Das Lied "Sperrstund is" von Hans Moser klingt aus dem Lautsprecher der Eingangshalle des UKH Kalwang. Es ist Montag Vormittag und immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versammeln sich, um an der für zehn Uhr angesetzten Betriebsversammlung teilzunehmen. Viele in Arbeitskleidung. Karin Ehetreiber, Betriebsratsvorsitzende am UKH Kalwang, und Erik Lenz, Vorsitzender des Zentralbetriebsrates, sind ganz in Schwarz gekleidet, wie auch Erich Spindelegger von der Gewerkschaft für Privatangestellte.

"Sperrstund is", ist für uns nicht nur symbolisch gemeint, sondern ganz bewusst gewählt", sagt Ehetreiber und verweist auf die Pläne der Regierung 500 Millionen Euro bei der AUVA einzusparen. "Es heißt zwar von der Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein, dass keine Krankenhäuser geschlossen werden, aber die 500 Millionen, die eingespart werden sollen, müssen ja irgendwo herkommen", ist der Grundtenor.

Karin Ehetreiber, Betriebsratsvorsitzende am UKH Kalwang und Erik Lenz, Vorsitzender des AUVA-Zentralbetriebsrates
Karin Ehetreiber, Betriebsratsvorsitzende am UKH Kalwang und Erik Lenz, Vorsitzender des AUVA-Zentralbetriebsrates © Johanna Birnbaum

Das Datum, 13. August, wurde sehr bewusst gewählt, erklären die Verantwortlichen: "Wenn wir 40 Prozent weniger Geld zur Verfügung haben, und das sind 500 Millionen, dann müssten wir am 13. August aufhören zu arbeiten, weil dann kein Geld mehr für den Betrieb da wäre", brachte es Lenz auf den Punkt. Und er stellte die Frage in den Raum, wo denn das gespart werden solle. Die Verwaltung alleine mache pro Jahr 30 Millionen Euro aus. "Das kann sich ja nicht wirklich ausgehen, wenn man nur da einspart. Wo also dann?", erklärt er empört und ärgert sich auch darüber, dass die Leistungen der AUVA und ihrer Einrichtung so in Frage gestellt werden.

"Mit allen geeigneten Mitteln"

"Man muss teilweise Beleidigungen hinnehmen, und das, wo alle Beteiligten sehr gute Arbeit leisten, die von Tausenden Patientinnen und Patienten geschätzt werden", führt er weiter aus. Er warnte auch davor, aus der AUVA eine GmbH zu machen, denn damit würde auch bald der gesetzliche Auftrag, "Patienten mit allen geeigneten Mitteln wieder gesund zu machen", verschwinden.

Für weitere Maßnahmen wurde auch gleich abgestimmt
Für weitere Maßnahmen wurde auch gleich abgestimmt © Johanna Birnbaum

Spindelegger meint kopfschüttelnd, dass er überhaupt nicht verstehe, dass in Österreich immer "g'motschgert" werde, obwohl "wir eines der besten Sozial- und Gesundheitssysteme in Europa" hätten. "Wir diskutieren nicht über unseren guten Sozialstaat und die gute Gesundheitsversorgung, sondern wie schlecht es uns geht. Die Entlastung für Großunternehmen auf Kosten von Arbeitnehmerinnen und  - nehmern sei absolut nicht in Ordnung, meint er.

Bei Sonnenschein und Hitze stimmt dann ein Bläserquintett des Kalwanger Musikvereins Trauermusik an und begleitet damit das Hissen einer Trauerfahne vor dem UKH Kalwang."Symbolisch", wie betont wurde.

Betroffene Mitarbeiter

Betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen sich verunsichert, aber auch zornig, wie Isabella Gerold, Teamleiterin der Physiotherapie, erklärt: "Es ist einfach ein Wechselbad der Gefühle. Wir leisten alle sehr gute Arbeit,  und die Patienten sind zufrieden. Es geht ja auch um Existenzen. Auch, wenn es heißt, es gibt uns weiter, bleibt immer Unsicherheit, was als Nächstes kommt", bemerkt sie.

