Steiermark

Wohn-Zukunft: Kleine Räume, mobile Wände, kein Parkplatz

Die steirische Bau- und Raumordnung wird im Herbst völlig umgekrempelt. Angesichts der Kostenexplosion beim Wohnen will Landesrat Seitinger nun "massivst eingreifen".

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Pongratz, Lallitsch, Seitinger
Pongratz, Lallitsch, Seitinger © Konstantinov
 

Steigende Lebenserwartung, mehr Single-Haushalte, starker Zuzug in die Städte, Migration: Die Herausforderungen auf dem Sektor des Wohnens sind gewaltig. Vor allem die explodierenden Preise für Eigentums- und Mietwohnungen rufen nun die steirische Politik auf den Plan.

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checker43
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"Wir müssen künftig höher bauen, das erfordert auch Mut"

Nein, es erfordert keinen Mut, ein Einfamilienhaus in den Schatten eines 30-stöckigen Hochhauses zu stellen oder Jugendstilvillen abzureißen und durch Wohnsilos zu ersetzen. Das erfordert nur Rücksichtslosigkeit und Profitdenken.

Wirklichen Mut erfordern würde es zu sagen, dass die Stadt bereits ausreichend zubetoniert ist und nicht mehr verträgt und die Bürger auch gar keine weitere Verdichtung mehr wollen. Graz bekommt bereits jetzt die Verkehrs-, Lärm- und Hochwassersituation nicht in den Griff und da soll weitere Verdichtung eine Lösung bringen?

Die Preise regelt der Markt, wird es in Graz zu teuer, werden ländlichere Regionen wieder attraktiver. Die Abwanderung von Jungen und Betrieben aus dem ländlichen Raum wird ohnehin laufend beklagt.

argus13
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Hr.Pongratz

möchte laut Druckausgabe die Raumhöhe von 2,55 m auf 2,80 m erhöhen, wohl damit die Leute in ihren "Wohnlöchern" besser atmen können. Oder mit Stockbetten bis zum Plafond lassen sich mehr Bewohner unterbringen. Naiver geht es wohl nicht! Jeder noch so kleine Grund wird "verdichtet" verbaut. Die Wohnungen werden an Anleger verkauft, die das große Geschäft wittern. Nur wer kann sich diese Mieten oder Käufe leisten. Die nächste Baublase wird kommen!

moetti
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Profit wird optimiert - nicht Raum!

Besagter Herr schickt dann seine Verkäufer aus, die dir 90 m² im Gespräch verkaufen und nach m³ den Preis kalkulieren (Raumhöhe!). Dies wird dann vertraglich so gut verpackt, dass du es erst erkennst, wenn es zu spät ist (sofern du kein Rechtsanwalt im Baurecht bist). Wenn du dann nicht brav zahlst weil dir das komisch vorkommt, wirst verklagt und vor Gericht ist alles so undurchschaubar zwischen Baufirma, Verkäufer, Planer etc., dass du dann aufgeben musst, weil das in Österreich keine Rechtsschutzversicherung deckt..... so läufts mit dem Profit...

moetti
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wohl eher die Zukunft der Bauwirtschaft und Makler ...

Ein Baumeister, der noch dazu die Innung in der Steiermark vertritt, hat mit seinem Unternehmenskonstrukt im Einfamilienhausbau vorgezeigt, wie man gutgläubigen Kunden das Geld aus der Tasche zieht. Gemeinsam mit einem der größten Immobilienmakler in der Steiermark hat man nunvermutlich erkannt, dass der "Hochpreissektor" nicht mehr hergibt und erweitert nun das Segment um die "einfachen" Wohnungen - nicht so viel zu holen, aber die Masse wirds schon machen. Schnell ein paar Gesetze beeinflussen, die Standards runterschrauben und der Profit passt wieder! Wo früher mal ein paar Häuschen standen, Wohnungen für 100erte Personen - das läuft, juhu. Smart City - der aktuelle Ideenwettbewerb ist ein Witz, Behübschung für Betonbunker....

A4Blatt
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Die müssen in solchen Löcher nicht wohnen....

Wenn der Baulöwe nicht in seinen Planungsverbrechen wohnen muss und der Herr Politiker am Abend im schmucken Haus mit Garten sitz dann lässt sich leicht über "komprimierten Wohnraum" sprechen. Natürlich werden auch diese "Wohnungen" belegt sein - wenn der Durst groß ist, trinkt man ja auch vergiftetes Wasser....
Doch wie sehen es die Bewohner von existierenden "Wohnsilos"? - die, die es können, flüchten aus der Stadt.......
Und der Rest? Warum sind viele Sozialsiedlungen auch brisante Krisengebiete und ständiger Anlaufplatz der Polizei???

