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Sommergespräch aus VoitsbergFußballer Kevin Danso: "Mir war klar, dass die Schule ein Muss ist"

Interview: Der österreichische Nationalspieler Kevin Danso, der in Voitsberg aufwuchs, erzählt, wie er Fußballprofi wurde und warum er mit 16 Jahren für sein großes Ziel ohne seine Familie nach Augsburg ging.

Kevin Danso kommt gelegentlich nach Voitsberg © Andrea Kratzer
 

Mit sechs Jahren sind Sie mit Ihrer Familie von Voitsberg weggezogen. Haben Sie noch Erinnerungen an diese Zeit?
KEVIN DANSO: Nicht so viele. An Biggi Sturm, eine Freundin der Familie und Nina, meine Taufpatin, die ich noch besuche. Ich war damals sehr jung.


Die Familie ging nach England. Wie hat sich Ihr Engagement bei Augsburg ergeben?

Durch die Nationalmannschaft. Ich habe in der Jugend für das österreichische Team gespielt. Ich und meine Familie haben nach einer Möglichkeit gesucht, Profi zu werden. Wir fanden die Jugendarbeit in Deutschland sehr gut und mit meinem österreichischen Hintergrund war die Entscheidung wieder deutsch zu lernen und in der Bundesliga zu spielen, eine Top-Liga in der Welt, richtig.


Sie waren damals erst 16 Jahre alt, als Sie ohne Ihre Familie nach Augsburg kamen. War das nicht hart?
Ja, aber ich war es ein bisschen gewöhnt, weil ich immer wochenlang weg war von daheim wegen der Nationalmannschaft. Ich habe das so genommen, wie eine längere Reise. Die Familie war immer für mich da und stolz auf mich.

Jubel beim Spiel 1. FC Augsburg gegen Eintracht Frankfurt: Danso (r.) mit Caiuby und Koo Ja-Cheol im Februar Foto © APA/AFP/GUENTER SCHIFFMANN


Haben Sie sich schnell eingelebt in Augsburg?
Ja, es war überhaupt nicht schwer, weil es Ähnlichkeiten zu Österreich gab. Deshalb war es nicht so schwer, wie sich das jeder vorstellt.


Zuerst haben Sie bei den Junioren angefangen. Wie ging es dann innerhalb eines Jahres so schnell weiter?
Es war wirklich überraschend, wie schnell das geht. Das erste Spiel war in der „Ersten“ war gegen RB Leipzig, ein besonderes Gefühl und ein Spiel, das ich nie in meinem Leben vergessen werde. Vor allem den Moment, in dem ich meine Grätsche ausgepackt habe. Und ab da war es für mich wie ein Traum.

Kevin Danso mit Biggi Sturm von der Stadtbibliothek und Handballerin Vanessa Magg Foto © Andrea Kratzer


Dann ist unter Teamchef Marcel Koller die Einberufung in die Nationalmannschaft gekommen. Sind Sie gut aufgenommen worden?
Auf jeden Fall. Ich bin fast eingewechselt worden im ersten Spiel gegen Irland. Im nächsten Spiel gegen Wales wurde ich eingewechselt. Anfang voriger Saison verletzte ich mich. Jetzt bin ich wieder fit und erneut im Team dabei und hoffe auf weitere Einsätze, wie gegen Brasilien.


Wie war die Stimmung nach dem Sieg gegen Deutschland?
Gegen Deutschland zu gewinnen ist etwas Besonderes. Als Österreicher nehmen wir dieses Spiel ein bisschen mehr persönlich. Wir haben gewonnen, weil wir in der zweiten Halbzeit ein tolles Spiel gemacht haben.


Was kann man sich von unserer Nationalmannschaft erwarten?
Wir sind eine Supertruppe und man kann sich sicher noch sehr viel erwarten.


Wie hat Ihr heuriger Sommer ausgeschaut?
Augsburg hat am 1. Juli mit dem Training begonnen. Wir, die im Team waren, hatten länger frei. Ich machte noch eine Woche Urlaub auf Mykonos.

Zur Person

Kevin Danso wurde am 19. September 1998 in Voitsberg geboren. Sechs Jahre später zog die Familie nach England. 2014 kam er zum FC Augsburg, wo er mit 18 Jahren und 165 tagen der jüngste Debütant des Vereins wurde. Seit 2017 im A-Nationalteam.


Ihre Ziele für diese Saison?
Weiter vorne in der Tabelle zu liegen. Persönlich möchte ich so oft wie möglich spielen und mich weiterentwickeln. Und hoffentlich bin ich dann so weit, dass ich Stammspieler werde.


Welche Ausbildung haben Sie neben dem Fußball gemacht?
Ich hatte bis letztes Jahr noch Schule und ich habe meinen Abschluss auf der internationalen Schule in Augsburg mit Baccalaureat-Diplom gemacht. Das war nicht leicht, weil in der Zeit meine Profikarriere begann. Die letzten drei Monate hatte ich viel Stress mit den Prüfungen. Mir war immer klar, dass die Schule ein Muss ist, weil man nie weiß, was im Fußball passieren kann.


Haben Sie Vorbilder?
Viele. Auf jeden Fall meine Brüder oder Didier Drogba. Nicht nur wegen der fußballerischen Qualitäten, sondern weil sie menschlich und außerhalb des Platzes viel gemacht haben.


Haben Sie mit Vorurteilen und Rassismus zu kämpfen?
In der Jugend ist es bei zwei oder drei Spielen passiert. Das kam von Gegenspielern, aber nie von Fans. Es war nie so tragisch.


Welche Hobbys haben Sie?
Viel Sport, Fußball ist mein Hobby. Auch wenn wir frei haben, merke ich, dass ich etwas machen muss und meistens ist das Fußball spielen. Playstation spiele ich auch gerne.


Bei Augsburg passt es mit den vielen Österreichern für Sie gut?
Ja, mit dem Martin Hinteregger bin ich viel zusammen und mit Michael Gregoritsch. Ich habe einen Vertrag bis 2021, das Umfeld passt perfekt. Ich bin sehr zufrieden und möchte mich jeden Tag weiterentwickeln.


Haben Sie eine Verbindung zu Sturm, weil Ihre Brüder dort gespielt haben?
Ich verfolge alles. Als wir hier gelebt haben, waren wir Fans und irgendwo habe ich noch einen alten Schal in England.


Könnten Sie sich vorstellen, in Österreich zu spielen?
Ja, das Geld ist mir nicht so wichtig, aber das Umfeld muss passen. Vielleicht ergibt sich das später noch.


Geht Ihnen in Deutschland etwas ab von Österreich?
Schnitzel und Kaiserschmarrn.


Woran glauben Sie?
Ich bin katholisch aufgewachsen und wir sind Christen. In England gehe ich, wenn ich Zeit habe, immer in die Kirche. Meine Familie ist sehr gläubig und das hilft mir auch als Mensch.


Wie würde Ihr Leben ohne Fußball aussehen?
Für mich war immer klar, als ich nach Deutschland ging, dass ich Profi werden will.

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