Steirer des TagesFür das Buch seines Vaters gründete er einen Verlag

Der Student Paul Klingenberg hat seinen eigenen Verlag gegründet. Damit hat sich der Grazer auf unsicheren Boden gewagt – und in kurzer Zeit viel erreicht.

„Wir machen das zusammen“: Verleger Paul Klingenberg mit einem Foto seines verstorbenen Vaters © (c) Nicholas Martin
 

Für den gelernten Grazer ist der Nachname Klingenberg kein unbekannter. Schließlich war Georg Klingenberg, der römisches Recht an der Uni Graz unterrichtete, ein stadtbekannter Menschenfreund. Als der Professor im Juni 2016 verstarb, hinterließ er das humoristische Buch namens „Prüfungskunde – Leitfaden für Geprüfte und Prüfer“. Ein buntes Sammelsurium an Charakteren und Situationen, die einem während der Universitätslaufbahn begegnen, wie etwa der spekulierende Student oder der geburtshelfende Prüfer.

Sohn Paul hat den Nachlass seines Vaters im Eigenverlag veröffentlicht. Dabei ging es nicht darum, lediglich einem großen Namen gerecht zu werden. „Wir gehen diesen Weg gemeinsam“, sagt Paul Klingenberg liebevoll. „Meine Motivation ist das, was mir mein Vater übergeben hat: So gut wie möglich zu verwirklichen.“
Mittlerweile ist das Erbe seines Vaters schon in der dritten Auflage erschienen. Zugegeben, ein leichtes Berufsfeld hat sich der 26-Jährige nicht ausgesucht. Das Verlagswesen ist bekanntlich ein hartes Pflaster.

 

Zur Person

Paul Klingenberg, geboren 1991, Master-Student der Philosophie an der Uni Graz. Sein „Verlag Klingenberg“ wurde 2017 gegründet. Im Programm: Georg Klingenberg – Prüfungskunde, Leitfaden für Geprüfte und Prüfer. Es folgt: Jim Palmenstein - Leuchtfeuer im Kupfer der Dämmerung.

Dass er als Kind Abenteurer à la Indiana Jones werden wollte, kommt ihm wahrscheinlich heute zugute. „Man hat zu mir gesagt, ich werde entweder schwimmen oder untergehen“, erzählt er. „Ich habe mir dann gedacht, wenn ich schon schwimmen muss, dann schwimme ich gerne und gut.“ Sein Ziel ist natürlich der Selbsterhalt. Und dem ist der unermüdliche Perfektionist dicht auf den Fersen.

Unabhängigkeit ist für den Philosophie-Studenten das Wichtigste. Das Rüstzeug für den Beruf des Verlegers hat er sich deshalb selbst zusammengesucht und in langen Nächten autodidaktisch angeeignet - angefangen bei der Erstellung der eigenen Homepage bis hin zu Buchsatz, Design und dem Verkauf. In punkto Produktionsstätten setzt er auf regionale Betriebe.

Nachdem das Buch des Vaters großen Anklang gefunden und Paul auf zahlreichen Buchmessen, wie die in Frankfurt, gastiert hat, wartet schon das nächste Projekt darauf, in die Freiheit entlassen zu werden. Jim Palmensteins „Leuchtfeuer im Kupfer der Dämmerung“ wird demnächst im Klingenberg Verlag erscheinen. Und das zeigt: Paul Klingenbergs Geschichte ist bei weitem mehr als nur ein mutiger Selbstversuch. Er sagt: „Ich habe das Gefühl, dass ich in Begegnung mit meiner beruflichen Bestimmung bin.“

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