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Murau

"Notärzte und Freiwillige sind am Limit"

Die Zukunft des LKH Stolzalpe gilt als gesichert, nichtsdestotrotz ist die Gesundheitsversorgung im Bezirk Murau grenzwertig. Hinter den Kulissen brodelt es. Von Sarah Ruckhofer

Reduktion der Ambulanzzeiten auf der Stolzalpe © RUCKHOFER
 

Erst am Dienstag wurde im Landtag über das LKH Stolzalpe abgestimmt, einstimmig beschlossen die Parteien die Etablierung einer "Ortho-Rem-Abteilung". Warum diese dringend nötig ist, zeigt sich an der aktuellen Situation im Bezirk.

War es ursprünglich das Rote Kreuz, das Alarm schlug, melden sich nun auch LKH-Ärzte und Notärzte zu Wort – mit besorgniserregenden Details. "Der Notarztwagen ist im Schnitt drei bis vier Stunden im Einsatz. Wenn in dieser Zeit ein Familienvater einen Herzinfarkt erleidet, kann man sich vorstellen, was das bedeutet", erklärt Notarzt Gerd Ehrenfried, Stützpunktleiter der Notärzte im Bezirk. "Erst kürzlich hatte ich einen Nachtdienst, wo ich 600 Kilometer gefahren bin. Wir sind oft über eine Stunde von Murau entfernt, weil wir statt der Stolzalpe Krankenhäuser in Knittelfeld oder Friesach anfahren müssen."

Der Hintergrund: Wie berichtet sind seit 1. März die Öffnungszeiten der internen Stolzalpe-Ambulanz eingeschränkt, nach 19 Uhr und am Wochenende ist keine internistische Behandlung möglich.

Freiwillige springen ein

Die Zeiten, in denen der weitläufige Bezirk weitgehend unversorgt ist, steigen. Einspringen müssen "First Responder", Freiwillige, die für erste Hilfemaßnahmen geschult sind. "Aber sie haben keinerlei ärztliche Kompetenzen. Für die Ehrenamtlichen ist es eine wahnsinnige psychische Belastung – und es dauert immer länger, bis die Rettung kommt."

Die Lage dürfte sich verschlimmern: "Für jede Bauchsonographie, etwa nach einem Skiunfall, fahren wir jetzt 65 Kilometer nach Knittelfeld. Jeder Insektenstich am Nachmittag muss auswärts behandelt werden, weil die Ambulanz ja am Abend schließt", so Ehrenfried.

Oft werden Patienten von den überlasteten Krankenhäusern nach wenigen Stunden wieder heimgeschickt. Niedergelassene Ärzte bekommen somit Patienten zurück, die in schlechter Verfassung sind. Nicht selten wird bald wieder die Rettung verständigt, das "Spiel" beginnt von Neuem.

Dazu kommt: Viele Notärzte im Bezirk sind Assistenzärzte auf der Stolzalpe, die mittlerweile ein Fünftel ihrer Ausbildungszeit mit der Systemerhaltung im Bezirk verbringen. Ehrenfried sorgt sich auch um den Nachwuchs – mit der Ausbildungsreform dürfen nur noch gewisse Ärzte den Notarztdienst verrichten. "Für periphere Regionen sehe ich große Probleme."

"Heftige Gespräche"

Doch nicht nur die Notfallmediziner bekommen die Umstrukturierung zu spüren. Ein gut informierter Mitarbeiter der Stolzalpe wandte sich anonym an die Kleine Zeitung. "Jedem, der mit Medien spricht, droht die Kündigung, die Stimmung ist angespannt."

Erst vor Kurzem sollen Ärzte darüber informiert worden sein, wer die internistische Betreuung der teilweise frisch operierten orthopädischen Patienten auf der Stolzalpe außerhalb der Ambulanzzeiten übernehmen soll: die Orthopäden selbst. Und die stiegen auf die Barrikaden: "Es gab heftige Gespräche, mehrere Kollegen überlegen eine Kündigung", so der Insider. Denn: Viele Orthopäden sind zwar Experten auf ihrem Gebiet, mit der internistischen Versorgung von Patienten aber seit Jahren nicht mehr vertraut.

Walpurga Lick-Schiffer, ärztliche Direktorin der Stolzalpe, relativiert: "Es geht nur um eine erste ärztliche Einschätzung." Die neue Struktur sei von den Gesundheitsbehörden befristet bewilligt worden.
Entspannung dürfte erst die versprochene Einrichtung einer Abteilung zur Orthopädischen Remobilisation samt internistischer Versorgung bringen – mit der Umsetzung rechnen Insider aber nicht vor 2017.

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Danke für Ihr Verständnis.

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Interessenskonflikt Profit versus Soziales

Klar, dass alles soziale und die solidarische Gesundheitsversorgung für die Normalbürger in Konkurrenz zur Profitmaximierung der Reichsten der Reichen stehen. Letztere werden von den Regierenden bestens vertreten.

