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Steirer des Tages

"Der Chef bin immer noch ich"

Vom Voitsberger Bauernbub zum Konzernlenker: Johann Christof, seit wenigen Tagen 75 Jahre alt.

© Hassler
 

Meine Buben." Das sagt Johann Christof häufig. Nicht immer meint er damit seine beiden Söhne. Aber meistens.

Unüberhörbar flutet Christof in solchen Momenten den Raum mit Stolz. Wenn er mit den "Buben" die knapp 3000 Mitarbeiter seines Unternehmens meint, vor allem aber wenn er über Johann junior (53, seit 1989 in der operativen Führungsetage des Familienbetriebs) und Stefan (36, sitzt im Aufsichtsrat) spricht. Die beiden hätten "große Ideen, Fantasie und unternehmerischen Geist", hört man den Vater schwelgen. Er selbst sei ja "nur der, der alles genehmigt". Immer noch.

Obwohl der "Senior", wie er intern ehrfurchtsvoll genannt wird, sich vor drei Jahren aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat zurückgezogen hat. Der Rückzug ist relativ. Nicht nur, "weil Besitzer in den Aufsichtsrat gehören, weil dort die Entscheidungen fallen" (Christof). Auch weil der seit Kurzem 75-Jährige im Betriebsalltag präsent ist. Immer noch.

Vor 47 Jahren hat er mit der Gründung der Rohrbau Graz GmbH den Grundstein für einen Konzern gelegt, der gegenwärtig über eine Exportquote von rund 80 Prozent verfügt. Was mit einem Werk in Stallhofen und dem Firmensitz in Graz begann, ist unter dem Dach der 312 Millionen Umsatz erwirtschaftenden Christof Group zu einem der führenden Anlagen- und Apparatebauer Österreichs gewachsen und ist in Nischen Weltspitze.

Leicht war es nicht immer, erinnert sich Christof. "Aber es passt nicht zu uns, aufzugeben - auch wenn es noch so hart ist." Er selbst ist in bescheidenen Verhältnissen als Bauernsohn in der Weststeiermark aufgewachsen.

"Nichts zum Anziehen"

"Fünf Kilometer zu Fuß in die Volksschule, sieben Kilometer in die Hauptschule, bei bis zu eineinhalb Meter Schnee", blitzen Bilder vom Gestern ins Heute. "Wir hatten nichts zum Anziehen. Es waren schwere Zeiten, aber ich möchte sie nicht missen." Christof hat sie sogar ins Jetzt zurückgeholt. Vor einigen Jahren hat er den elterlichen Bauernhof, den seine Mutter notverkaufen musste, erworben und renoviert. Heute steht dort "der schönste Stadel Österreichs", freut sich Christof.

Zeit, ihn zu genießen, gönnt er sich wenig. Auch rasante Skiabfahrten ("Ich glüh heute noch wie ein Wilder, ich kann nicht langsam"), Tennisspielen ("Ich liebe den Zweikampf"), die Jägerei ("Aber ich bin kein Schießer") oder Golf ("Das Kugelscheiben ist kein Sport für mich") bleiben selten.

Einen wirklichen Grund, im Unternehmen leiser zu treten, sieht Christof nämlich nicht. Noch nicht. "Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, aber langsam möchte ich mich mehr um die Familie kümmern und mir öfter einen Urlaub gönnen."

Die Familie. Für Christof Rückzugsort und Kraftquelle. In deren Zentrum: Rosi, mit der er seit über 50 Jahren verheiratet ist und die er - "bei allen Höhen und Tiefen, die wir gemeinsam durchgestanden haben" (1985 starb die gemeinsame Tochter 22-jährig) - als Ruhepol schätzt: "Ein Juwel." Auch das eigentliche Clan-Oberhaupt? "Nein, der Chef bin immer noch ich", schimmert der Patriarch durch. Ob er eitel ist? "Irgendwo ist das jeder, aber ich schau ja eh ganz fesch aus." Ob er ein strenger Vater war? "Nein, ich hab sie eher verwöhnt", sagt der Pünktlichkeits- und Ordnungsfanatiker. Auch im Betrieb wird auf ein positives Klima geachtet.

Ja zu Vermögenssteuer

Auf sämtlichen Baustellen rund um den Erdball gibt es für die Mitarbeiter Weihnachtsfeiern. In Graz werden karitative Einrichtungen großzügig unterstützt. "Wir spenden rund um die Uhr. Es ist ja schön zu geben." Deshalb hätte er auch gegen eine Vermögenssteuer nichts. Eiliger Nachsatz: "Wenn das Geld zweckgebunden den Ärmsten der Armen zugutekommt und nicht zum Stopfen von Budgetlöchern verwendet wird."

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