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INTERVIEW

Marie Kreutzer und ihre Sympathien für einen Asozialen

Ein Ungustl, den man trotzdem mag: Marie Kreutzer über ihren neuen Film "Gruber geht". Manuel Rubey schlüpfte dafür in die Titelrolle von Doris Knechts Macho.

Willkommen Oesterreich mit Stermann&Grissemann
Marie Kreutzer will nicht mit einer Botschaft "herumwedeln" © ORF/Hans Leitner
 

Wieso ist Ihnen bei der Besetzung ausgerechnet Manuel Rubey eingefallen? Johann Gruber ist doch ein selbstgefälliger Macho, macht blöde Witze über Schwule, ist aalglatt, Porschefahrer, also: ein richtiger Ungustl.

MARIE KREUTZER: Rubey war schon ganz früh Thema. Er hat vom Typ und optisch gut gepasst und war auch schon bekannt, was auch nicht unwichtig ist. Außerdem ist er ein super Schauspieler. Und wahnsinnig beliebt, alle reagieren total positiv auf ihn.

Was macht den Gruber jetzt sympathisch?

MARIE KREUTZER: Dass er sehr direkt ist, er hat keine falsche Höflichkeit und er hat einen Schmäh. Unsympathisch macht ihn, dass er so ein Egozentriker ist. Er will auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Eigentlich ist er ziemlich asozial.

Sie kümmern sich, wie schon in Ihrem Debütfilm "Die Vaterlosen" über vier Geschwister mit Kommunen-Kindheit, stark um das familiäre Gefüge. Ist das aus Ihrer eigenen Biografie bedingt, dass Sie besonders liebevoll mit diesen Situationen umgehen?

MARIE KREUTZER: Das würde meine Familie sicher freuen, wenn ich jetzt ja sage. Natürlich hat alles immer irgendwie mit einem selber zu tun. Grubers Schwester, die im Roman gar nicht so viel vorkommt, ist bei mir sehr präsent. Ich finde, Geschwisterbeziehungen sind total reizvoll zu erzählen. Die wird man ja nicht los. Da ändert sich nichts, man ist immer Bruder und Schwester. Ich habe eine jüngere Schwester, bleibe also immer die größere Schwester.

Sie haben seit 2013 einen Lehrauftrag an der Grazer Universität, Abteilung Schauspiel. Wo liegt da die Herausforderung?

MARIE KREUTZER: Ich weiß nicht, ob das fortgesetzt wird. Ich habe jetzt einen Lehrauftrag in Wien. In Graz war es das Seminar "Arbeiten vor der Kamera" mit Filmregisseuren als Lehrbeauftragte. Sehr sinnvoll, denn vor der Kamera gelten eigene Gesetze. Da hängt viel von der Glaubwürdigkeit ab. Im Theater soll alles überhöht sein, im Film geht es um die leiseren Töne und die kleineren Gesten. Die Schauspieler müssen lernen, der Kamera zu vertrauen, weil die Kamera sehr viel mehr sieht als etwa das Theaterpublikum und sogar als wir, wo wir uns gegenübersitzen.

STOeCKL.
Für seine Rolle als Gruber ließ Manuel Rubey seine Haare Foto © ORF

Wie war noch einmal das Wort, das Grubers kleiner Neffe sagen muss?

MARIE KREUTZER: Scheißarschdrecks- pampa. So schimpft Gruber, weil er keinen Handyempfang auf dem Land hat. Für den Buben war es der einzige Text, aber es war ihm total unangenehm, das vor der Kamera zu sagen.

Gruber postet seine Erkrankung auf Facebook. Erst dann realisiert er, dass er Krebs hat. Sie haben den Filmauftrag bekommen, weil Sie Ihre Begeisterung über den Roman gepostet haben. Das ist ja fast eine Fügung des Schicksals.

MARIE KREUTZER: Eben, da sieht man, dass es doch nicht wurscht ist, was man da reinschreibt. Es erreicht dann doch mehr Menschen, als man denkt.

Hat "Gruber geht" für Sie eine Botschaft?

MARIE KREUTZER: Ich habe es nicht so gern, wenn man das Gefühl hat, da wird jetzt mit der Botschaft gewedelt. Wenn, dann vielleicht die Erkenntnis, dass man nichts kontrollieren kann. Man denkt zwar, man hat die Dinge im Griff, aber Job oder Familie . . . es kann alles sofort weg sein. Man hat nur den Moment – das ist vielleicht eine schöne Botschaft.

Wann wäre der Film für Sie ein Erfolg?

MARIE KREUTZER: Für mich ist es schon ein irrsinniger Erfolg, zu sehen, dass er bei den Leuten gut ankommt. Und in Zahlen? Da fände ich 40.000 Zuseher in Österreich super. Und wenn er nach der Diagonale noch bei anderen großen Festivals läuft, wäre das auch schön.

Gibt es schon ein nächstes Projekt?

MARIE KREUTZER: Es ist in meinem Beruf wichtig, parallel zu arbeiten, weil sonst zu viel Zeit zwischen den Filmen vergeht. Nächstes Jahr werde ich eine Komödie drehen. Sie heißt „Was hat uns nur so ruiniert?“, es geht um drei befreundete junge Bobo-Paare in der Großstadt, die Kinder kriegen.

ZUR PERSON

Marie Kreutzer, geboren 1977 in Graz, arbeitet seit 1999 als Drehbuchautorin und Regisseurin.

Ihr Debütfilm "Die Vaterlosen" erhielt u. a. den Großen Preis bei der Diagonale 2011.

"Gruber geht" kommt am 30. Jänner in die Kinos. Zugleich erscheint das Hörbuch des Bestsellers von Doris Knecht, gelesen von "Gruber" Manuel Rubey.

Die Vorpremieren von "Gruber geht" in der Steiermark finden am 29. Jänner im Dieselkino Gleisdorf (18.30 Uhr) sowie im Grazer Schubertkino (20 Uhr) statt. 

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