Wie realitätsfremd kann man denn sein, wenn man tausende EUR monatlich verdient, meine Herren??

stadtkater
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Grauslich,

wie sich hier ein zuständiger Politiker von der Bauwirtschaft un den Immobilienbanken vor den Karren spannen lässt! Wie wäre es, wenn die Bauherren einmal ihre enormen Gewinnspannen reduzieren würde? Bei Baukosten von 1.800 bis 2.400 Euro pro m2 und Verkaufspreisen ab 4.000 Euro aufwärts wäre da vielleicht auch noch etwas drinnen, bevor man die Zimmergrößen auf unter 10 m2 schrumpft. Und über die ständigen Tariferhöhungen bei den Kommunalbetrieben könnte man auch die Betriebs-, Heiz- und Stromkosten im Zaum halten. So könnte eine bürgerfreundliche Wohnpolitik aussehen, Herr Landesrat! Sonst könnten's gleich vorschlagen, dass man wieder Bettgeher aufnehmen sollte um die Wohnkosten zu reduzieren!

vielseiter
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@stadtkater

Großartig lieber "stadtkater".
Aber bitte - dieser Zusammenhang ist ja nicht neu! Die teilweise unheilige Allianz zwischen (Bau) Wirtschaft und Politik gibt es seit Generationen. Handlungen der Vergangenheit als "teils lobbyiert und teils anlassgetrieben" zu bezeichenen, gleichzeitig aber munter diesem "Stil" weiter zu fördern, ist aber der Gipfel der .....................................

A4Blatt
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Wunsch der Betonmafia....

Viel bauen, gut verdienen, und wer dann dort wohnt ist selber schuld......(und meist sozial nicht so stark, um aus dem Dilemma zu entkommen)

nach-gedacht
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Baulobby

Der Plan ist also, Graz zuzubetonieren. Dieses Ziel wurde dem Landesrat (nicht Stadtrat) wohl von der Baulobby vorgegeben.

Ich zeige dem Herrn vom Land, der offensichtlich in der Stadt nicht so viel rumkommt, gern ein paar an den öffentlichen Verkehr angeschlossene Siedlungen und die jetzt schon zu knappe Parkplatzsituation. Bei 0,5 Parkplätze pro Wohnung werden die letzten Seitengasserln verstopft!

vielseiter
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GROSSARTIG!

Da hören - eigentlich lesen - wir von zwei Gewinn Optimierern und Herrn Landesrat wie die Wohn-Zukunft ausschauen wird. Höher, mehr Dichte, weniger Stellplätze, Leistbarkeit und Lebensqualität noch dazu, ist die Leitlinie. Architekten, Städtplaner, Soziologen, Psychologen und andere Fachleute in dieser Sache kommen nicht zu Wort. Gestaltung und die Schaffung städtischer "Atmosphäre" werden nicht erwähnt. -
An der Praxis der letzten Jahrzehnte hat sich eigentlich nichts geändert: Wer es sich leisten kann, wohnt im grünen "Speckgürtel". Dort redet niemand von Verdichtung oder so. Der Rest kommt in Wohnsilos unter, die halt jetzt als sogenannte "Smart Cities" angelegt sind. Weil Verdichtung soll ja das Heilmittel städtischer Probleme sein!

Efried
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Smart Desert

Besser es siedeln sich dort hinter dem Bahnhof Logistiker und Dienstleister an, und die Wohnungen entstünden auf der Marienwiese jenseits des Bahnhofs

vielseiter
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Guten Tag "Efried".

Sie gehen davon aus, dass Stadtplaner nicht nur Fachverstand sondern auch Hausverstand haben! Den Letzteren auch einzusetzen ist nicht immer leicht. Die Verfügbarkeit des Bodens können wir uns wünschen, ob wir ihn auch bekommen, steht auf einem anderen Blatt. Dass die hiesigen Stadt- und Raumplaner sich nicht (immer?) durchsetzen, liegt teilweise oder großteils (?) an der schwachen Gesetzgebung. Mindestens seit heute wissen die letzten "Gutmeinenden", dass diese "teils lobbyiert und teils anlassgetrieben" zu Werke geht.

6N90XN8ZW1THYHOG
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"Wir sind in einzelnen Bereichen verrückt geworden und haben uns treiben lassen", gesteht Seitinger ein. Die Gesetze seien "teils lobbyiert und teils anlassgetrieben".

Soviel Selbstkritik hätte man einem (ÖVP)-Politiker gar nicht zugetraut, denn das verharmlosende "wir" bezieht sich nicht auf die gesamte Gesellschaft, sondern, und das muss ganz klar betont werden, in diesem Fall nur auf unsere Politiker.
Soeben haben wir uns wieder einmal über die politischen Fehler im Zusammenhang mit der SC Seiersberg ausgelassen, wird jetzt ohne Weiteres zugegeben, dass Gesetze nicht für die Bürger, sondern vornehmlich für die Bau-und andere Firmen und "lobbyiert" wurden.
Hoffentlich ändert sich das beim neuen Anlauf!

KarlZoech
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So wie das hier zu lesen ist, sind das durchaus vernünftige und notwendige Maßnahmen.

Und weniger Regelungswut würde unserem Land (und da meine ich ganz Österreich) nur allzu gut tun!