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TrofaiachKritischer Blick auf die Lage der Milchbauern

Bernd Kaufmann, Milchbauer aus Trofaiach, befürchtet, dass neue Auflagen für die Viehhaltung Bauern die Existenz kosten könnten.

Bernd Kaufmann, Bio-Milchbauer aus Trofaiach © Andreas Schöberl-Negishi
 

Bernd Kaufmann, Vertreter der IG Milch aus Trofaiach, übt konkrete Kritik an gewissen neuen Vorschriften für Milchviehhaltung im Biobereich. „Die Laufstallpflicht wird für viele kleine Bauern ein Problem, vor allem im Berggebiet“, so Kaufmann. Er befürchtet, es könnten 40 bis 50 Prozent der Bauern durch diese neuen Vorschriften wegbrechen. „Abgesehen vom finanziellen Aspekt: Viele Bauern haben überhaupt keinen Platz, um einen Laufstall zu bauen“, weiß Kaufmann. Der von Unternehmen geforderte, ganzjährige Auslauf der Tiere sei eine schwierige Hürde für viele. Er selbst sei von dem Problem nicht betroffen: „Ich habe die Weiden direkt vor der Stalltür und brauche die Tiere zum Glück am Morgen einfach nur hinauslassen.“

Schwer zu erfüllen

Für mehr als die Hälfte der Betriebe sei die Auflage allerdings nur sehr schwer zu erfüllen. „Es werden den Milchbauern teilweise wirklich unnötige Auflagen aufgebürdet“ bemerkt Kaufmann.
Die heimische Milchwirtschaft bewege sich seit langer Zeit in eine komplett falsche Richtung, so Kaufmann. „Die Wirtschaft hat gelernt, dass außer Wachstum alles schlecht ist. Aber es gibt kein unendliches Wachstum – das zeigt die Natur klar auf“, betont Kaufmann. Was er sich wünsche, sei artgerechte Tierhaltung in jedem Bereich der Landwirtschaft und konkret in der Milchwirtschaft eine „ordentliche Mengenbegrenzung.“

Die Überproduktion werde von den Molkereien und den Landwirten selbst befeuert. „Auf den Handel kann ich nicht schimpfen, da wurde einiges in Sachen Qualität und Tierschutz getan. Das Problem produzieren oft die Bauern selbst – auch wenn das keiner gerne hört.“ Leider ziehe es sich wie ein roter Faden durch das System der Milchwirtschaft, dass alles günstiger werde, je größer ein Betrieb ist. „Für die kleinen Bauern ist alles teurer, von den Abholpauschalen bis zu diversen Kursen, die einem angeboten werden.“

Berechtigtes Interesse

Die Konsumenten hätten aus seiner Sicht ein berechtigtes Interesse daran, Produkte in guter Qualität zu bekommen: „Sie müssen sich auch davon ernähren und die Nahrungsmittel bezahlen“, so Kaufmann. Und es sei ohne Weiteres möglich, Milchprodukte in hoher Qualität herzustellen, ohne den Milchpreis für den Konsumenten zu erhöhen. „Es könnte immer etwas mehr sein. Aber es geht sich auch so aus“, ist sich Kaufmann sicher. Die Entscheidung vor mehr als 20 Jahren voll auf Biomilch zu setzen, bereue er keinesfalls. Im Gegenteil: „Wir hätten viel früher umsteigen sollen.“

Für eine Verbesserung

Oft werde er von verschiedenen Leuten gefragt, warum er sich so unermüdlich für die Verbesserung der Bedingungen der Milchbauern stark mache: „Ich werde gefragt: Warum tust du dir das an? Ich antworte darauf: Wenn sich niemand aufregen würde, hätten wir wahrscheinlich heute alle nur mehr Gentechnik in Österreich“, erzählt Kaufmann. Jeder einzelne habe es mit in der Hand, die Bedingungen zum Besseren zu wenden, ist er überzeugt. Es sei schwierig, aus dem System auszusteigen: „Aber so, wie Tiere und Bauern verbraucht werden, kann es nicht weitergehen“, ist sich Kaufmann sicher.

ZUR PERSON

Bernd Kaufmann (55) ist Milchbauer im Trofaiacher Ortsteil Gai.

Er übernahm den Hof vor mittlerweile 17 Jahren von seinem Vater.

Der Landwirt hat 16 Milchkühe und insgesamt 30 bis 35 Stück Vieh.

Sein Betrieb umfasst 24 Hektar Wiesen.

Seit 1995 erzeugt er nur mehr Biomilch.

Kaufmann ist Mitglied der IG Milch.

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