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Interview zum 70erRudi Roth: "Fürs Flugticket musste ich mein Auto verkaufen"

Der Unternehmer und Ex-GAK-Torhüter Rudi Roth baute von null weg das zeitweise umsatzstärkste steirische Handelsunternehmen auf. Heute wird er 70 Jahre alt.

Ungarischer Konsul Rudi Roth: „In die Tagespolitik mische ich mich nicht ein. Aber die EU ist ein Friedensprojekt, das wir unbedingt bewahren müssen.“ © Juergen Fuchs
 

Sie sind Vorzeigeunternehmer, Mäzen und seit 25 Jahren ungarischer Honorarkonsul. Was sagen Sie zum EU-Rechtsstaatsverfahren gegen Ungarn?

RUDI ROTH: Als Konsul bin ich für ungarische Bürger da. Ich setze mich für sie ein und habe die Beziehungen der Steiermark zu Ungarn intensiviert. Ins politische Tagesgeschäft mische ich mich nicht ein.

Warum diese Zurückhaltung?

Mein Großvater war christlich-sozialer Nationalratsabgeordneter, er und mein Vater waren in der Nazizeit eingesperrt. Ich hatte einmal das Angebot, in die Politik zu gehen, aber ich habe mich für den Konsul entschieden, weil ich das Gefühl habe, dort mehr bewegen zu können.

Sie gelten jedenfalls als überzeugter Europäer.

Die EU ist für mich das größte Friedensprojekt, darüber wird zu wenig geredet. Wir haben seit 70 Jahren Frieden, das gab es für unsere Väter, Großväter und Urgroßväter nicht. Mit meiner Firma habe ich in Belgrad und Zagreb in den 1990er Jahren den Jugoslawien-Krieg erlebt: Da haben von einem Tag auf den anderen die besten Freunde aufeinander geschossen, nur weil man ihnen gesagt hat, es ist Krieg!

Juergen Fuchs
© Juergen Fuchs

Wie haben sich in 25 Jahren die Anliegen der Menschen an Sie als Konsul verändert?

1993 hatten wir noch viele Flüchtlinge aus dem 1956er Jahr. Das hat sich grundlegend geändert. Heute kommen viele, die Arbeit suchen – vor allem im Gastgewerbe. Die Ungarn haben auch viel investiert, etwa in Murau, Kreischberg, Lachtal.

Konnten Sie manche dieser Fäden selbst zusammenknüpfen?

Wir haben zum Beispiel mit dem damaligen Landesrat Gerhard Hirschmann ungarische Skilehrer eingeladen, gratis in die Steiermark zu kommen, um hier ihre Landsleute im Winter zu unterrichten. Andererseits habe ich auch viele steirische Firmen bei ihren Investments in Ungarn begleitet und unterstützt. Heute gibt es bereits einige 100 steirische Joint-Ventures in Ungarn.

Eines der größten ist Ihre Biodieselproduktion in Komarom.

Ja, wir haben um 35 Millionen Euro die größte Biodiesel-Raffinerie Europas gebaut.

Die ungarische Sprache gilt oft als Nachbarschafts-Hürde. Sprechen Sie ungarisch?

Meine Frau und auch meine Tochter sprechen perfekt ungarisch. Ich versuche es auch, aber es ist wirklich schwer.

Der von Ihnen aufgebaute Treibstoffhandel wuchs zeitweise zum umsatzstärksten steirischen Handelsunternehmen heran. Wie sind Sie überhaupt in die Ölbranche gekommen?

Ich habe 1971 in den USA studiert. Dann habe ich meinen Professor gefragt, was ich machen soll. Er sagte: Öl oder Immobilien. Mein Bruder und ich haben uns für Öl entschieden, weil die Eltern einen Kohlenhandel hatten. Bei Immobilien kannten wir uns nicht aus. 1972 haben wir von null weg die Heizöle Roth gegründet – vorher kannte ich nur Kürbiskernöl. Das Kaufhaus Kieslinger in Ehrenhausen war mit 10.000 Liter mein erster Ölkunde.

