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Glyphosat

Monsanto vs. Greenpeace: Lobby-Krieg um Unkrautmittel

Über die Definition des Begriffs „wahrscheinlich krebserregend“ ist ein regelrechter Lobby-Krieg ausgebrochen. Es geht um die Frage, ob das Pflanzenschutzmittel Glyphosat in der EU erneut zugelassen wird. Von Roman Vilgut

Ein Feld wird mit Chemikalien besprüht
© Stockr - Fotolia
 

Glyphosat wird von Umweltschützern verteufelt, von manchen Landwirten ob seiner Wirkung geschätzt und ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des Agrarkonzerns Monsanto (Marke: Roundup). Nach vierzig Jahren könnte nun erstmals die Zulassung in der EU wackeln.

Bis Ende des Jahres darf das Pflanzenschutzmittel noch verwendet werden. Die EU-Kommission will sich mit ihrer Entscheidung über die erneute Zulassung jedoch länger Zeit lassen.

Unterschiedliche Studien

Der Grund: Es gibt zwei Studien über den Wirkstoff, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Während die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (IARC) das Mittel als „wahrscheinlich krebseregend“ einstuft, kommt das deutsche Bundesinstitut Mittel für Risikoforschung (BfR) zum Ergebnis, Glyphosat sei unbedenklich.

Fakten

Der US-Konzern wurde 1901 in St. Louis gegründet.

Geschichte: Im Vietnamkrieg belieferte Monsanto das US-Militär mit dem Entlaubungsmittel Agent Orange.

Gescheiterte Fusion: Monsanto wollte den Konkurrenten Syngenta übernehmen. Die Übernahme platzte. Nun müssen 2600 Stellen abgebaut werden.

Das BfR hat das Mittel im Auftrag der EU untersucht. Monsanto rechnet daher mit einer erneuten Zulassung. „Seit gut 40 Jahren durchläuft der Wirkstoff sämtliche Zulassungsverfahren auf europäischer Ebene. In diesen 40 Jahren gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass Glyphosat gefährliche Auswirkungen hat“, erklärt der Monsanto-Manager Stefan Kocher. Er versucht die unliebsame Einstufung des IARC zu entkräften, in dem er auf die strengen Richtlinien hinweist. Tatsächlich stuft die Krebsagentur auch Pommes Frittes und den Friseurberuf als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

EU-Gesetze

NGO wie Greenpeace verweisen auf EU-Gesetze. Diese untersagen die Zulassung krebserregender Stoffe, wenn Menschen damit in Kontakt kommen können. „Nach dem Winter wird auf den Feldern alles totgespritzt. Es ist nicht auszuschließen, dass Passanten mit dem Mittel ausgesetzt werden“, erklärt Greenpeace-Mitarbeiterin Dagmar Urban. Greenpeace fordert daher ein Verbot.

Doch das Verbot des Wirkstoffs wäre für die Landwirtschaft ein Rückschlag, erklärt Peter Klug, Pflanzenschutzexperte der Landwirtschaftskammer: „Um die Qualität des Ackerbodens zu erhalten und Erosion zu verhindern, begrünen Landwirte ihre Äcker über den Winter. Damit wird auch das gebildete Nitrat im Boden in den winterharten Pflanzen gespeichert. Vor der Aussaat im Frühjahr werden die Pflanzen dann mit Glyphosat an der Wurzel abgetötet.“

Schlechte Alternativen

Dafür reichen wenige Liter pro Hektar. Der Vorgang muss auch nicht wiederholt werden. Alternative Spritzmittel belasten den Boden und man muss einige Zeit abwarten, bis man wieder eine Kultur anbauen kann. Wird Glyphosat wirklich verboten, müssten Landwirte mechanisch das Unkraut beseitigen. Klug: „Die Landwirte hätten einen viel höheren Arbeitsaufwand und auch der Dieselverbrauch würde steigen.“ Dieselabgase gelten laut IARC auch als „wahrscheinlich krebserregend“.

Glyphosat wird nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt. Auch Gemeinden verwenden das Mittel, um Schotterwege oder Straßenpflaster von Unkraut zu befreien. Greenpeace-Expertin Urban: „Hier kommen dann Menschen mit dem Mittel in Kontakt, ohne es zu wissen.“ Zumindest ein Verbot im öffentlichen Raum will Greenpeace erwirken.

„Auch Autofahren verbieten“

Und das mit dem Mittel nicht zu spassen ist, wissen alle Landwirte. Sie werden im Umgang mit Pflanzenschutzmittel ausführlich geschult. In der mindestens 20-stündigen Ausbildung werden sie über Anwendung und Risikovermeidung informiert. Außerdem müssen Landwirte jede Verwendung von Glyphosat dokumentieren. „Die Regeln sind schon streng. Verbietet man den Wirkstoff aufgrund der IARC-Bewertung, müsste man auch Autofahren, Alkohol und Sonnenbaden verbieten“, sagt Klug.

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Danke für Ihr Verständnis.

gtg7fpkuqdvwj5tdai63u5jfah07time
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Wer macht das Rennen

Überlebt Monsanto oder der Mensch

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@Othm: Die Frage muss lauten:

Überlebt der Mensch oder Greenpeace?

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jahcity
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War in Bosnien

auf einem Honigmarkt. Dort gibt es kein Bienensterben. Es gibt auch keine Pestizide...

