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Steirer des Tages

"So eine Figur hat schon etwas Einengendes"

Christian Hölbling im Gespräch über den "Befreiungsschlag" von seiner Kunstfigur "Helfried", erste nackte Momente und das hart verdiente Brot als Kulturschaffender in Kärnten. Und Helfried darf auch nocheinmal zu Wort kommen. Interview: Nina Müller

Christian Hölbling - als Christian Hölbling © Nikolaj Orasche
 

Nach 15 Jahren Helfried spielen Sie gerade erstmals wieder als Christian Hölbling Kabarett. Fühlt man sich nackt, wenn man so eine Kunstfigur aufgibt?

HÖLBLING: Die ersten Male, als ich ohne Helfried-Kostüm auf die Bühne gegangen bin, habe ich mich wirklich nackt gefühlt. Das war einfach ungewohnt. So lange eine Rolle zu spielen, mit Anzug, Brille, Scheitel, Gehabe, verstellter Stimme – das prägt sehr.

Warum haben Sie Helfried dann in den Kleiderschrank gepackt?

HÖLBLING: Ich hatte einfach Geschichten zu erzählen, die ich als Helfried nicht erzählen konnte. Ich fühle ich mich jetzt sehr wohl mit meinem Programm. Es ist wie ein maßgeschneiderter Anzug, es passt einfach.

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War das auch ein Befreiungsschlag?

HÖLBLING: Natürlich. So eine skurrile Figur wie der Helfried hat durch ihre Persönlichkeitsstruktur auch etwas Einengendes. Ich kann mich jetzt auf ganz andere Art auf der Bühne ausleben.

Und was sagt Helfried dazu?

HÖLBLING (in Helfrieds schnarrender, oberlehrerhafter Stimme): Naja. Wenn du meinst, dass du ohne mich zurechtkommst. Dann bitte. Meinen Segen hast du.

Klingt ein bissl eingeschnappt!

HÖLBLING: Ist er vermutlich schon. Aber er wird das bewältigen.

Außerdem darf er ja nach wie vor auftreten, oder?

HÖLBLING: Ja, es gibt das Humorfestival Velden und andere Anlässe, wo ich ihn als Moderator hervorkrame. Er hat ein neues Format in den Kammerlichtspielen Klagenfurt. Dazu arbeite ich mit Günther Lainer an einem Film-Drehbuch: „Helfried Heiratet“.

Sie haben ja schon vor Helfried Kabarett gespielt – machen Sie da weiter, wo Sie aufgehört haben?

HÖLBLING: Ich hatte das Gefühl, den Faden aufzunehmen, den ich damals abgelegt habe. Nur jetzt verbunden mit 15 Jahren internationaler Erfahrung, die sind unbezahlbar. Ich stehe jetzt ganz anders auf der Bühne als damals.

Ihr neues Programm heißt „Ich kann auch anderst“ – mit „t“ hinten. Eine Anspielung auf Helfried?

HÖLBLING: Einerseits das, anderseits habe ich mir gedacht, eine kleine Irritation muss schon sein. Für mich hat das einen Charme, wenn Fehler erlaubt sind. Wir leben in einer so perfekten Welt.

Ihr Programm ist autobiografisch gefärbt – unter anderem geht es um einen Steirer in Kärnten. Wie geht es einem solchen denn?

HÖLBLING: Es war natürlich in der Haider-Ära viel krasser, als man als Nicht-Haiderianer schon geistige und kulturelle Existenzprobleme hatte. Jetzt ist ein Normalisierungsprozess eingetreten, aber die Mentalität ist anders.

Inwiefern?

HÖLBLING: In meinem Lied „Steirer in Völkermorkt“ (zu „Englishman in New York“, Anm.) gibt es die Zeile „An Kärnta wirst niemals na sogn hörn.“ Das scheint mir doch ein gewichtiger Mentalitätsunterschied zu sein. In Kärnten wird herumlaviert. Bevor dir einer absagt, meldet er sich gar nicht mehr, das erlebe ich oft.

Wie haben Sie das Land aus der Veranstalterperspektive erlebt?

HÖLBLING: In der Haider-Zeit habe ich viele, die sich nach etwas Kritischen sehnten, mit politischem Kabarett bedient, was ich sonst nie mache. Das war eine Frage meiner seelischen Gesundheit.

Und heute?

HÖLBLING: Das Humorfestival hat sich jetzt etabliert. Kärnten ist ein guter Boden für Humor, auch wenn Infrastruktur und Budgets fehlen. Als Kulturschaffender dort zu überleben, ist kein leichtes Brot, das funktioniert nur, wenn man umtriebig ist. Man muss selber etwas auf die Beine stellen.

INTERVIEW: NINA MÜLLER

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