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Promi-Familien

Die Bünkers: Evangelische Institution als Familiencredo

Die Familie Bünker stellt seit 1876 evangelische Pfarrer, Dichter, Volkskundler und Pädagogen. Michael Bünker ist Bischof von 340.000 Protestanten in Österreich.

 

Sein Urgroßvater Karl, sein Großvater Otto, sein Großonkel Reinhard und sein Vater Otto waren evangelische Pfarrer in Kärnten. Welche Chance hatte eigentlich Bischof Michael Bünker, nicht Pfarrer zu werden? "Jede! Eigentlich wollte ich Mathematik studieren, irgendwie ist es dann doch Theologie geworden", sagt Bünker.

Seine Familiengeschichte lässt seinen Werdegang zum evangelischen Bischof aber fast als berechenbar erscheinen. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ sich der Schweizer Färbermeister Jakob Bünker in Seebach bei Seeboden nieder. Jakobs Sohn Karl war der erste Pfarrer der Familie Bünker, er wirkte von 1876 bis 1919 in Trebesing. "Der Bruder meines Urgroßvaters Karl ist Johann Reinhard Bünker. Er war evangelischer Lehrer in Ödenburg (Ungarn), machte sich als Volkskundler und Museumsgründer einen Namen", zitiert Bünker die Familienchronik.

Johann Reinhard Bünker zeichnete etwa die "Heanzischen" Sagen und Märchen für die Nachwelt auf. Die Bünker Straße in Spittal an der Drau ist nach ihm benannt. Karl Bünker heiratete eine fränkische Bauerntochter, deren Familie schon seit der Toleranzzeit evangelische Pfarrer stellte. Kein Wunder also, dass die Söhne des Paares, Otto und Reinhard Bünker, die Familientradition weiterführten. Otto Bünker I. wirkte von 1921 bis 1958 als evangelischer Pfarrer in Fresach. (Die Gemeinde richtet heuer die evangelische Landesausstellung "Glaub Würdig Bleiben" aus.) Reinhard Bünker führte die Pfarre Trebesing von 1921 bis 1961. Otto Bünker II. war am Ende seiner Berufslaufbahn ebenfalls Pfarrer von Trebesing (1974 bis 1983). "Das ist einzigartig in der evangelischen Tradition, dass eine Familie hintereinander drei Pfarrer in einer Gemeinde stellt und so 92 Jahre Seelsorge mittragen durfte", sagt Michael Bünker. Sein in Eisentratten geborener Vater Otto Bünker II. baute von 1954 bis 1974 die Evangelische Gemeinde Radenthein auf. Er ist als Liedtexter und Heimatdichter aus der Kärntner Volkskultur nicht wegzudenken. Er schrieb Sonette im Dialekt seiner Heimat, der Mirnock-Südseite. Lyrik, auch Liedtexte in der Tradition des Gemeindeliedes spielten eine große Rolle im Schaffen des Otto Bünker. "Vielleicht kommt die hohe Bereitschaft, sich mit dem Wort auseinanderzusetzen aus der Arbeit mit den Menschen, mit der Verkündigung des Wortes Gottes. Das Gespür für die Sprache bringt der Beruf des Pfarrers mit sich", denkt Michael Bünker über das Schaffen seines Vaters nach. Im Bad Kleinkirchheimer Lehrer Sepp Ortner fand Otto Bünker dann einen kongenialen Partner, der die Bünker-Texte vertonte. Otto Bünkers Sohn, Michael Bünker, ist durch die Familie geprägt. "Die Frauen und Kinder der Pfarrer bekommen das Gemeindeleben ja in Freude und Leid voll mit. Die Gastfreundschaft, der offene Geist, das offene Haus, alles prägt. Diese Tradition des Pfarrerseins wäre nicht ohne starke Ehefrauen der Pfarrer möglich gewesen", sagt Michael Bünker, der mit Irene, einer Religionslehrerin, verheiratet ist.

Auch Michael Bünkers Bruder Bernhard (1948-2010) war Heimatdichter und Religionslehrer. So viel Literatur und Religion in einer Familie, wie sieht es da beim Bischof ganz persönlich aus? Der übt sich in Bescheidenheit, hat gemeinsam mit Sepp Laggler aber das Evangelium ins Kärntnerische übersetzt. "Es wead ana kemmen" heißt der erste Band, "Umedum liachta Schein" wird der Titel des für heuer avisierten zweiten Bandes sein.

Michael Bünker ist seit 2008 evangelischer Bischof in Wien und damit höchster Repräsentant der Protestanten in Österreich. Aber Volksschulzeit in Radenthein und Gymnasium in Villach prägten den geborenen Leobener. "Ich war wenige Wochen alt, als mein Vater nach Radenthein berufen wurde, ich bin Kärntner", sagt Bünker über sich selbst. Im Leobengraben in den Nockbergen besitzt seine Familie eine Almhütte, ein Refugium.

"Meinen ersten Gottesdienst als Bischof habe ich in Trebesing gehalten. Einmal im Jahr, heuer ist es genau dieser Sonntag um 11 Uhr, feiern wir den evangelischen Almgottesdienst auf der Nockalm bei der Steigerhütte des Franz Leitner", ist Bünker emotional nach wie vor stark mit Kärnten verwurzelt.

Sein Onkel Karl Bünker war Leiter der Landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof in Lendorf, er lebt mit Ehefrau Hilde in Kärnten. Michael Bünkers Schwester Barbara lebt in Wien. "Unsere Tochter Magdalena (26) ist Buchhändlerin in Wien, Sohn Tobias (28) studiert Chemie in Dresden, Enkelsohn Benjamin ist vier", sagt Bischof Bünker.

Bünkers Credo ist es, nicht einen Rückgang der Evangelischen zu verwalten, sondern einer inhaltlich wachsenden, lebendigen und zeitgemäßen Kirche vorzustehen. Bünker lebt das vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen, die vor allem in den von Protestanten belebten Tälern für große Abwanderung sorgen.

Vier Bünker-Pfarrer haben ihm sein Credo vorgelebt, als Bischof setzt Michael Bünker das Werk seiner Ahnen im Glauben fort. Ist die evangelische Pfarrertradition der Familie Bünker angesichts der Berufswahl seiner Kinder zu Ende? "Nein! Nur unterbrochen", lacht und hofft Michael Bünker.

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