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Steinschlossblick
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Politik??

Wo bleibt da nur der Hausverstand?? Aber in Wahrheit sind wir alle daran Schuld!! Hätten wir uns nicht immer vor den Wahlen anlügen lassen hätten wir sie nicht gewählt!!!

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turbozombie
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lercher & khom

wie gewohnt ohne kommentar.
unsere beiden sogenannten "volksvertreter"
gehören mit dem nassen fetzen davongejagt!!!!

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Gewissenhafte
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Re: lercher & khom

Was sollten die zwei *Planlosen* noch sagen!!! Die gehören abgesetzt!

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Graf_tripps
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Vielen dank an die zukunftsorientierten bgms

Philips,gabor u strucker kaserne wollten murau,nur wollte murau diese firmen nicht!!
Danke an die kalchers,illitisch u wie sie alle geheissen haben die den wirtschaftlichen aufschwung muraus komplett verbockt haben... (Mit dem argument die luftqualität der stolzalpe zu schützen)

Keine firmen-keine zukunftsperspektive
Murau stirbt aus u das haben wir alles den herren der brauereihüter zu verdanken!!

Wieviele junge bleiben denn noch in diesem bezirk in dem es null aussicht suf gscheide arbeitsplätze gibt?

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argus13
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Probleme

gibt es überall bei der KAGes. In der letzten "Woche" freuen sich KAGes Vorstand und Gesundheits-LR Drexler über die Auszeichnung der steirischen Gesundheitsversorgung (Ärzte und Gesundheitsberufe)! Das sind diejenigen, die bisher kaum etwas dazu beigetragen haben und zukünftig das Gesundheitssystem zerschlagen werden! Man wünscht diesen Experten, dass sie auch einmal 17 Stunden auf eine lebensrettende OP großteils am Gang liegend warten müssen. Aber Politiker werden immer sofort behandelt!

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Graf_tripps
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Re: Probleme

Hot jo nur wenig damit zu tun..
Der hund is da in der vergsngenheit begraben..würde murau wirtschaftlich besser da stehen könnte man mehr druck auf die landesregierung ausüben..u murau hätte die chance eines wirtschaftlichen aufschwungs gehabt nur wurde dies vom alten kalcher gehörig verbockt...
Philips wollte ein werk in murau errichten (jetz flextronics in treibach)strucker kaserne,gabor
Wurden alle abgelehnt.

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1am
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Darum ja auch 3-Klassenmedizin!

1. Patienten mit Geld
2. Patienten mit "Beziehungen"
3. Patienten in der Holzklasse
Das ist schon seit Jahren so. Interessant wird das System aber nur für die, die eine Behandlung brauchen. Dann kommt es gewiss auf die Klasse an, in der man sich befindet. Den meisten ist es aber bis dahin Wurscht.

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lance
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"Wenn in dieser Zeit ein Familienvater einen Herzinfarkt erleidet, kann man sich vorstellen, was das bedeutet, erklärt Notarzt Gerd Ehrenfried" und bei jedem anderen Menschen ists nur halb so schlimm oder was?

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Oberwoelzer
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Die Medizinische Versorgung im Bezirk Murau spottet jeder Beschreibung,Frau Lick-Schiefer Direktorin der Stolzalpe relativiert "Es geht um eine erste ärztliche Einschätzung "Das hilft einen nächtlichen Herzinfarkt Patienten und dem Notarzt dem Roten Kreuz wenn sie bis 100 km ins nächste zuständige Krankenhaus fahren müssen. Und Muraus Parade Politiker Kohm ÖVP,und Lercher SPÖ schlafen den Schlaf des Gerechten in der Hoffnung wenn sie erkranken dann in Graz den da funktioniert die Ärztliche Versorgung.!!!!!!!!!!!!!!!!!

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Finsterling_77
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Blöd halt nur, dass die Medizin da nicht mehr so mitspielt... Eine "state of the art" Behandlung eines Herzinfarkts ist in der Steiermark nur an den kardiologischen Abteilungen in Bruck/Mur, Graz-Ost und Graz-West möglich. Eine moderne Schlaganfall Therapie ist ebenfalls nur an einer neurologischen Abteilung (wo schon die Diagnostik ein CT verlangt) möglich.

Schwer kranke/verletzte Patienten müssen aus den entlegenen Teilen der Steiermark (sei es jetzt Murau, Ausseerland, Mariazellerland,....) an ein teilweise weiter entferntes Krankenhaus gebracht werden um adäquat versorgt werden zu können. Das war schon immer so. Interne Abteilung auf der Stolzalpe hin oder her....

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sofi87
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Mutig

Ich finde es super, dass endlich mal die Lügen der Politiker hinterfragt werden. Besonders die Övp haut eine Jubelmeldung nach der anderen raus und will Probleme unter den Tisch kehren. Gratuliere den mutigen Ärzten die die Wahrheit sagen!!

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