Isabella Gerold, Petra Buder und Elfriede Pichler (v. l.)
Isabella Gerold, Petra Buder und Elfriede Pichler (v. l.) © Johanna Birnbaum

Zustimmend nicken Petra Buder und Elfriede Pichler. "Man rechnet ja mit dem Einkommen. Hier, bei uns in Kalwang, gibt es ja auch Ehepaare, die im UKH arbeiten. Da gibt es schon großes Kopfzerbrechen, wie es weitergeht, wenn wirklich einmal Leistungen von hier wegkommen", sagen sie verunsichert.

Peter Biela und Melanie Kaufmann
Peter Biela und Melanie Kaufmann © Johanna Birnbaum

Peter Biela, stellvertretender Pflegedienstleiter, und Melanie Kaufmann, Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester, sehen die Diskussionen um die AUVA und eventuelle Schließung oder Leistungsreduzierungen als sehr belastend. Schließlich gehe es um Existenzen. "Einige sind hierher gezogen, um nahe dem Arbeitsplatz zu sein und haben sich ihr Leben hier eingerichtet", sagen sie. Auch Unfallchirurg Alexander Kolonja wundert sich über die Vorgehensweise und betont die ausgezeichneten fachlichen Kompetenzen im Kalwanger Unfallkrankenhaus.

Glückliche Patienten

Gerade diese ausgezeichneten fachlichen Kompetenzen werden auch bei der Protestaktion am Montag von zwei ehemaligen Patienten bestätigt. Eva Maria Lipp aus Leoben war nach einem schweren Skiunfall in Kalwang erfolgreich behandelt worden, wie sie erklärt. "Ich bin hereingekommen und hatte keine Angst mehr, weil ich wusste, dass hier alles so gemacht wird, dass es passt", sagt die ehemalige ÖVP-Landtagsabgeordnete.

Und Markus Dick, ebenfalls aus Leoben, wurde auf eigenen Wunsch nach einem schweren Forstunfall nach Kalwang gebracht, wo er mit schwersten Beckenverletzungen behandelt wurde. Nach Kalwang kam er ins AUVA-Rehabilitationszentrum Tobelbad und vier Monate nach seinem Unfall konnte er wieder arbeiten. "Ich hatte damals große Sorgen, meine Frau war gerade schwanger, und wir wussten nicht, wie es weitergeht", erzählt er in Kalwang.

Bei Sonnenschein und Hitze zeigten viele ihre Solidarität mit dem UKH Kalwang
Bei Sonnenschein und Hitze zeigten viele ihre Solidarität mit dem UKH Kalwang © Johanna Birnbaum

Alle Betroffenen sind sich aber auch darüber einig, dass man so nicht mit Menschen und Spitälern umgeht, die einen ausgezeichneten Ruf genießen. Das führt auch Oberarzt Siegfried Zöhrer, stellvertretender ärztlicher Leiter am UKH Kalwang, an: "Wir sind ein hochzertifiziertes Spital mit ausgezeichnetem Fachpersonal in allen Bereichen. Wir haben von der Ärztekammer genehmigte fünf Vollausbildungsstellen für das neue Fach ,Traumatologie-Orthopädie'. Es ist schlimm, immer wieder mit Gerüchten über Schließungen konfrontiert zu sein. Vor 114 Jahren wurde das Spital in Kalwang von einem Arbeitgeber für seine Arbeitnehmer gegründet. Das ist beispielhaft", merkt er am Schluss an, ehe er sich in einer langen symbolischen Warteschlange vom UKH-Eingang bis zur Bundesstraße einreiht.

Protestkundgebungen gab es Montag auch am UKH Graz und im Rehabilitationstzentrum Tobelbad. 

FPÖ-Landtagsabgeordneter und Bezirksparteiobmann Marco Triller nahm gleich nach Hartinger-Kleins Pressekonferenz zur Zukunft der AUVA Stellung: „Obwohl sich die Gesundheitsministerin stets zur Aufrechterhaltung des Standorts Kalwang bekannte, versuchten der schwarze Bürgermeister Mario Angerer sowie einige rote Lokal- und Landespolitiker, mit Falschmeldungen bewusst Ängste bei der Bevölkerung zu schüren. Es wird weder zu einer Reduktion des Leistungsangebotes noch zu Einsparungen beim medizinischen Personal kommen. Mit der Aufrechterhaltung des Spitalsstandortes Kalwang zeigt die Bundesministerin, dass sie sich für eine regional ausgewogene Gesundheitsversorgung einsetzt“, so Triller.