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Sicherheit bei der Formel1Zwischen Drohnen, Terror und Unwettern

Die Vorbereitungen für die Formel 1 in Spielberg laufen auf Hochtouren. Für die Sicherheit der Besucher sorgen ausgeklügelte Einsatzkonzepte.

Ulrich Haselmann, Ulrike Buchacher und Harald Schnedl © Sarah Ruckhofer
 

Am Ende liegt die Verantwortung ganz bei ihr alleine: Im äußersten Notfall ist es Bezirkshauptfrau Ulrike Buchacher, die eine Entscheidung treffen muss. Und die kann bei einer Großveranstaltung wie der Formel 1 weitreichende Konsequenzen haben. Seit Jänner arbeiten die Mitarbeiter der Behörde mit Hochdruck an der Vorbereitung der Großveranstaltung, die von 29. Juni bis 1. Juli in Spielberg stattfindet. Der Zulauf dürfte heuer groß sein: Maximal 95.000 Besucher dürfen am Rennsonntag den Großen Preis von Österreich live verfolgen, erwartet werden um die 60.000 – und damit fast 20.000 mehr als im Vorjahr.

Unbemerkt vom internationalen Publikum werden im Hintergrund Sicherheitszenarien entworfen, erprobt, verfeinert. Die BH Murtal setzt bei Großveranstaltungen einen erweiterten Führungsstab ein, um schnell, effektiv und flexibel agieren zu können. Die Leiter aller wichtigen Referate, Sachverständige, Vertreter von Einsatzkräften und Veranstalter sind fast rund um die Uhr im Fliegerhorst Hinterstoisser im Einsatz. „Wir sind bewusst vom Kerngelände abgerückt, damit wir im Notfall ungestört reagieren können“, erklärt die Bezirkshauptfrau. Dutzende Male wurde allein die Kommunikationsweitergabe geübt – jedes noch so kleine Vorkommnis wird dem Führungsstab gemeldet, dort beurteilt und bewertet. Bis zum Abbruch des Rennens und der Evakuierung des Veranstaltungsortes ist alles möglich – eine riesige Verantwortung, menschlich wie ökonomisch.

"Hochkomplex"

„Ich bin wirklich froh, dass wir als Team entscheiden. Wir haben Sachverständige für alle möglichen Bereiche vor Ort, die Wahrscheinlichkeit, einen Fehler zu machen ist gering“, so Ulrich Haselmann, Leiter des Sicherheitsreferates. Zwar ist das Team nach vier Jahren Formel 1 routiniert, eine gewisse Anspannung aber bleibt: „Es ist definitiv keine typische Beamtentätigkeit, eher eine hochkomplexe Managementfunktion“, betont Buchacher.

Für jedes Szenario gibt es Sicherheitspläne, die Bandbreite ist groß: starker Hagel, eine plötzlich versperrte Straße, ein Unfall, eine anonyme Terrordrohung, eine drohende Massenpanik. Binnen Sekunden muss die richtige Entscheidung getroffen werden, um die Sicherheit der Besucher zu garantieren. Dazu tragen auch ausgeklügelte Sicherheitskonzepte bei: Schon Tage vor dem Großereignis überprüfen Sachverständige gemeinsam mit Harald Schnedl, Leiter des Anlagenreferates, das Veranstaltungsgelände: Sind die Beschilderungen in Ordnung, gibt es genügend Fluchtwege, entspricht das Gelände den Vorschriften? „Das Veranstaltungsgelände wird elektronisch überwacht. Wir wissen zu jedem Zeitpunkt genau, wie viele Menschen sich dort aufhalten“, so Schnedl.

 

Zum Einsatz kommt die neueste Technik

Ein Jahr durchgehende Planung liegt hinter dem Bezirkspolizeikommando Murtal. Zentral für das Gelingen des mehrtägigen Großeinsatzes bei der Formel 1 ist die Vernetzung mit anderen Akteuren, verrät Wolfgang Elsbacher, Leiter des Kriminalreferates. „Das Persönliche ist uns wichtig, die Kooperation mit anderen Einsatzorganisationen, der Behörde und dem Veranstalter.“ Trotz aller Erfahrung bleibt der Grand Prix eine „große Herausforderung“. Auch, weil sich die Technik rasend schnell entwickelt. So wird heuer am Red-Bull-Ring neueste Polizeieinsatztechnik in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Graz getestet. Darunter fallen sowohl taktische Konzepte als auch Videotechnik, Lageführung durch Bildübertragung, GPS-Ortung, Wärmebildkameras und Infrarothubschrauber. Erprobt unter „härtesten“ Bedingungen wird auch ein eigens entwickeltes Fahndungskonzept für KFZ-Diebstähle. So wird um Spielberg ein „Fahndungsring“ gezogen, um das Umfeld optimal überwachen zu können. „Zum Einsatz kommt bei der Formel 1 so ziemlich alles, was es an moderner Technik gibt“, bestätigt Bezirkspolizeikommandant Günther Perger. Weitere Schwerpunkte: Verkehr und Campingplätze.

Zum Einsatz kommen auch Betonleitwände zur Verhinderung von Terrorangriffen mit Fahrzeugen. Aber freilich: „Absolute Sicherheit kann es nicht geben“, hält Buchacher fest. Auch, weil sich die Anforderungen ständig verändern. So ist die Drohnenabwehr mittlerweile zentrales Thema, die Polizei kann in das Funksystem eingreifen und Drohnen zur Landung zwingen.

„Ich freue mich jetzt schon drauf, wenn wir in Zukunft den Grand Prix anschauen und nur genießen können“, schmunzelt Buchacher. Bis es soweit ist, stehen ihr und ihrem Team noch anstrengende Tage bevor.

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