Schon seit Monaten werden bei Magna diverse Szenarien durchgespielt, inklusive der Erstellung von Sozialplänen. Die Auftragslage ist schlecht: Die Marke Fisker, die heuer eigentlich über 40.000 Autos produzieren wollte, kommt nur auf 10.000 Stück. Jaguar baut keine hohen Stückzahlen und zieht die Produktion bald ab. Auch BMW/Toyota produziert nur noch knapp ein Jahr in Graz. Lediglich die Mercedes-G-Produktion brummt derzeit. Und es sind keine neuen Großaufträge für die Produktion in Sicht, auch der Versuch, eine chinesische Marke nach Graz zu holen, gestaltet sich schwieriger als erwartet. 

Jetzt informierte man vor Weihnachten die Mitarbeiter über erste Maßnahmen. Magna stellt Teile seines Werkes in Graz von einem Zweischichtbetrieb auf einen Einschichtbetrieb um.

Kündigung, Kurzarbeit, Aussetzungsverträge

Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind brisant. 450 Mitarbeiter sind betroffen. Dem Vernehmen nach wurde das AMS noch nicht über weitere Schritte informiert. Magna gibt dazu auch keinen offiziellen Kommentar ab, außer, dass es „Personalanpassungen“ gebe.

Magna wird den Wechsel im Schichtbetrieb voraussichtlich im Jänner umsetzen. Voraussichtlich bis tief hinein in das erste Halbjahr. Inoffiziell bedeutet der Schichtwechsel in dieser zeitlichen Länge aber, dass man nur drei Optionen hat: Kündigungen, Kurzarbeit oder Aussetzungsverträge.

Das verschärft die Lage zusätzlich, denn damit handelt es sich wohl nicht um kurzfristige „Personalanpassungen“ wie im April dieses Jahres, als 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fünf Wochen betroffen waren und man diese kurze Zeit mit anderen, milderen Maßnahmen überbrücken konnte.

Was die Lage noch heikler macht: Man weiß nicht, wie schnell Fisker in Schwung kommt. Dort kämpft man lange nicht nur mit Softwareproblemen. „Fisker hat die strategische Entscheidung getroffen, die Produktion im Dezember zu reduzieren, um der Liquidität Vorrang einzuräumen und über 300 Millionen US-Dollar an Betriebskapital freizusetzen“, hieß es zuletzt noch vom US-Autobauer, als man die Produktionsflaute im aktuellen Monat erklärte. Aber jetzt scheint sich der Trend fortzusetzen, mit dramatischen Folgen. 

Erfolge im Entwicklungsgeschäft

Für Magna ist die Schichtreduktion gerade jetzt bitter. Denn gerade erst hatte man den größten Entwicklungsauftrag, der je bei Magna Steyr abgewickelt wurde, gefeiert. Im Gegensatz zur Produktion läuft das Geschäft in der Fahrzeug-Entwicklung gut.

Der Volkswagen-Konzern lässt zwei Modelle der neuen amerikanischen Elektromarke Scout, die Anfang 2027 sein Marktdebüt in den USA feiern wird, von Magna entwickeln. Die Entwicklungsarbeiten laufen bei Magna in Graz und den USA bereits auf Hochtouren, bis Ende 2026 sollen die beiden Fahrzeuge nach aufwendigen Prototypenerprobungen serienreif sein. Dafür überweist der Volkswagen-Konzern 450 Millionen Euro an Magna Steyr. Ursprünglich hätte Magna auch die Montage in den USA übernehmen sollen. Für Magna ist das Projekt ein wichtiger Baustein in der Zukunftsstrategie.