VereinheitlichungKrankenversicherung: Viele Leistungen jetzt für alle gleich

Viele Steirer und Kärntner profitieren von der Harmonisierung. Für die steirische GKK-Obfrau Verena Nussbaum ein wichtiger Schritt. Eine Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger befürwortet die SPÖ-Kandidatin für die Nationalratswahl nicht.

SPOe Wahlkampf 2017 Joerg Leichtfried mit Michael Ehmann (SP Graz, li) und Verena Nussbaum und  Karin Greiner (SpitzenkandidatInnen des Wahlkreises Graz und GU,)
© KK
 

Ab 1. Oktober werden viele Sozialversicherungsleistungen vereinheitlicht, ab 1. Jänner 2018 weitere – das fixierten gestern die Sozialversicherungsträger.

Beispiele:

  • Für Windeln gibt es künftig einen Zuschuss von 1328 Euro pro Jahr – bisher waren es in der Steiermark 747, in Kärnten 830 Euro.
  • Für Rollstühle gibt es künftig einen Zuschuss von 3320 Euro – bisher waren es in der Steiermark 747 Euro, in Kärnten 1162 Euro.
  • Für Kontaktlinsen gibt es ab 2018 einen Zuschuss von 1228 Euro, bisher waren es in der Steiermark und in Kärnten 498 Euro.
  • Für medizinisch notwendige Transporte gibt es künftig keinen Selbstbehalt mehr, für Zahnspangen und „unentbehrlichen Zahnersatz“ sowie kieferorthopädische Behandlungen geringere Selbstbehalte, für Perücken von Krebspatienten 1328 Euro statt bisher 747 (Steiermark) bzw. 830 Euro (Kärnten) etc.

Gleiches Geld für gleiche Leistung: Insgesamt kostet die jetzige Vereinheitlichung, die für viele Versicherte in der Steiermark und in Kärnten eine Verbesserung bedeutet, österreichweit rund 45 Millionen Euro. Leistungsbereiche, für die es vertraglicher oder gesetzlicher Änderungen bedarf, werden als Nächstes angegangen.

Für Verena Nussbaum, Obfrau der steirischen Gebietskrankenkasse, ist das ein wichtiger Schritt: „Es war nicht mehr erklärbar, warum ein steirischer Patient für die gleiche Leistung mehr zahlen muss als ein Patient in Wien.“

Nussbaum kandidiert für die SPÖ bei der Nationalratswahl. Wird sie im Parlament für die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträger eintreten? Eher nein: „1,74 Prozent der Einnahmen fließen bei uns in die Verwaltung, drei Prozent sind es im Schnitt bei den Sozialversicherungsträgern, 40 Prozent bei den Privaten. Der Vergleich macht uns sicher.“

Der Grund für die unterschiedlichen Kassen sei ja, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Kasse einzahlten und auf ihre Mitwirkungs- und Kontrollrechte nicht verzichten wollten. Diese Art der Verwaltung sei auch deshalb so günstig, weil die Funktionäre nicht angestellt seien sondern nur Sitzungsgelder in geringer Höhe beziehen. "Dabei hafte ich persönlich für einen Einnahmen- und Ausgabenrahmen im Umfang von 1,7 Milliarden Euro!"

Prozesse optimieren

Allerdings: Es gebe Verbesserungspotenzial: Prozesse optimieren, Aufgaben bündeln, effizienter werden. Man sei zum Beispiel schon länger dabei, bestimmte Aufgaben einzelnen Instituten zu übertragen, die diese Aufgaben dann zentral für alle Sozialversicherungsträger erledigten.

Mit den Gesundheitszentren in den Regionen würden neue Anlaufstellen für Patienten geschaffen, die die Spitalsambulanzen entlasteten und ärztliche Fachkompetenz bündelten. Und wichtig sei es auch, das Potenzial neuer digitaler Möglichkeiten in der Behandlung und Prävention zu erkennen und zu realisieren.

Die politische Mission der künftigen Nationalratsabgeordneten: „Die Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer beibehalten, keine neuen Selbstbehalte einführen, eine Zweiklassenmedizin verhindern.“ 

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