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Wanderausstellung „Du stirbst nur einmal“ rückt den Tod in den Mittelpunkt

Die gemeinsam von Johann Schleich und Karl Lenz gestaltete Ausstellung macht bis Oktober in zwölf Gemeinden Station. Auch ein „geschichtliches Standardwerk“ mit 540 Seiten und mehr als 2000 Bildern werden die beiden kulturgeschichtlichen Urgesteine der Südoststeiermark veröffentlichen.

Die Lamberggruft in Ilz mit ihren elf Metallsärgen ist nur einer von vielen Schau(er)plätzen der neuen Ausstellung
© Johann Schleich
Die Lamberggruft in Ilz mit ihren elf Metallsärgen ist nur einer von vielen Schau(er)plätzen der neuen Ausstellung
Jakob Illek

"Nur durch Beschäftigung mit einem Thema gewinnen wir Wissen und können uns die Kraft dahinter zunutze machen", sagte Johann Schleich bei der Präsentation der neuen Wanderausstellung „Du stirbst nur einmal“ im Feldbacher Rathaus. Mehr als 60 Jahre lang fotografierte und schrieb der Historiker über die Kulturgeschichte der Südoststeiermark. "Dem Tod ins Auge zu blicken, das gehört zum Leben auch dazu", erklärt der ehemalige Stradener Bürgermeister und NMS-Direktor Karl Lenz die Beweggründe zu Ausstellung und Buch.

"Das Sterben wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer anonymer. Auch im Zuge der Covid-Pandemie. Es war zuletzt nicht mehr möglich, sich von seinen Liebsten zu verabschieden. Deswegen ist dieses Thema und der Umgang damit umso wichtiger", ergänzte Feldbachs Bürgermeister und Vulkanlandobmann Josef Ober.

Josef Ober, Johann Schleich, Karl Lenz und Michael Fend (v.l.n.r.) präsentierten vor zwei der elf Kuben die neue Wanderausstellung
© Illek
Josef Ober, Johann Schleich, Karl Lenz und Michael Fend (v.l.n.r.) präsentierten vor zwei der elf Kuben die neue Wanderausstellung

44 Tafeln, die den Wert des Lebens aufzeigen

Schon der knackige Titel „Du stirbst nur einmal – Maden werden dein Bett sein und Würmer deine Decke“ ist voller Brisanz. Dazu sagte Schleich: „Das ist kein Wortspiel von mir, sondern genauso steht es in der Bibel. Wir haben Feldforschung betrieben und versucht, die Geschichte rund um den Tod in den vergangenen Jahrtausenden zu erforschen. Mit dieser volkskundlichen Studie soll aufgezeigt werden, wie wertvoll das Leben ist, obwohl wir von Minute zu Minute den Tod näher rücken.“ Auf 44 Tafeln werden die Ergebnisse ab dem 25. April zu bestaunen sein. Eröffnet wird die Wanderausstellung in Sinabelkirchen. Dann wird sie bis Ende Oktober in insgesamt zwölf Gemeinden zu sehen sein (siehe Infokasten).

Ausstellungsdaten "Du stirbst nur einmal"

Sinabelkirchen, Marktgemeindeamt, 24. April bis 6. Mai

Feldbach, Hauptplatz, 8. Mai bis 3. Juni sowie 23. bis 28. Oktober

Kirchbach-Zerlach, Parkgeländer Pfarrerstall, 5. bis 17. Juni

St. Peter/Ottersbach, Vorplatz Kirche, 19. bis 29. Juni

Kapfenstein, Dorfplatz, 1. bis 15. Juli

Bad Radkersburg, Hasenheide oder Hauptplatz, 17. bis 29. Juli

St. Anna/Aigen, Kirchplatz, 31. Juli bis 12. August

Straden, Kirchplatz, 14. bis 25. August

Bad Gleichenberg, Hauptplatz, 27. August bis 9. September

St. Stefan/Rosental, Markplatz, 11. bis 23. September

Gnas, Kirchplatz, 25. September bis 7. Oktober

Kirchberg/Raab, Kirchpark, 9. bis 21. Oktober

Ein Teil des ewigen Kreises

Im begleitenden und gleichnamigen Buch, das am 22. April erscheint, werden 5000 Jahre Sterbe- und Bestattungskultur aufgerollt und illustriert. Dabei haben Schleich und Lenz viele bedrückende, wie auch unterhaltsame Geschichten zu erzählen. „Nur noch die ältesten Personen erinnern sich an die Hausaufbahrungen, an Versehgänge oder an die Totenwache, bei der es oft sehr lustig und temperamentvoll zuging. Da wurde nach dem Gebet gefeiert. Das waren sogar Anlässe für die Partnersuche", weiß Schleich. Ein Teil des ewigen Kreises eben.

Dem Humor steht allerdings die Trauer als Strategie zur Verarbeitung des Todes gegenüber. „Es ist zum Beispiel unvorstellbar, wie tragisch der Tod während dem Krieg war“, schildert Lenz. Dazu waren vor allem Interviews mit Beteiligten und Zeitzeugen bei der Recherche hilfreich. „Bisher unbeachtet ist das Wirken der Vorbeter, Mesner, Leichansager und Ministranten geblieben, die wir in dieser Ausstellung und im Buch zu Wort kommen lassen.“

Begräbnis in Lamberg
© Schleich
Begräbnis in Lamberg

Öffentliche Plätze als bewusstes Konzept

Für die Konzipierung der Ausstellung war auch das Vulkanland maßgeblich beteiligt. „Es handelt sich um immaterielles Kulturerbe, das einen wichtigen Teil unserer regionalen Identität darstellt“, sagte dazu der Leiter des Leader-Programmes, Michael Fend. Man habe bewusst eine Ausstellung im Freien und auf öffentlichen Plätzen gestaltet. In Feldbach etwa werden elf Kuben von zwei prunkvollen Leichenwägen flankiert werden.