Wanderausstellung „Du stirbst nur einmal“ rückt den Tod in den Mittelpunkt
Die gemeinsam von Johann Schleich und Karl Lenz gestaltete Ausstellung macht bis Oktober in zwölf Gemeinden Station. Auch ein „geschichtliches Standardwerk“ mit 540 Seiten und mehr als 2000 Bildern werden die beiden kulturgeschichtlichen Urgesteine der Südoststeiermark veröffentlichen.

"Nur durch Beschäftigung mit einem Thema gewinnen wir Wissen und können uns die Kraft dahinter zunutze machen", sagte Johann Schleich bei der Präsentation der neuen Wanderausstellung „Du stirbst nur einmal“ im Feldbacher Rathaus. Mehr als 60 Jahre lang fotografierte und schrieb der Historiker über die Kulturgeschichte der Südoststeiermark. "Dem Tod ins Auge zu blicken, das gehört zum Leben auch dazu", erklärt der ehemalige Stradener Bürgermeister und NMS-Direktor Karl Lenz die Beweggründe zu Ausstellung und Buch.
"Das Sterben wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer anonymer. Auch im Zuge der Covid-Pandemie. Es war zuletzt nicht mehr möglich, sich von seinen Liebsten zu verabschieden. Deswegen ist dieses Thema und der Umgang damit umso wichtiger", ergänzte Feldbachs Bürgermeister und Vulkanlandobmann Josef Ober.

44 Tafeln, die den Wert des Lebens aufzeigen
Schon der knackige Titel „Du stirbst nur einmal – Maden werden dein Bett sein und Würmer deine Decke“ ist voller Brisanz. Dazu sagte Schleich: „Das ist kein Wortspiel von mir, sondern genauso steht es in der Bibel. Wir haben Feldforschung betrieben und versucht, die Geschichte rund um den Tod in den vergangenen Jahrtausenden zu erforschen. Mit dieser volkskundlichen Studie soll aufgezeigt werden, wie wertvoll das Leben ist, obwohl wir von Minute zu Minute den Tod näher rücken.“ Auf 44 Tafeln werden die Ergebnisse ab dem 25. April zu bestaunen sein. Eröffnet wird die Wanderausstellung in Sinabelkirchen. Dann wird sie bis Ende Oktober in insgesamt zwölf Gemeinden zu sehen sein (siehe Infokasten).
Ausstellungsdaten "Du stirbst nur einmal"
Sinabelkirchen, Marktgemeindeamt, 24. April bis 6. Mai
Feldbach, Hauptplatz, 8. Mai bis 3. Juni sowie 23. bis 28. Oktober
Kirchbach-Zerlach, Parkgeländer Pfarrerstall, 5. bis 17. Juni
St. Peter/Ottersbach, Vorplatz Kirche, 19. bis 29. Juni
Kapfenstein, Dorfplatz, 1. bis 15. Juli
Bad Radkersburg, Hasenheide oder Hauptplatz, 17. bis 29. Juli
St. Anna/Aigen, Kirchplatz, 31. Juli bis 12. August
Straden, Kirchplatz, 14. bis 25. August
Bad Gleichenberg, Hauptplatz, 27. August bis 9. September
St. Stefan/Rosental, Markplatz, 11. bis 23. September
Gnas, Kirchplatz, 25. September bis 7. Oktober
Kirchberg/Raab, Kirchpark, 9. bis 21. Oktober
Ein Teil des ewigen Kreises
Im begleitenden und gleichnamigen Buch, das am 22. April erscheint, werden 5000 Jahre Sterbe- und Bestattungskultur aufgerollt und illustriert. Dabei haben Schleich und Lenz viele bedrückende, wie auch unterhaltsame Geschichten zu erzählen. „Nur noch die ältesten Personen erinnern sich an die Hausaufbahrungen, an Versehgänge oder an die Totenwache, bei der es oft sehr lustig und temperamentvoll zuging. Da wurde nach dem Gebet gefeiert. Das waren sogar Anlässe für die Partnersuche", weiß Schleich. Ein Teil des ewigen Kreises eben.
Dem Humor steht allerdings die Trauer als Strategie zur Verarbeitung des Todes gegenüber. „Es ist zum Beispiel unvorstellbar, wie tragisch der Tod während dem Krieg war“, schildert Lenz. Dazu waren vor allem Interviews mit Beteiligten und Zeitzeugen bei der Recherche hilfreich. „Bisher unbeachtet ist das Wirken der Vorbeter, Mesner, Leichansager und Ministranten geblieben, die wir in dieser Ausstellung und im Buch zu Wort kommen lassen.“

Öffentliche Plätze als bewusstes Konzept
Für die Konzipierung der Ausstellung war auch das Vulkanland maßgeblich beteiligt. „Es handelt sich um immaterielles Kulturerbe, das einen wichtigen Teil unserer regionalen Identität darstellt“, sagte dazu der Leiter des Leader-Programmes, Michael Fend. Man habe bewusst eine Ausstellung im Freien und auf öffentlichen Plätzen gestaltet. In Feldbach etwa werden elf Kuben von zwei prunkvollen Leichenwägen flankiert werden.