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Steirische ÖffisTarife steigen trotz Reform des Verkehrsverbunds

Steirischer Verkehrsverbund wird weitreichend umgebaut. Unangetastet bleibt davon die jährliche Tariferhöhung. Zum Ärger von KPÖ und Pendlerinitiative.

Bim
Tram in Graz © Juergen Fuchs
 

Wie gewohnt steigen mit 1. Juli die Tarife auf steirischen Bus-, Bahn- und Bim-Linien. Heuer macht die Erhöhung im Durchschnitt 3,6 Prozent aus. Die Jahreskarte (für eine Zone) wird beispielsweise um 18 Euro teurer. Der Stundenkartenpreis steigt um 10 Cent auf 2,40 Euro.

Diese unpopulären Tariferhöhungen abzustellen haben in der Vergangenheit einige versucht: in der SPÖ, der FPÖ und erst recht bei Grünen und KPÖ. Am Ende fehlten aber die Mehrheiten oder die Gelder, um mit allen Verkehrsunternehmen neue Vereinbarungen zu treffen.

Neue Verträge

Nun zwingen EU-rechtliche Vorgaben alle Seiten an den Verhandlungstisch: Die Verträge im Verkehrsverbund müssen bis Jahresende adaptiert werden. Diese Gelegenheit nutzen Land Steiermark, Stadt Graz und Bund, um den Verkehrsverbund Steiermark neu aufzustellen. Den "Fahrplan" dafür stellt SPÖ-Verkehrslandesrat Anton Lang am Donnerstag (17. 5.) in der Regierung vor.

Zu den Kartenpreisen heißt es im internen Akt jedoch, dass „die Verbundtarife weiterhin jährlich zum 1. Juli automatisch angepasst werden“. Die bestehenden Regelungen sollten „jedenfalls bis zum Auslaufen der Kooperationsverträge mit den Verkehrsunternehmen angewendet werden“.

Übersetzt: Den Verkehrsunternehmen ist es weiterhin gestattet, die Tarife um das (bis zu) 1,75-Fache des Verbraucherpreisindex anzuheben.

Protest der Pendler

"Die Ursache liegt in einer Kooperationsvereinbarung des Landes mit den Verkehrsunternehmungen aus dem Jahre 2004", weiß Pendlerobmann und AK-Vizepräsident Franz Gosch, warum "derart extreme" Tariferhöhungen überhaupt möglich sind. Er verlangt, diesen "Knebelungsvertrag zu Lasten des Landes und der Fahrgäste" zu kündigen.

Auch ÖGB-Vize-Landeschef Franz Haberl wettert: "Der gegenständliche Vertrag ist eine Teuerungsautomatik, die der Politik schon längst entglitten ist".

Für Werner Murgg (KPÖ) sind die Tarife ein "Schlag ins Gesicht der Bus- und Bahnkunden". Denn seit "Jahren wurde ein Abrücken von dieser Regelung in Aussicht gestellt, davon ist nun keine Rede mehr". Zuletzt machte die KPÖ dagegen im Landtag mobil - ohne Erfolg.

Hintergrund

Zu den Partnern des Verkehrsverbundes zählen ja nicht allein Platzhirsche wie die Mürztaler Verkehrsgesellschaft. Da wäre es wohl gelungen, die übliche Tariferhöhung durch zusätzliche Förderungen abzufedern.

Doch Holding Graz und erst recht die ÖBB sind andere Kaliber. Da Zahlungsmodalitäten umzustellen, ist weitaus komplexer und/oder teurer. Weshalb die Steirer am bestehenden Tarifplan festhalten. Tenor: "Wir investieren zuerst in Ausbau und in weitere Attraktivierung." Schwerpunkt: der Regionalbusverkehr.

Strukturreform

Organisatorisch ändert sich unterdessen vieles, sowohl bei Zuständigkeiten, als auch bei Finanzströmen. "Mit der großen Strukturreform passen wir den Verkehrsverbund rechtzeitig an die neuen europarechtlichen Vorgaben an", erläutert Lang.

Details: In Raum Graz wird die Holding Graz künftig alleine den Personennahverkehr bestellen. Die Förderungen fließen hingegen direkt an Graz, auch solche für Stadt-Umland-Verbindungen.

Beim Eisenbahnverkehr hängt sich das Land an Bestellungen des Bundes an. Diese zehnjährigen (!) Verträge sind eine besondere Herausforderung, werden sich mit Freigabe der Koralmstrecke doch die Zugfahrpläne massiv ändern.

Den Regionalverkehr wickelt ab 2019 eine aufgewertete Verbundgesellschaft ab. Sie wird eine Art Behörde. Ein Ziel: Der Regionalbus soll "auf die gleiche Qualitätsstufe wie S-Bahn und RegioBahn Steiermark gestellt werden". Der Abendverkehr im Bushauptnetz würde ebenso ausgebaut. 

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