Kapfenberg

Mit der Kraft der Gedanken

Der Mariazeller Gerhard Kleinhofer (36) ist seit zwei Jahren fast bewegungsunfähig. Jetzt macht er beim „Cybathlon“ in Zürich mit.

Gerhard Kleinhofer hat sich seit Beginn des Trainings von 200 auf 112 Sekunden enorm verbessert
Gerhard Kleinhofer hat sich seit Beginn des Trainings von 200 auf 112 Sekunden enorm verbessert © Franz Pototschnig
 

Der ehemaligen Mariazeller Naturbahnrodler und Sportdirektor des Nationalteams, Gerhard Kleinhofer, erlitt im Jänner 2014 einen schweren Schlaganfall. Seitdem kämpft er sich mithilfe seiner Familie und des NTK, des „Neurologischen Therapiezentrums Kapfenberg“, ins Leben zurück. Er lernte, den Kopf und seine Finger zu bewegen, kann seinen Rollstuhl steuern und auf einer speziellen Tastatur schreiben.

Kleinhofer ist ein Kämpfer, und als vor einem Jahr die TU Graz einen Kandidaten für den „Cybathlon“ in Zürich suchte, dachte Matthias König, der Primar des NTK Kapfenberg, sofort an ihn: „Er ist ein Wettkampfmensch und hat als ehemaliger Naturbahnrodler noch immer ein unglaubliches Bewegungsgefühl.“

Am Cybathlon in Zürich nehmen 74 Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen teil, Kleinhofer tritt als einziger Österreicher beim „Brain-Computer-Interface“ an, frei übersetzt „Gehirn-Computer-Schnittstelle“. Auf dem Bildschirm muss er mit der Kraft seiner Konzentration ein Männchen einen Hindernisparcours durchlaufen lassen. An seinem Kopf sind zahlreiche Elektroden angebracht, die die Spannung messen und auf dem Computer in Bewegung umsetzen. Verliert Kleinhofer die Konzentration, fällt das Männchen zurück oder ganz aus.

Reinmar Kobler von der TU Graz, die die technische Ausrüstung entwickelte, ist guter Dinge: „Gerhard ist schon fast doppelt so schnell wie zu Beginn des Trainings vor einigen Monaten.“

In weiterer Folge dient diese Technik dazu, Menschen mit schweren Einschränkungen zu mehr Selbstständigkeit zu verhelfen: Den Rollstuhl selber steuern, Küchengeräte bedienen oder mit der Familie kommunizieren – dies alles erleichtert das Leben der Betroffenen, aber auch von deren Familien. Deshalb unterstützt auch die VAMED, die in Österreich zwölf Rehab-Kliniken betreibt, dieses Projekt.
Kleinhofer selbst, der auch Vater eines vierjährigen Sohnes ist, fährt mit viel Optimismus in die Schweiz: Auf die Frage, ob er sich gegen die Kandidaten aus 24 Ländern durchsetzen wird, lacht er und nickt heftig.

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