AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

InterviewDer jüngste Bürgermeister Österreichs

Fabio Halb wurde mit fast 80 Prozent zum neuen Ortschef im südburgenländischen Mühlgraben gewählt. Österreichs jüngster Bürgermeister im Gespräch über Anforderungen und Ziele.

Fabio Halb wird am 12. Oktober als jüngster Bürgermeister Österreichs angelobt © Helmut Steiner
 

Was ist das für ein Gefühl, der jüngste Bürgermeister Österreichs zu sein?
FABIO HALB: Natürlich ist es etwas ganz Tolles, das mich freut. Aber ich sehe es als Nebeneffekt. Es geht darum, dass man gut zusammenarbeitet und etwas weitergeht. Es ist schön, das Vertrauen der Partei zu bekommen und dann auch durch die Bevölkerung bestätigt zu werden.

Wie sind Sie in die Politik gekommen?
Ich war schon immer politisch interessiert. Vor zwei Jahren habe ich die Schriftführerposition in der Ortspartei übernommen.

Als Polit-Neuling wird man selten gleich Spitzenkandidat...
Verantwortung in der Gemeinde zu übernehmen, war schon ein Thema. Aber dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht. Es hat sich auch relativ spät ergeben. Bürgermeister Reinhard Knaus hat sich entschieden, nach drei Amtsperioden nicht mehr zu kandidieren. Er hat mir das Vertrauen gegeben. Im Mai wurde das dann von der Partei abgesegnet.

Sind sie familiär „vorbelastet“?
Mein Onkel war vor Reinhard Knaus zehn Jahre Bürgermeister. Politik ist bei uns zu Hause immer Tagesthema.

Was sagen Ihre Freundin, Ihr Freundeskreis zum Engagement?
Bis jetzt hat es meine Freundin sehr gut verstanden. Ich bin jemand, der immer etwas will. Ich habe ein Tagesprogramm, war schon bisher in vielen Vereinen aktiv. Im Freundeskreis wird es anerkannt und die Leute schauen schon, dass man als Junger so ein Vertrauen bekommt.

Wie viel Zeit muss man als Bürgermeister investieren?
Man muss klar trennen zwischen dem Job, das ist meine Arbeit bei der Bank – ich arbeite ja voll weiter – und Privatem, das ist das Bürgermeisteramt. Den Tag werde ich früher beginnen, die Wochenenden werden beansprucht. Aber wir sind ja nicht New York oder Wien. Ich habe mir einen Zeitplan zurechtgelegt. Ich glaube, damit komme ich relativ gut durch. Jeder hat gleich viel Zeit, der Tag hat für jeden 24 Stunden. Die Frage ist, wie man es angeht.

Haben Sie für Mühlgraben besondere Pläne?
Mit einer Veränderung kommt immer auch etwas Neues. Es wird einen neuen Stil geben, weil ich gewisse Dinge anders sehe. Mir ist wichtig, dass alle die beteiligt sind, alle die im Gemeinderat sitzen, ihre Aufgabe haben. Wir haben ein Programm erstellt, das reicht vom attraktiven Dorf bis zum Zusammenhalt. Der ist bei einer so kleinen, feinen Gemeinde besonders wichtig. Es kennt jeder jeden.

Zur Person

Geboren am 16. Februar 1997.
2015 Lehre zum Bankkaufmann abgeschlossen. War in mehreren Bankfilialen in Graz tätig und arbeitet nun in einer Bank in Jennersdorf.
Als Fußballer stürmte er für die Akademie des GAK, spielte in Jennersdorf, St. Anna/A. und Pircha, nun bei seinem Heimatverein Mühlgraben.
Am 1. Oktober 2017 wurde er mit 79,44 Prozent zum neuen Bürgermeister von Mühlgraben gewählt.
Angelobung am 12. Oktober.



Es heißt, die Jugend sei fast nur mehr über die sogenannten sozialen Medien erreichbar. Wie halten Sie es da?
Ich hatte eine Zeit, wo ich das ganz abgeschaltet habe – für drei Monate. Aber man ist halt damit immer up to date. Ich nutze das sehr privat. Ich bin nicht ständig dort unterwegs. Dafür hätte ich auch gar keine Zeit. Im Wahlkampf war ich in jedem Haushalt. Ich hatte also direkten Kontakt.

Wie kann man junge Menschen für Politik oder die Arbeit auf kommunaler Ebene gewinnen?
Im ländlichen Bereich ist es so: Wenn sie erwünscht sind, eingebunden werden und Mitsprache recht haben, dann geht das für die Zukunft. Sind schon junge Leute im Gemeinderat, ist es auch leichter, weitere dafür zu gewinnen. Es gibt viele, die etwas machen wollen. Ganz ohne Partei geht es nicht.

Teilen Sie den Befund, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren?
Da muss man fragen, was ist Politik? Wenn ich mich über etwas aufrege, bin ich ja schon mitten in der Politik. Da ist dann die Frage, ob ich nur kritisiere oder auch etwas tun will.

Was macht ein junger Ortschef anders als ein älterer Kollege?
Das kann ich noch gar nicht so genau sagen.

Die Aufgaben des Bürgermeisters nehmen auch in kleinen Gemeinden zu. Die Verantwortung steigt. Wie gehen Sie damit um?
Mir ist ganz wichtig, dass sehr viel im Gemeinderat besprochen und abgearbeitet wird.

Würde Sie ein höheres politisches Amt reizen?
Da habe ich eine klare Position: Mein Job ist mir ganz, ganz wichtig. Das ist klar getrennt von meinem Amt. Jetzt ist diese Hürde zu meistern. Was die Zukunft bringt, kann man nicht sagen.

Haben Sie politische Vorbilder?
lm Fußball ist es ein bisschen leichter. Man kann sich von vielen Politikern etwas abpausen, lernen, wie sie argumentieren.

Was machen Sie am liebsten in der Freizeit?
Sport, das war immer schon ein guter Ausgleich. Von Fußball über Tennis bis Laufen und Radfahren.

Wo tanken Sie Kraft?
Als Junger hat man ja sehr viel Energie. Es gibt natürlich Plätze, wo man abschalten kann.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren