Immer mehr Österreicher buchen ihren Urlaub immer früher. Kurzentschlossene finden bei Last-Minute-Buchungen kaum mehr wirkliche Preisknüller. 2019 planen 88 Prozent der Österreicher zumindest einmal zu verreisen. Hätten sie viel Zeit und Geld, stünden die Malediven ganz oben. In der Realität löst Italien gerade Kroatien als beliebtestes Ferienziel ab. Spanien indes wird vielen zu teuer.

Zum Start der Ferienmesse in Wien wurde am Donnerstag der Reisekompass 2019 vorgelegt. Basis der Umfrage - die jährlich die Urlaubspläne der Österreicher abfragt - waren 1.500 Online-Interviews durch Marketagent.com im Auftrag von Ruefa. Wohin die Reise heuer geht? 81 Prozent wollen in Europa bzw. im nahen Ausland urlauben. 73 Prozent planen (auch) eine Zeit in Österreich zu urlauben - dann bevorzugt in der Steiermark, Salzburg und Kärnten. Urlaub wird den Befragten immer wichtiger. Jeder Dritte plant öfter fortzufahren oder fortzufliegen. Die Hälfte urlaubt (ferienbedingt) im Juli und August. Diese Kurve im Sommer flacht aber leicht ab.

Frühbucher

Besonders auffallend ist der Trend zu immer früheren Reisebuchungen, heuer zum dritten Mal in Folge. Wurden früher rund um die Weihnachtsfeiertage Kataloge für den großen Jahresurlaub gewälzt, so starten die Buchungen für den Sommer jetzt im November. Die Gründe: Bessere Verfügbarkeit und Auswahl von Hotels und Flügen, günstigere Preise und Frühbucherrabatte. 47 Prozent, also fast die Hälfte, buchen ihren Haupturlaub bereits mehr als drei Monate vor Reiseantritt, besagt die Umfrage. Bei Last-Minute-Buchungen sei die Lage heute anders als vor zehn Jahren, wo das besonders billig war, sagte Ruefa-Geschäftsführer Walter Krahl vor Journalisten. "Last Minute" gebe es keine richtigen Reiseschnäppchen mehr am Markt.

In der Vergangenheit galten die Österreicher als das Reisevolk, das extrem spät gebucht hat - zuerst waren immer die Briten und Deutschen dran. 2016, als nach Anschlägen der Türkei-Tourismus praktisch zusammenbrach, kamen die Österreicher beim Umdisponieren etwa nach Spanien relativ spät in die Gänge, kurzfristig fehlten dann Kapazitäten. Damit hat sich das Ganze gedreht.

Fast ein Drittel hat schon gebucht

Für 2019 sind laut Ruefa rund 30 Prozent des Gesamtjahresvolumens eingebucht, für den Sommertourismus werden es rund 20 Prozent sein. Im Winter 2018/19 war Spanien mit knapp 11 Prozent (Anteil am Umsatz) das wichtigste Urlaubsziel von Ruefa-Kunden, gefolgt von den Malediven (9,1 Prozent) und Thailand (8,6 Prozent). Kuba ist in den letzten Jahren zurückgefallen. Nach den Vorausbuchungen für den Sommer 2019 liegt Griechenland (17,4 Prozent) an der Spitze, das (mit 8,5 Prozent) zweitplatzierte Spanien indes hat 17 Prozent verloren.

Für die Ruefa-Manager sicher dem Faktum geschuldet, dass die spanischen Hoteliers in den letzten zwei, drei Jahren die Preise extrem ausgereizt hätten. Die einst beliebteste Sommerdestination Türkei komme stark zurück, hier wird von niedrigem Niveau wieder eine Verdopplung erwartet, man liegt aber weiter unter dem Wert vor 2016, als es gleich um 80 Prozent bergab gegangen war. Ägypten zieht ebenfalls an.

Ärger mit Hotelzimmern und Verspätungen

Airline-Pleiten und das vorjährige Chaos am Flughimmel mit Rekorden an Flugstreichungen und Verspätungen lassen die Österreicher einzelne Fluglinien lieber meiden. Die Reisebüros sehen, weil sie bei Problemen gegenüber den Reisenden in der Haft sind, für sich ein Revival der Pauschalangebote. Drei Viertel der Reisenden hatten schon mit diversen Zores zu kämpfen. In der Hitliste der Reiseärgernisse führen Probleme mit Hotelzimmern und Ausstattung (39 Prozent). 30 Prozent gaben die Flugverspätungen bzw. Überbuchungen als Hauptkritikpunkt an. "Uns wundert, dass es nicht mehr ist", so die Ruefa-Chefs Krahl und Helga Freund. Gerade im Reiseverkehr mit den Nachbarländern wäre die Bahn eine Alternative. Dafür hätten die Touristiker aber gern mehr Nachtzug-Kapazitäten.

Überfüllte Plätze und Strände, "zu viele Touristen, zu wenig Einheimische" und lange Menschenschlangen vor Sehenswürdigkeiten missfallen zwar auch den österreichischen Umfrageteilnehmern. Der sogenannte "Overtourism" ist bei den Haupt-Reiseärgernissen der Österreicher aber noch nicht dabei. Das scheine die Österreicher noch nicht so aufzuregen, meint Helga Freund, die auch Vorstand der Verkehrsbüro-Gruppe ist. Jede Stadt mit Hot Spots, sogar Venedig, biete auch Ecken mit lokalem Flair. Wenn in Barcelona an Samstagen sechs Kreuzfahrtschiffe ankerten, läge eine Entzerrung und Verteilung auf andere Tage an der Hand, meint man bei Ruefa.

1500 Euro pro Person

Drei Viertel der befragten Österreicher geben ihr Urlaubsbudget mit bis zu 1.500 Euro (pro Person, ohne Ausgaben vor Ort) an. Wenn mehr in Börsel bleibt, dürfte das das Reiseverhalten zunächst nicht so gravierend ändern. Wer sich mit knappem Budget (bis 500 Euro) bisher eine Woche Jesolo abspart, leistet sich vielleicht einmal zwei Wochen. Wer von vornherein mehr ausgeben kann, bleibt eher beim Meerblickzimmer, auf den zur Zeit ebenfalls boomenden Langstreckenflügen doch einmal Business-Klasse oder auf Kreuzfahrten die Außenkabinen.