausgebildet werden. Auch die als Vorzeige-Gymnasium geltende Deutsche Schule im kosovarischen Prizren gilt als Brain-Drain-Lokomotive. Bis zu 30 Maturanten pro Jahrgang wird ein Ausbildungsvertrag in Deutschland angeboten. Kaum einer von ihnen ist nach der Ausbildung je zurückgekehrt.

"Dieses Land Kroatien droht zu verschwinden"

Aus Sicht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg profitiert Deutschland von den Zuwanderern aus Südosteuropa. "Sie sind meist jung, die Beschäftigungsquote ist annähernd vergleichbar mit der der Deutschen", sagt IAB-Migrationsforscher Herbert Brücker. In diversen Branchen wie Bau, Pflege und Gastronomie würde es ohne diese Kräfte eng, da sich kaum deutsche Bewerber fänden. "Da findet kein Verdrängungswettbewerb statt", meint Brücker. Nach IAB-Erkenntnissen hat die Aussicht auf attraktive Jobs im Westen den Bildungshunger gestärkt. In manchen Ländern Ost- und Südosteuropas habe sich die Akademikerquote deutlich erhöht, so Brücker.

Hart ins Gericht mit Berlin geht Tado Juric, Politologe und Bevölkerungsexperte an der Katholischen Universität in Zagreb. Deutschland solle seine demografischen Probleme nicht durch Zuwanderung aus Südosteuropa zu lösen versuchen. "Ich halte es für unfair, dass sich Deutschland auf unser aller Kosten selbst rettet." Die EU müsse sich mit dem Problem der "unfairen Migration" befassen, sagte Juric der dpa. "Wenn diese Trends andauern, droht dieses Land Kroatien zu verschwinden."

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picciona1
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bin auch öfter in kroatien.

die wahnsinnsauswanderung hab ich zwar nicht bemerkt, die städte, zb zadar, sind voll, aber viele schimpfen über die korruption.
könnte mir aber auch vorstellen, dass die westeurop. mindestsicherung nicht ganz unschuldig ist. in allen westeu ländern gibt es mehr oder weniger mindestsicherung, in o- eu nicht.
um die abwanderung zu stoppen müsste die mindestsicherung eu weit eingeführt werden.
oder anders: den ost ländern kommt die bevölkerung abhanden und wir wissen schon nicht mehr wohin mit den gutausgebildeten.

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Wewo69
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Kroatienurlauber?

Die Bevölkerung Kroatiens wird geradezu von Ländern wie Deutschland ausgesaugt. Zadar ist als eine der wenigen Städte noch mit positivem Wachstum geblieben. Selbst Städte wie Split, Pula oder Sibenik verlieren inzwischen. Von normalen Wohnlagen wie in Karlovac oder Slavonski Brod ganz zu schweigen.

Die Bevölkerung Europas altert. Erst recht in den osteuropäischen Ländern. Die Renten und die gesamte Wirtschaft sind in Gefahr.

Gesundschrumpfen ist in der Demografie nicht möglich. Österreich hatte siesen Effekt noch nicht dermaßen, so dass die Leut es noch nicht merken. Doch im Süden und Norden Österreichs hat das schon begonnen.

https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-07/demografie-europa-bevoelkerung-entwicklung-wandel-karte

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semperubique
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"Ich halte es für unfair, dass sich Deutschland auf unser aller Kosten selbst rettet."

herr Tado Jurić - da fehlt übrigens ein stricherl auf dem "c" - ist wohl noch immer nicht in der EU angekommen!
der staat hat nicht nur für bildung/ausbildung zu sorgen sondern auch für die entsprechenden arbeitsplätze.
d.h. anreize für die ansiedelung von unternehmen, infrastrukturmaßnahmen, anpassung des lohnniveaus.
vieles davon wurde bürokratisch verschlampt.
jetzt auf hohem niveau zu jammern entbehrt jeglicher grundlage.

österreich z.b. bildet ja auch 25% von EU-bürgern und 5% aus drittstaaten fürs med-studium aus, die wir danach meist kaum mehr wiedersehen.
noch abgesehen von den österreichischen absolventen, die gleich danach ins ausland gehen!

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ChihuahuaWelpe55
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Und eines haben sie gemeinsam, mehr oder weniger korrupt sind die Politiker und lassen das der Bevölkerung spüren!

Daher kann eine autoritäre oder korrupte Politik schnell zu Abwanderung führen! Und davon kann und war auch Österreich nur knapp betroffen wenn das mit schwarz-blau so weiter gegangen wäre!

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brosinor
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Richtig!

Ich selbst hatte bereits mit dem Gedanken gespielt!
Schauma amal was im Herbst passiert, ob die oesterr.Wähler Innen den Irrweg weiter gehen wollen...
Ich kenne die Zustände in Kroatien durch Bekannte. Ist nicht schön, nicht nachahmenswert!!!

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Sam125
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brosinor, ja wnns sie wegen uns dumme Wähler, überlegen auszuwandern,

ja wie wäre es dann mit Kroatien, dort fehlen ja schon viele Fachkräfte und "kluge Köpfe"!

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X22
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Wenn man logisch darüber nachdenkt

Brosinor hatte den Gedanken wegen autoritärer oder korrupter Politik ( aufbauend auf den Kommentar von ChihuahuaWelpe55) das Land zu verlassen, sie bringen die dummen Wähler ins Spiel, die es, zurückkommend auf autoritärer bzw. korrupter Politik, in Kroatien anscheinend auch gibt?
Warum empfiehlt man jemanden, der nichts davon hält, in ein Land auszuwandern wo es diese autoritäre bzw. korrupte Politik gibt?

Um dumm zu verstehen, soll man sich mal Gedanken darüber machen, was dumm bedeutet oder nach Forrest Gump "„Dumm ist, der Dummes tut“, man könnte auch unklug oder gedankenlos sagen

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ChihuahuaWelpe55
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X22 und Sam125, euer nick kommt mir wie autogeneriert vor; sei‘s drum!

Euer ernst? Greift ihr wirklich einen klugen Kopf wie @brosinor an, um euch zu hofieren? @brosinor dürfte wie viele Leute schon vor jahren (weiß es nicht persönlich, aber ich kanns mir nur so vorstellen), weil er/sie fundiert argumentiert und das kann nun mal nicht jeder und vor allem in Deutsch! Und ihr sehr euch darin bestätigt, in dem ihr kluge Köpfe aus dem Land vertreibt, indem ihr schwarz-blau wählt? Was seid ihr für Menschen?

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X22
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Missverstanden oder echt schlecht ausgedrückt von mir

Ich greife brosinor gar nicht an, mir ging es rein um den Kommentar von Sam125, der aufzeigen soll wie unlogisch ihre Empfehlung ist , wenn jemand wie brosinor schon andeutet, dass im das eine nicht liegt, ist eine Empfehlung in ein Land auszuwandern, dass ähnliche "nationale Probleme" hat, nicht sinnvoll.
Ausser der Erwähnung von euren Nicks, bezieht sich der Kommentar rein auf Sam..

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Balrog206
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Die

Apokalypse wurde gerade noch abgewendet !!! Gehts noch Chow-Chow !

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ChihuahuaWelpe55
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Sch mal, Balrog!

Wenn sehr gut ausgebildete aus Österreich abwandern, dann wird das den Wirtschaftsstandort über lang gesehen sehr schwächen! Und nur Reiche an einen Standort zu binden, ist halt nicht gut, denn wer macht denen die Arbeit? Also wird sich die Wirtschaft definitiv ein Gutes tun und dieses Mal keine Vertreter von Reich & Schön wählen, sondern diejenigen, die die Leute im Land am Besten halten können; und das geht nur über soziale Gerechtigkeit, kostenlose Bildung für alle, ein kostenloses und klassenloses Gesundheitssystem für alle (impliziert ja schon das klassenlose) und mehr für Umweltschutz!

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Balrog206
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Chia

Was heißt bei dir kostenlose Bildung und Gesundheitssystem ? Zahlt das der liebe Gott 🙈🙈

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