AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

ForscherEr weiß alles über jedes Haus in Passail

Seit Jahrzehnten erarbeitet Eduard Weidl Familien- und Hofgeschichten aus Passail. Weil die Fahrt ins Archiv zu weit für ihn geworden ist, recherchiert der 91-Jährige online.

Eduard Weidl hat sich der Geschichte von Passail verschrieben © Katharina Pillmayr
 

Eduard Weidl sitzt am Glastisch inmitten von Hunderten Schriften und Büchern. Sein Notizbuch ist griffbereit, um neue Erkenntnisse einzutragen. Das Telefon klingelt. Jemand bittet ihn, sich die Geschichte eines Hauses anzuschauen. Er wisse nur, dass der Großvater dort gewohnt habe.

Der 91-Jährige macht sich sofort ans Werk, setzt sich an den Computer und beginnt, im Archiv zu suchen. Bis vor Kurzem fuhr er mehrmals in der Woche nach Graz, um das Bischöfliche und das Steirische Landesarchiv zu durchforsten. „Heute aber fängt es mit einem Wischer an und du findest alles im Internet“, erklärt der ehemalige Lehrer und spätere Direktor der Volksschule Passail, die, wie er herausfand, 200 Jahre älter ist als früher gedacht.

Er durchforstet Matriken und Aufzeichnungen der Gemeinde, liest Schriften und Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert mit Leichtigkeit, arbeitet sich durch Besitz- und Eigentumsverzeichnisse. Abgesehen von der Kurrentschrift, an der sehr viele schon scheitern, wirken die Abkürzungen und Notizen wie Hieroglyphen und sind für Laien unverständlich. Nicht so für Weidl, der mit einer Leidenschaft und Präzision ans Werk geht, die ihresgleichen sucht. „Wenn ich sieben, acht Stunden am Tag dabeibleiben kann und ununterbrochen Material bekomme, kann ich in vier Tagen eine Chronik erstellen.“

Er ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Erstellung von Haus-, Hof- und Familiengeschichten in „Posßaill“, wie die Gemeinde einst hieß. Die Geschichte von mehr als 50 Bauernhöfen ab 1848 hat er erarbeitet. Er kennt Passail wie kein anderer und die Historie eines jeden Hauses teilweise bis ins 16. Jahrhundert zurück. Weidl hat die Hausgeschichtstafeln für die historischen Gebäude der Gemeinde erstellt, erforscht Vulgo-Namen und deren Bedeutung, veröffentlicht historische Berichte, ist Mitverfasser der 500 Seiten starken Ortschronik und hat die Chronik der Bürgschaft Passail erstellt. Diese besonderen Verdienste für gelebte Geschichte in der Marktgemeinde brachten Weidl, der sich seit seiner Kindheit für Geschichte interessiert, eine Auszeichnung vom Volksbildungswerk für belebte Geschichte ein.

Viel Freizeit habe er nicht, muss der 90-Jährige zugeben. Er steht jeden Tag um vier Uhr früh auf, holt die Zeitung, und beginnt zu arbeiten. Nach einem Nickerchen macht er weiter.

Auch Ahnenforschung ist ein großer Teil seiner Tätigkeiten. Oft kämen Menschen auf ihn zu, um mehr über ihre Familien und Vorfahren zu erfahren. „So komme ich immer wieder zu Arbeit.“ Bis zu neun Generationen zurück reicht seine Recherche. Schwierig werde es nur, wenn zwei gleiche Namen auftauchen. Das werfe ihn zurück und dann könne es ein wenig dauern, bis er diese zuordnen könne und den Stammbaum beisammen habe. Diesen übrigens zeichnet er präzise und künstlerisch gestaltet in Form eines großen Baumes, in dem die Namen der Paare in Herzen stehen.

Mit seiner Frau Margarete ist Eduard Weidl seit 70 Jahren verheiratet. Sie steht „kurz vor dem 93er“, sagt er, und genießt es, seiner Frau alte Geschichten über die Passailer erzählen zu können. Kennengelernt haben sie sich in der Jugend bei einem Tanzfest. Bald darauf musste Weidl einrücken. Als er zurückkam, war es um beide geschehen – eine Liebe, die harte Zeiten und Schicksalsschläge überdauerte. Bis heute haben sie ein inniges Verhältnis und schauen gut aufeinander. Jeden Tag kochen sie gemeinsam, das ist ihr Ritual. Er schält Gemüse und geht einkaufen.

Kurze Strecken traut er sich mit dem Auto zu, längere machen ihn müde.
Von müde werden kann bei seinen Recherchen nicht die Rede sein. Weidl hat sich der Geschichte verschrieben und erzählt voller Begeisterung davon. „Ich habe mein halbes Leben lang gesucht“, sagt er. Spaß hat er noch immer daran.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren