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MobilitätswocheWie Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung selbstständig ihren Alltag meistern können

Bei der „Mobilitätswoche“ in Weiz lernen sehbehinderte Kinder und Jugendliche selbstständig essen, anziehen, kochen, einkaufen.

Sebastian Albl übt mit Trainer Siegfried Steiner gerade das Zubereiten von Palatschinken © Jonas Pregartner
 

Geräuschvoll kaut die achtjährige Luisa Auner einen Löffel voll Schokopop-Cerealien. Leiser solle sie essen, den Kopf gerade und den Löffel nicht in der Faust halten, sondern wie eine Prinzessin, ermahnt Marija Gschaider-Kraner das Mädchen. Die beiden sind alleine in einem Raum im Gasthof und Restaurant Ederer am Weizberg. Entlang der Wände sind auf Tischen Kleidungsstücke, Spielzeug, Obst, Geschirr und Besteck aufgebaut.

Es ist nicht etwa ein Benimm-dich-Workshop, den Luisa besucht, und alleine zu essen ist für sie auch keinesfalls selbstverständlich. Die Achtjährige ist blind und nimmt mit ihren Eltern an der Mobilitätswoche für sehbehinderte Kinder teil.

Selbstständig essen und an- bzw. ausziehen trainiert Luisa Auner mit Marija Gschaider-Kraner Foto © Jonas Pregartner

Zum 30. Mal findet die vom Verein Elternselbsthilfe für sehgeschädigte Kinder Steiermarks veranstaltete Woche statt, zum 22. Mal ist sie am Weizberg. 18 Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren sind diesmal dabei. Die Trainings finanziert das Land Steiermark, einzig der Hotelaufenthalt ist von den Eltern zu bezahlen.

Essen, Anziehen, Einkaufen - all das will gelernt sein

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf O&M, das heißt Orientierung und Mobilität, sowie auf LPF, also Lebenspraktische Fertigkeiten“, erklärt Vereinsobfrau Carmen Gimplinger, selbst Mutter eines blinden Sohnes. Großes Ziel dahinter: die Kinder und Jugendlichen sollen später ihren Alltag eigenständig bewältigen können. „Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben ist für jemanden, der – unter Anführungszeichen – ‘nur’ blind ist, möglich“, versichert Gimplinger.

Ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben ist für jemanden, der – unter Anführungszeichen – "nur" blind ist, möglich.

Carmen Gimplinger

Trainiert wird die Orientierung im Raum, das Überqueren von Straßen, Einkaufen, das Verwenden des Blindenstocks oder Benutzen von Öffis. Zur selbstständigen Alltagsbewältigung gehört aber auch richtiges Essen, Ankleiden oder Körperhygiene. Geübt wird das in Einzeltrainings mit zehn O&M- bzw. LPF-Trainern.

Auch Schminken oder Rasieren wird trainiert

Woran genau mit den Teilnehmern gearbeitet wird, hängt von ihrem Alter ab. „Mit Sechsjährigen muss man etwas anderes machen als mit 18-Jährigen“, erklärt Gschaider-Kraner. Bei den Jugendlichen geht es dann ums Krawatten binden, Rasieren, Schminken, Putzen oder Kochen.

Letzteres macht gerade Sebastian Auner – er übt mit Trainer Siegfried Steiner im Palatschinkenmachen. Steiner erklärt dem 17-Jährigen, der über 20 Prozent seiner Sehkraft verfügt, wie man richtig Eier trennt, mit dem Mixer umgeht oder mithilfe eines zweiten Kochlöffels überprüft, ob der Topf richtig auf der erhöhten Herdplatte steht. Daneben stehen Gewürzgläser, mit unterschiedlichen Formen und Deckeln, beschriftet in Brailleschrift – damit man sie blind erkennt. Die Kochübung macht ihm Spaß. Seine erste Mobilitätswoche? „Nein“, lacht Sebastian, er war schon oft dabei.

Jacke mit extragroßen Knöpfen und Trainingsgerät zum Maschenbinden Foto © Jonas Pregartner

Auch die Eltern lernen bei der Mobilitätswoche dazu. Für sie wird etwa blind essen als Selbsterfahrungstraining angeboten. „Die Woche ist sehr nützlich, ein super Austausch unter Eltern. Luisa fühlt sich wohl, weil sie unter Gleichgesinnten ist“, sagt etwa deren Mutter Manuela Auner.

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