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Lebensmittel im InternetDeshalb bleiben große Handelsketten in Lauerstellung

Der Onlinehandel wächst und wächst. Nur bei Lebensmitteln legen die großen Ketten in Österreich viel Vorsicht an den Tag. Warum das so ist und warum ein Handels-Start-up nach der Pleite dennoch den Neustart wagt.

© Fotolia/Kwangmoo
 

Mode, Bücher und Elektronik sind die Topseller im Internet. Vom Boom im Onlinehandel fast unberührt ist in Österreich der umsatzstarke Lebensmittelhandel: Dessen Bedeutung nimmt zu, ist aber nach wie vor sehr klein. Hannes Lindner, Experte des Beratungsunternehmens „Standort und Markt“: „Das steckt in den Kinderschuhen, die Handelsketten experimentieren nach wie vor viel.“

Während die Österreichische Post – Logistikpartner von Unimarkt und teilweise von Spar – Potenzial für die Zukunft sieht, halten sich die Ketten mit großen Investitionen (noch) zurück. Hofer legt den Fokus im Onlineshop weiterhin auf den Non-Food-Bereich und erklärt das so: „Bei Nahrungsmitteln konzentrieren wir uns auf den stationären Handel, da in diesem Bereich der Frische-Aspekt und das Einkaufserlebnis vor Ort eine große Rolle spielen.“ Lidl, Nummer zwei bei den Diskontern, betreibt noch gar keinen Onlineshop und plant dies auch in näherer Zukunft nicht, wie das Unternehmen der Kleinen Zeitung versichert.

Kleine Schritte

Auch im Netz sind Spar und Billa (Rewe) scharfe Konkurrenten, doch erfolgt die Expansion in eher kleinen Schritten. Bei Spar kann das gesamte Interspar-Sortiment online geordert werden, doch nur in den Räumen Wien und Salzburg. „Das bleibt im Moment so“, sagt Sprecherin Nicole Berkmann.

Rewe beliefert mit Billa ganz Österreich, stellte aber den Onlineshop von Merkur ein, um, wie es heißt, Synergien zu nutzen und die Onlineshopper zu Billa zu lotsen. Dort wurden im Gegenzug – vorerst nur für den Wiener Raum – das Onlinesortiment und die Lieferzeitoptionen erweitert. Billa sieht sich als Treiber der Branche und eröffnete 2017 ein Center ausschließlich für Onlinebestellungen.

Fakt ist, der Lebensmittelhandel verdient im Internet noch kein oder wenig Geld. Die Infrastruktur ist teuer. Für den Experten Lindner ist die letzte Meile der Knackpunkt: „Die Anlieferung und die Übergabe an die Konsumenten sind das bestimmende Thema.“ Fakt ist auch, dass Österreich eines jener Länder mit der höchsten Dichte an Lebensmittelmärkten in Europa ist - dadurch fällt ein Reiz weg, Lebensmittel im Internet zu bestellen.

Yipbee probiert es noch einmal

Auch die Plattform Yipbee weiß, dass der Onlinehandel mit Lebensmitteln ein hartes Brot ist. 2015 als Liefer-Start-up gegründet, kam 2017 das jähe Aus. „Unser damaliger Partner, Metro, änderte die Strategie und sprang ab“, sagt Umut Kivrak. Einst Gründer, ist er nun Berater im Hintergrund. Denn Yipbee wagte heuer den Neustart – mit dem Familienunternehmen Grissemann in Tirol. Die Idee ist, den Großhandel für Private zu öffnen, also Großpackungen anzubieten.

Beim Onlineeinkauf sind die Gewohnheiten in Europa sehr unterschiedlich. In Großbritannien wurden 2016 sieben Prozent des Lebensmittelumsatzes im Internet generiert, in Österreich waren es da weniger als ein Prozent. Eine Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (2017) sieht den Online-Lebensmittelhandel in Europa aber langfristig zum zweitstärksten Marktsegment nach der Mode aufsteigen. Österreich führte heuer den Lehrberuf E-Commerce ein – Spar und Rewe nahmen hier bereits die ersten Lehrlinge auf.

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