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razor
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und wohl auch kein Geld für Pestizide ...

.

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gerry2kzf
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Warum werden die Mittel dieser Firma nicht zugelassen???

Es gibt doch eh zu viele Menschen auf der Welt und die Pharma-Industrie kann dann noch mehr verdienen, wenn alle Menschen krebsverseucht sind.

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ChihuahuaWelpe55
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Bienenfreund(e) wo seid ihr

Hat wer schon mal an die Bienen gedacht? Es ist nachweislich bewiesen, das Pestizide Bienen unglaublich belasten und sogar töten. Das derzeit die Bienen in unseren Breiten keine Probleme haben, ist Greenpeace zu verdanken, die es für eine Probezeit von 5 Jahren geschafft haben, solche Gifte zu verbieten. Jetzt ist die Probezeit zu Ende! Schade das man nicht wie früher das Unkraut einfach heraus reissen kann! Nein! Man muss wirtschaftlich bleiben!

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urchi
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Re: Bienenfreund(e) wo seid ihr

Naja.

In unseren Breiten geht's den Bienen auch nicht gut. Das hat aber weniger mit Pestiziden zu tun, sondern mehr mit der Varroamilbe.

Ich weiß, das entspricht nicht dem grünen Gedankengut, ist aber so.

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zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
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@urchi

Bitte um Angabe der Quellen, den meines Wissens ist die genaue Ursache des Bienensterbens noch nicht erwiesen.

Vermutet wird eine Ursache, die gleichermaßen in der Varroamilbe wie bei den Pestiziden und deren Wechselwirkung liegt.

Oder bin ich da falsch informiert?

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genau1a
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Trotzdem sind Pestizide die auf Neonikodinoide basieren auch für Bienen tödlich! Dass die Zulassungsbehörden unabhängige Studien ignorieren, ist ja ein offenes Geheimnis. Die sehen sich eher als Servicestelle für die Zulassungen.

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@genau1a: Was meinst Du mit "unabhängige Studien"?

Doch nicht etwa Greenpeace? ;)

Ansonsten bitte einen Beleg für die Behauptung – peer-reviewed ist Mindestanforderung.

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razor
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Weiss man ja

ich kann mich an den Aufschrei erinnern, als die ÖVP gegen ein Verbot von Neonicotinoiden stimmte. Ist noch nicht so lange her.

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giburo
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Heuchler!

Im weltweiten Vergleich hat Europa die höchsten Standards, was auch dazu führt, dass sehr viele Produkte aus Ländern mit äußerst fragwürdigen Produktionen kommen. Sei es Textilien aus Bangladesch oder Gentechnik aus Südamerika. Greenpeace Kritik findet nur in Europa Gehör. Die wirklichen Probleme werden ignoriert!

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zx6d5xf42yhvuw8ak9442g7hv1biq7vo
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@giburo

Welche sind die wirklichen Probleme?

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schneemann2k
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Problem

Die Nutztierhaltung weltweit ist die größte Belastung für die Umwelt! Abgesehen das über 50% der Getreide, Mais und Soya Ernte für die Futtermittelproduktion drauf geht, der Wasserverbrauch enorm ist usw. ist die Treibhausgasemissionen abteilsmässig über 50%!!
Aber keine unserer sogenannten Grünen Organisationen prangert das gross an.

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w7lijkq6rwopoljkgpf6skdmwdsznnpb
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@schneemann2k: Ja und?

Damit werden LEBENSMITTEL hergestellt!

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fromm
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alle Grünen sind ...

"grün" - keine Vegetarier :-)

die Obergrüne raunzt gegen Autos und fährt selbst Posche

Wasser predigen und Wein trinken.

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razor
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@schneemann

weil sie keine Aktionen der "sogenannten Grünen Organisationen" mitbekommen, bedeutet das nicht, dass nichts passiert.

UND nur weil angeblich keine der "sogenannten Grünen Organisationen" gegen Nutztierhaltung protestiert, ist dei Verwendung von krebserregenden Stoffen nur ein nebensächliches Problem? Sie armer Träumer!

Und nochwas: Es gibt Studien, die Gyphosphat nicht unbedingt als krebserregend einstufen, ABER sehr wohl die Glyphosphatverbindungen und Mischungen, die dann letzten Endes aufs Feld kommen! Da ist dann aber nix mehr mit "wahrscheinlich". Das ist ganz sicher, und das wird auch durch grosse Lobbyarbeit versucht klein zu halten. Mit den üblichen Werkzeugen: Diskreditierung der Forscher, Anzweifeln der Studien, der Daten und der Methode usw usw.

Nur weil SIE blind in ihrer (wohl verständlichen) Wut auf industrielle Tierhaltung sind, heisst es nicht, dass alles andere unbedeutend ist!

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scionescio
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Wieviele Prozente der Weltbevölkerung ...

müsste man eigentlich "eliminieren", damit der verbleibende Rest nicht verhungert, wenn man alle Vorstellungen von grünen (weltfremden) Fanatikern tatsächlich realisieren würde?
Und noch etwas: man braucht die Umwelt nicht zu schützen - die hat es vor uns gegeben und sie wird es auch nach uns noch in irgendeiner Form geben ... die Frage ist nur, wie lebenswert wir die Umwelt für uns Menschen gestalten (erhalten) und wie nachhaltig wir mit erschöpfbaren Resourcen umgehen!

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