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Behinderte: Wolfmayr gibt die Führung ab

Die steirische Speerspitze im Kampf um gute Dienstleistungen für Behinderte will künftig von außen auf die Steiermark wirken.

© Gernot Eder
 

Franz Wolfmayr ist für viele das Gesicht der Behindertenhilfe in der Steiermark: Kompetent, kampflustig, konsequent. Er selbst ist nicht behindert, sondern er leistete viele Jahre lang Aufbauarbeit: es geht um Dienstleistungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Seine "Chance B" in Gleisdorf ist Vorreiter in der mobilen Betreuung und "erfand" viele neue Projekte.

Genau das wurde ihm von der Politik zum Teil zum Vorwurf gemacht: Je mehr Projekte, desto höher die Kosten, so die schlichte Rechnung. Eine Rechnung, die Wolfmayr so nicht nachvollziehen kann: Jeder Fall von mobiler Betreuung und Integration sei billiger als die schlichte Versorgung durch die öffentliche Hand.

In wenigen Wochen zieht sich Wolfmayr zurück als Speerspitze im Land. Er wurde soeben zum zweiten Mal an die Spitze des europäischen Dachverbandes (EASPD) gewählt, und als solcher will er verstärkt von außen auf die Steiermark einwirken. Die Polarisierung zu Zeiten des Sparpakets habe bewirkt, dass er in ganz Europa stärker in der internationalen Funktion wahrgenommen wurde als bei uns.

Teilhabe am Leben

34 Länder, 100 Dachorganisationen, 1000 Einzelorganisationen vertritt Wolfmayr als Präsident des EASPD. Trotz Finanzkrise sei es in den letzten Jahren gelungen, die Umsetzung der EU-Konvention für Menschen mit Behinderung voranzutreiben, flächendeckend gemeindenahe Dienstleistungen aufzubauen, das Thema Alter und Behinderung verstärkt in den Blickpunkt zu rücken. Das Ziel: Menschen mit besonderen Bedürfnissen nicht zu "versorgen", sondern teilhaben zu lassen am "normalen" Leben."

Vordergründiges Sparen sei dabei nicht gleichbedeutend mit Effizienz, betont Wolfmayr, und nennt das Beispiel berufliche Integration. Der Rechnungshof hat gerade die Kosten kritisiert. "Aber er sagt nicht dazu, wie viele Leute durch die Maßnahmen integriert werden konnten. Jeder Mensch, der arbeitet und Steuern zahlt, kommt das System billiger als die Abhängigkeit von der Sozialhilfe."

Planung & Kontrolle

Was dem langjährigen Verhandlungspartner des Landes, der wegen seiner Ansicht nach nicht kostendeckender neuer Tarife seit einem Jahr im Rechtsstreit mit den Behörden liegt, besonders weh tut: Dass ihm unterstellt wird, nur Kosten zu maximieren, denn selbstverständlich müsse es Plan und Kontrolle geben.

"Wir haben gemeinsam mit dem Land planungs- und Steuerungsinstrumente entwickelt", sagt Wolfmayr. "Die haben das dann nur nicht umgesetzt. Ich weiß nicht, wieso."

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