Wie denken Sie über Luftverschmutzung und Klimawandel?

Ich habe als Erster Biotreibstoffe angeboten und die erste Elektrotankstelle der Steiermark eröffnet. Biodiesel gewinnen wir aus Raps und Altspeiseöl, umweltfreundlicher geht es nicht. Aber der Großteil fährt eben mit fossilen Treibstoffen, und es wächst derzeit auch noch die Zahl der Autos. Die wollen wir gut versorgen. Ich allein kann das Weltklima nicht retten.

Sie feiern heute Ihren 70. Geburtstag, andere sind in dem Alter seit zehn Jahren in Pension und steigen auf irgendwelche Berge...

Die Pension wäre nichts für mich. Ich bin seit 40 Jahren täglich um halb neun Uhr im Büro, das haben wir vom Vater gelernt. Auf die Berge stieg ich trotzdem: Großglockner, Kilimandscharo, Mont Blanc.

Und Sie waren GAK-Tormann und haben ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen.

Ja, ich war der erste Fußballer, der während der Karriere Akademiker wurde.

2001 bis 2005 waren Sie GAK-Präsident, noch heute ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Malversationen.

Ich habe das Amt unter der Voraussetzung übernommen, dass ich nur Aushängeschild bin, aber mich nicht ums operative Geschäft kümmere. Wenn Dinge vorgefallen sein sollten, hast du aber als Präsident trotzdem die Verantwortung. Die langen Untersuchungen sind natürlich belastend.

Sie werfen sich nichts vor?

Nur, dass ich die Struktur nicht so geändert habe, wie sie heute bei Fußballvereinen üblich ist: mit zwei Geschäftsführern und einer GmbH.

Die Roth-Dynastie

Wenige Wochen nach Kriegsende schlug im oststeirischen Gnas die Geburtsstunde des heutigen Roth-Imperiums mit Dutzenden Firmen bzw. Beteiligungen, als Hans Roth sen. (1916–2008) im Juni 1945 einen Gemischwarenladen eröffnete.

In kurzen Abständen gründeten der Parade-Unternehmer und seine Frau Maria (1923–2010) ein Taxi- und Transportunternehmen, ein Kaffeehaus, einen Baustoffhandel, ein Modehaus, eine Trafik, eine Immobilienverwaltung etc.

Ab den 1970er-Jahren traten die sechs Kinder Hans (Saubermacher), Rudi (Öl), Ferdinand (Modehaus), Maria (Transport), Ewald (Interro) und Helmut mit ihren Familien in die Fußstapfen der Eltern.

Als Meilensteine für die Entwicklung zur Global-Player-Gruppe gelten die Gründung der Heizöl-Gruppe (1972), deren Geschicke Rudi Roth Jahrzehnte leitete und die heute Rudis Sohn Jürgen, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, weiterführt. 1979 startete Hans jun. mit dem Abfallentsorger Saubermacher, der heute 3000 Beschäftigten Arbeit gibt.

Sie sind großer Förderer von Studenten, haben bisher 200 Stipendien vergeben und 300.000 Euro dafür ausgegeben. Warum dieses Engagement?

Als ich in den USA studierte, gab es kein Förderprogramm. Ich musste mein Auto verkaufen, um den Flug zu bezahlen. Damals nahm ich mir vor, junge Talente zu fördern, wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Die Stipendien werden von einer Professoren-Jury vergeben.

Das Geheimnis Ihrer guten Gesundheit?

Ich glaube, ich habe gute Gene. Und ich habe nie ein Medikament genommen – obwohl ich auch gelernter Drogist bin.

Kommentare (1)

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Lodengrün
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4
Lesenswert?

Ich ziehe meinen Hut

vor seiner Lebensleistung aber so arm war man nicht das man das Auto verkaufen mußte. Und so viel ich mich erinnere lief damals ein Dkfm Stamm bei der Admira auf.

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