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Geschichten von früherWas die Postkarten von der Stajerska erzählen

Eine Ausstellung über Postkarten im Pavelhaus bei Bad Radkersburg versetzt Besucher in die historische Untersteiermark zurück.

Historische Postkarte
Historische Postkarte © KK
 

Am 26. Jänner 1869 veröffentlichte der österreichische Professor Emanuel Herrmann in der Neuen Freien Presse einen Beitrag unter dem Titel „Über eine neue Art der Korrespondenz mittels der Post“. Noch im selben Jahr griff der General-Postdirektor Ritter von Maly seinen Gedanken auf. Die Postkarte war erfunden. Bald schon revolutionierte sie weltweit die Kommunikation. Jeder konnte nun rasch und preiswert seine Botschaften versenden. Heute sind die schriftlichen Kurznachrichten von damals Fenster in die Vergangenheit. Sie erzählen vom Leben ihrer Verfasser und einer vergessenen Zeit.

Die aktuelle Ausstellung „ŠTAJER-MARK“ im Pavelhaus in Laafeld bei Bad Radkersburg widmet sich der Geschichte der historischen Untersteiermark anhand dieser schriftlichen Zeugen. Sie versetzen den Besucher in jene Zeit, als die slowenische Štajerska und die österreichische Steiermark noch eins waren. Bis 1918 bildeten sie gemeinsam ein Kronland der Monarchie, das von gelebter Zweisprachigkeit geprägt war. Diese lässt sich nicht nur an den handschriftlichen Nachrichten ablesen, sondern auch an den Postkartenmotiven und deren Beschriftung.

Lange, so erfährt man auch im umfassenden Ausstellungskatalog, hatten hier slowenisch- und deutschsprachige Steirerinnen und Steirer friedlich zusammen gelebt. Erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte man die Sprache zu einem Unterscheidungsmerkmal, das auch politisch benutzt wurde. An den Postkarten ging diese Entwicklung nicht spurlos vorbei. Dennoch blieben neben all dem Trennenden nach wie vor auch die Gemeinsamkeiten bestehen, wie die Ausstellung deutlich macht.

Als Mittel der Alltagskommunikation fand die Postkarte von Anfang an eine vielseitige Verwendung. Mit ihr kündigte man einen Besuch an, erfragte die Preise für Wintermäntel, berichtete von Geburten und Todesfällen, oder versandte Liebesbotschaften. Auch in der geschäftlichen Korrespondenz ersetzte sie den Brief. Schon bald kamen Bilder hinzu. Gezeigt wurde das, worauf man stolz war: Schöne Landschaften, Dorf- und Stadtansichten, Ausflugsziele, Bahnhöfe, Industrieanlagen, Schulen und Kirchen. Eine noch nie dagewesene Sichtbarkeit von Raum machte sich nun auf dem Postweg breit und erreichte alle Bevölkerungsschichten.

So wurde die Postkarte schließlich auch zum Vehikel für den beginnenden Tourismus und zum lukrativen Geschäftsfeld. Es reichte vom Künstler und Fotografen über das Verlagshaus bis hin zur Druckerei. Auch die Post hatte alle Hände voll zu tun. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde in Graz bis zu viermal täglich ausgetragen. Beeindruckend auch die Geschwindigkeit: Eine am Samstag in Marburg aufgegebene Karte war bereits am Sonntag in Venedig. Die Motive machten die Postkarte zu Sammlerobjekten.
Doch nicht nur Private, sondern auch Museen und Archive sammelten eifrig. So legte das Steiermärkische Landesarchiv um 1900 eine Sammlung mit Tausenden Postkarten mit Motiven aus der ganzen Steiermark an.

Hinter der Ausstellung steht ein Forschungsprojekt unter der Leitung des Grazer Slawisten Heinrich Pfandl. Bis 2019 soll im Zuge dessen auch eine Online-Postkartensammlung entstehen. Die Ausstellung und das Projekt sollen „einen Beitrag zur Erinnerungskultur der Steiermark leisten“, betonen die beiden Forscherinnen Karin Almasy und Eva Tropper.
Letztere hat gemeinsam mit David Kranzelbinder, dem künstlerischen Leiter des Pavelhauses, die Ausstellung kuratiert. „Das Erinnern an die gemeinsame Geschichte soll zu einem Überwinden von Grenzen beitragen und zu einem verstärkten Austausch zwischen den beiden Regionen führen,“ so Kranzelbinder.

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