Es muss nicht immer ausgesprochen werden, wie sich etwas anfühlt, Bilder von kleinen Kackhaufen reichen auch. Unzählige Emojis mit Fäkalien bekam Marie-Claire Pieber-Trentelman von ihrer besten Freundin via Handy geschickt. Diese brachte es damit nicht nur auf den Punkt, wie "scheiße" Brustkrebs ist, sondern vor allem Pieber-Trentelman nach langer Zeit das erste Mal wieder zum Lachen.

Das war vor drei Jahren, mitten in einer von vielen Chemotherapien, die alles ausradieren im Körper, wie die heute 39-Jährige erzählt, die schlechten, aber auch die guten Zellen: "Irgendwann kann man da nicht mehr lachen." Nicht nur ihre beste Freundin war ihr in dieser Zeit eine wichtige Stütze. "Ohne meine Familie und Freunde hätte ich es nicht geschafft", sagt die Oststeirerin, die mit ihrem Mann Simon und ihrer zehnjährigen Tochter Lisa in Weiz lebt.

Zehn Zentimeter langer Tumor

Geboren wurde sie in Indonesien, aufgewachsen ist sie in den Niederlanden bei ihren Adoptiveltern, ehe sie 2002 zum Studieren nach Graz ging. Jahrelang war Pieber-Trentelman in ihrem Traumberuf Lehrerin in Schulen in Hartberg-Fürstenfeld und Weiz tätig. Bis zu ihrer Brustkrebs-Diagnose an einem Freitag im Juni 2019. Sie ging zu ihrer Frauenärztin, weil sie etwas gespürt hatte in ihrer linken Brust, nichts besonders Besorgniserregendes, aber auch nicht nichts. Über eine Länge von knapp zehn Zentimetern hatte sich da der bösartige Tumor bereits in ihre Brust gefressen, so unbemerkt und hinterhältig, dass er nur seitlich leicht zu spüren war. 

Knapp einen Monat nach der ersten Untersuchung hatte sie ihre erste Chemo, unzählige folgten. "Man wird gelebt", sagt die Weizerin über diese Zeit, in der sie den Ärzten einfach vertraut habe. Ende 2019 war der Tumor klein genug, um operativ entfernt werden zu können, samt ihrer linken Brust und dem Brustmuskel, den der Krebs infiltriert hatte.

Beidseitige Mastektomie

Da sie aufgrund einer Genmutation ein erhöhtes Brust- und Eierstockkrebs-Risiko hat, ließ sie sich sechs Monate später die zweite Brust sowie Gebärmutter und Eileiter entfernen. "Nach der beidseitigen Mastektomie habe ich mich befreit gefühlt, weil Brustkrebs nun keine Gefahr mehr war." Sie ist heute krebsfrei, muss jedoch noch Medikamente nehmen, um den Krebszellen keine neue Angriffsfläche zu bieten.

Ihren flachen Oberkörper und ihre Narben hat Pieber-Trentelmann mit Tätowierungen geschmückt
Ihren flachen Oberkörper und ihre Narben hat Pieber-Trentelmann mit Tätowierungen geschmückt
© Daniela Buchegger

Nach der Mastektomie entschied sie sich bewusst gegen einen Wiederaufbau von Brüsten: "Das wären so viele Operationen gewesen, die für mich und mein Wohlergehen nicht notwendig waren." Ihre Weiblichkeit definiert sie nicht über ihren Körper. Sie ist flach und steht nicht nur dazu, sie zeigt es auch: oben ohne im Freibad, im Urlaub, mit Initiativen, in denen sie um die Akzeptanz des "Flachseins" kämpft (siehe Infobox). Für ihren Mann, ihre Tochter, ihr Umfeld sei es normal, dass sie keine Brüste hat.

Bewusst für das "Flachsein" entschieden

Dass sie mit ihrer Offenheit auch aneckt, nicht jeder Verständnis hat, ist ihr bewusst. "Jede Frau darf aber so sein, wie sie will. Und flach zu sein, ist eine Option. Ich bin auch nicht gegen Brustimplantate bei anderen." Obwohl Pieber-Trentelman nie an ihrer Entscheidung gezweifelt hat, musste sie dennoch erst lernen, ihren neuen Körper, die Narben, zu akzeptieren. "Man hat ein ganz anderes Körpergefühl. Es braucht Zeit, da hineinzufinden."

In ihrer Kunst verarbeitet die Mutter einer Tochter ihre Krankheitsgeschichte
In ihrer Kunst verarbeitet die Mutter einer Tochter ihre Krankheitsgeschichte
© Daniela Buchegger

Hilfe für andere Betroffene

In ihren alten, geliebten Beruf kehrte die 39-Jährige nicht zurück: "Ich habe die Kraft nicht mehr, mich auf 25 Kinder zu konzentrieren." Stattdessen machte sie die Ausbildung zur medizinischen Masseurin und konzentriert sich auf andere Betroffene, die mit ihren Leiden, etwa nach Krebs oder einer Brustrekonstruktion, zu ihr kommen.

Ihre Krankheitsgeschichte verarbeitet die freischaffende Künstlerin in ihren Bildern, die sich vor allem um "Body Positivity" sowie die Akzeptanz und Normalisierung des "Flachseins" drehen. "Es geht schließlich einfach darum, sich wohlzufühlen."