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Tag der InklusionLebenshilfe: "Paradoxerweise wäre es das Ziel, uns selber abzuschaffen"

Der 5. Mai ist der Tag der Inklusion: Die Lebenshilfen in Hartberg und Fürstenfeld investieren aber nicht nur an diesem Tag viel Arbeit, um Menschen mit Behinderung ein normales Leben zu ermöglichen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Der 5. Mai ist für die Lebenshilfen in Hartberg und Fürstenfeld ein wichtiges Datum: Es ist der Tag der Inklusion © Wolf
 

Rund 11.000 Klienten, circa 7000 Mitarbeiter und ungefähr 500 Standorte: Die Lebenshilfe Österreich hat sich die Unterstützung von kognitiv behinderten Menschen zur Aufgabe gemacht. Hinter all der Arbeit mit kognitiv behinderten Personen steht eine große Vision: Es soll selbstverständlich werden, dass alle gleich sind. "Die Gesellschaft und die Umwelt müssen barrierefrei gestaltet werden, sodass Integration gar nicht mehr nötig ist", meint Armin Lorenz, der Geschäftsführer der Lebenshilfe Fürstenfeld. Man will Betroffenen einen normalen Alltag ermöglichen und sie bestmöglich einbinden.

Kommentare (3)
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Windstille
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Wer bezahlt?

Vorweg: Es ist wirklich toll, dass es Einrichtungen wie die Lebenshilfe gibt. Wir haben ein Familienmitglied, das in einer betreuten Wohneinheit der Lebenshilfe lebt.
Meine Gedanken zu "Gehalt statt Taschengeld": In der mir bekannten Tageswerkstätte werden Arbeiten für ein bekanntes Unternehmen verrichtet - dafür wird die Lebenshilfe ja auch etwas bekommen. Wer soll dieses geforderte Gehalt bezahlen? Das kann ja wohl nur die Lebenshilfe mit den Einnahmen für diverse Auftragsarbeiten sein, oder nicht?
Keine Familie könnte es sich ohne die großzügige Unterstützung unseres Staates leisten, ein Familienmitglied überhaupt in der Lebenshilfe oder einer anderen Einrichtung unterzubringen. Gelingt einem Klienten der Sprung in die Wirtschaft, verdient dieser wie alle anderen auch. Wer diesen Schritt nicht schafft, arbeitet in der Tageswerkstätte oder gar nicht, weil es ganz einfach nicht geht. Dafür erhalten diese Menschen eine 24-Stunden-Betreuung und Taschengeld, alles andere bezahlen die Angehörigen. Erkläre mir jetzt wer, warum jetzt noch Gehalt gefordert wird? Oder hat die Lebenshilfe so viel Geld, um diesen Schritt machen zu können?

Integration ist auch in der Schule ein großes Thema. Zum Glück kapieren immer mehr Menschen, dass Integration nicht immer möglich ist und manche Kinder in speziellen Einrichtungen ganz einfach viel besser aufgehoben sind.

arminlorenz
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2 Säulen-Modell

Liebe/r "Windstille"! Ich freue mich über Ihr positives Feedback in Richtung Lebenshilfe/n. Es geht bei der Forderung nicht um "zusätzliches Gehalt" oder "zusätzliche Kosten" für den Träger, sondern um tiefergreifende Veränderungen zur Sicherung der Rechte von Menschen mit Behinderung lt. UN-Behindertenrechtskonvention. Einen möglichen Lösungsvorschlag zur Einkommens- und Bedarfssicherung bietet die Lebenshilfe Österreich mit dem "2 Säulen-Modell" - siehe: https://lebenshilfe.at/das-war-die-pressekonferenz-2-saeulen-modell-einkommen-und-bedarfssicherung-von-menschen-mit-behinderungen/ - Mfg, Armin Lorenz

Windstille
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Sehr geehrter Herr Lorenz!

Danke für ihre ausführliche Antwort. Es ist toll, was nicht nur bei der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung gemacht wird. Man könnte über die Rechte von behinderten Menschen lange diskutieren, wir haben wie bereits beschrieben einen behinderten Menschen in der Familie, der in einer Lebenshilfe-Einrichtung lebt. Wir sind froh, in Österreich zu wohnen, sonst wäre dieser Platz nicht leistbar. Diese Person kann leider keiner Beschäftigung nachgehen, alle Versuche diesbezüglich sind gescheitert. Wofür und von wem sollte diese Person "Gehalt" bezahlt bekommen? Was diese Person aber gelernt hat, ist das Wort "Selbstbestimmung" - immer und überall. Und leider sehr oft zum Nachteil dieser Person, wenn es z.B. um Kleidung oder andere Dinge geht. Hier sind wir wieder an dem Punkt angelangt, ob für einen behinderten Menschen - und vor allem für dessen eigenen Schutz - alle "Rechte" wirklich so positiv sind. Ähnlich wie bei der Integration, die auch für sehr viele SchülerInnen - spezielle im Alter von 10 - 12 Jahren - viel mehr Nach- als Vorteile hat. Man kann generell nicht alles für alle Menschen über einen Kamm scheren.