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Reportage

Wortschatz-Jury kämpft sich durch 148 Werke

148 Werke wurden beim Literaturwettbewerb Wortschatz eingereicht. Wir durften bei einer Sitzung der prominenten Jury, angeführt von Peter Simonischek, dabei sein.

Die prominente Jury des Literaturwettbewerbs Wortschatz bei der Arbeit © Jonas Pregartner
 

Sonnenstrahlen fallen durch die Fenster des Gartenhäuschens der Familie Sonnleitner. Die beginnende Frühlingswärme lässt die Blumen und Sträucher der wohlgepflegten und beinahe parkartigen Anlage Blüten und Blätter treiben. Im Inneren des Häuschens hat sich eine illustre Runde zusammengefunden, um eine ganz andere Gattung von Blüten – jene der literarischen Art – zu sichten und zu diskutieren. Es ist die erste Jurysitzung des südoststeirischen Literaturwettbewerbes Wortschatz 2016. Der Wettbewerb findet bereits zum vierten Mal statt. Initiiert hat ihn das Schauspielerehepaar Peter Simonischek und Brigitte Karner.

Heuer sind es 148 Einsendungen in den Kategorien Lyrik und Prosa, die es zu bewerten gilt. Sieben davon wurden von Jugendlichen bis 18 Jahre eingereicht. Bereits im Vorfeld haben sich die sieben Jurymitglieder – neben Simonischek und Karner noch Johannes Silberschneider, Frido und Eva Hütter, Rosemarie Puchleitner und Christa Sonnleitner – eingehend mit den Texten beschäftigt. Nun gilt es, den anderen die eigenen Favoriten schmackhaft zu machen. „Unglaublich, was die Leute zu erzählen haben“, freut sich Frido Hütter, „zehn Prozent der Einsendungen sind sehr gut.“

Wortschatz

Der südoststeirische Literaturwettbewerb Wortschatz wurde vom gebürtigen Markt Hartmannsdorfer und als Salzburger Jedermann bekannten Schauspieler Peter
Simonischek und seiner Frau
Brigitte Karner ins Leben gerufen und wird vom Kulturverein Kulturmarkt Hartmannsdorf getragen.
Nach 2010, 2012 und 2014 findet heuer die vierte Ausgabe mit dem Thema „fremd – Licht und Schattendasein eines Zustandes (einer Befindlichkeit)“ statt.
Es werden Werke in den beiden
Kategorien Lyrik und Prosa und jeweils den Altersgruppen 14 bis 18 Jahre (Jugendliche) sowie 18 bis 99 Jahre (Erwachsene) prämiert.
Die Prämierung erfolgt am 2. Juli um 19 Uhr im Rahmen einer
Lesung beim Literaturbrunnen am Dorfplatz von Markt Hartmannsdorf. Dabei wird auch die Nachlese zum Wettbewerb mit den Siegertexten und weiteren Werken vom Wortschatz 2014 und Wortschatz 2016 in Buchform präsentiert.
Infos: www.kulturmarkthartmannsdorf.at.

Doch was zeichnet einen guten Beitrag aus? Eva Hütter ist wichtig, dass der Verfasser „die Fähigkeit zu formulieren, eine Geschichte aufzubauen“ hat. „Mir muss es gefallen“, meint Sonnleitner, die „auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen“ ist. Leicht ist es jedenfalls nicht, die Jury von sich zu überzeugen. Inhalt, Ausdruck, ob der Text nicht abgekupfert klingt – alles wird streng analysiert. Manche der eingereichten Gedichte haben eine versteckte Bedeutung, erfordern es, zwischen den Zeilen zu lesen. Man ist sich uneins, ob das als gut oder schlecht zu werten ist. Frido Hütter etwa empfindet es als „handwerklichen Fehler“, wenn die Bedeutung nicht klar genug hervorgeht.

Die Nummer 114

„Beim vorigen Wettbewerb sind interessantere Geschichten dabei gewesen“, findet Karner. Puchleitner stimmt zu. „Nummer 114 ist super“, sagt Simonischek. Die Namen der Autoren wissen die Juroren nicht, die Texte sind per Nummer einem Verfasser zugeordnet – nur Organisator Werner Sonnleitner kennt die Lösung. Unter den Einsendungen finden sich auch Mundart-Gedichte. „Dafür müsste es eine eigene Kategorie geben“, bemerkt Silberschneider. Und die Qualität? „Es gibt gute, es gibt schlechte.“ Wild gestikulierend trägt der Schauspieler die Gedichte vor, zieht dabei alle sprachlichen Register. Unstimmigkeiten, wenn etwa das Versmaß nicht passt, fallen so sofort auf. Karner tut sich schwer mit dem Dialekt: „Die Mundartgedichte – ich kann sie nicht beurteilen.“ Simonischek hingegen plädiert für mehr Mundart: „Wir sind ein regionaler Wettbewerb“. „Mundartpflege ist wichtiger als Mundhygiene“, scherzt Silberschneider.

Von knapp 150 Beiträgen sind nach der ersten Sitzungsrunde noch rund 50 im Rennen. Zwei Texte haben dabei besonders große Chancen auf einen Sieg – sie werden von fünf Jurymitgliedern favorisiert. Bei der nächsten Sitzung werden die Juroren dann weiter um ihre literarischen Lieblinge kämpfen.

Gute Literatur genießen im idyllischen Garten von Werner und Christa Sonnleitner - eine Freude für Peter Simonischek und Frido Hütter Foto © Jonas Pregartner

 

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