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Strukturreform

Die neuen Namen schallen über den großen Teich

Oberarchivrat Obersteiner wachte über die neuen Namen der Fusionsgemeinden. Sogar die Vereinten Nationen wurden eingeweiht. Die Wahl der neuen Wappen steht aber erst bevor. Von Thomas Rossacher

Gernot Obersteiner, Geschäftsführer der Ortsnamenkommission
Die Details der Fusionen halten Gernot Obersteiner auf Trab – und bei Laune © Eder
 

Dicke Mauern, ein Ganggewirr und akademische Stille – das Landesarchiv. Dort wirkt der Flachbildschirm zwischen all den Karten, Büchern und dem alten Mobiliar wie ein Fremdkörper im Büro von Gernot Obersteiner. Dieser ist Geschäftsführer der Ortsnamenkommission und infolge der Fusionen ein gefragter Mann. Bis zu den Vereinten Nationen zieht die Reform Kreise.

Einen Vorgeschmack darauf haben die Bezirkszusammenlegungen geliefert: Vom Murtal bis zum Vulkanland(-Vorschlag) war die Meinung der Fachleute im Landesarchiv gefragt. „Murtal ist streng genommen nicht richtig“, erinnert Obersteiner daran, dass das eigentliche Murtal größer als die beiden zusammengelegten Bezirke ist.

Für die Gemeindefusionen „haben wir uns dann rechtzeitig zusammengesetzt, um Fehler zu vermeiden“, blickt der Oberarchivrat zurück. Oder wie es ein befreundeter Landesjurist formuliert hat: „Wenn wir Urlaubssperre haben, dann ihr auch.“

Leider zahnlos

Schnell war klar: Die steirische Gemeindeordnung ist für so eine Reform nicht ausgerichtet, ist zahnlos. So könnte die Landesregierung nur einschreiten, wenn „der neue Name mit dem Namen einer anderen Gemeinde oder Ortschaft im Bundesgebiet gleichlautend oder diesem verwechselnd ähnlich ist“. Ein neues Regelwerk musste her, Deutschland diente als Vorbild. Resultat: Dreier-Namen wurden abgelehnt, Begriffe wie „Region“ außerdem und Kunstnamen ohnehin. Tenor: „Der Name soll nachhaltig, nicht zeitgeistig sein.“

„Wir dürfen uns fachlich nicht blamieren“, betont Obersteiner und schildert, welche Kreise die neuen Namen ziehen: von der „Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde“ in Wien, dann zum „Ständigen Ausschuss für geographische Namen“ (Frankfurt) und letzten Endes nach New York zur „United Nations Group of Experts on Geographical Names“. Den Fachleuten dort teilten die Steirer mit: „Double names were accepted as rare exceptions, but triple names were not accepted at all.“

Freilich sind auch der Kommission Grenzen gesetzt – siehe Feistritztal. Der Wunsch, ein „h“ ins „Tal“ zu bugsieren, weil „ja nicht das gesamte Feistritztal zu dieser Gemeinde gehört“, blieb unerfüllt. Nicht nach Plan lief es ebenso, als die Verantwortlichen in Mitterdorf, Veitsch und Wartberg auf keinen gemeinsamen Nenner kamen – und das Land aus den Vorschlägen am Ende „St. Barbara im Mürztal“ bestimmte. Daraus lässt sich zwar eine örtliche Bergbauvergangenheit herauslesen. Es kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass „dies kein Siedlungsname war“, merkt man im Landesarchiv streng an.

385 Wappen erlöschen

Dabei steht ein Kraftakt noch bevor und wird die heraldischen Begutachter des Landes strapazieren. Denn sobald die 130 neuen Kommunen amtlich sind, „erlöschen die Gemeindewappen aller von der Reform betroffenen Gemeinden“, weiß Obersteiner.

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Vorläufig können die neuen Kommunen nur ein wappenloses Gemeindesiegel führen, um Rechtsgeschäfte zu beglaubigen. Erst der neu zusammengesetzte Gemeinderat kann (nach den Wahlen am 22. März) erneut ein Gemeindewappen bei der Landesregierung beantragen. Dieses Wappen könnte wie das alte der Gemeinde aussehen. Oder es wird als Ortsteilwappen geführt. Der Experte würde in solchen Fällen ein Emblem bevorzugen: „Rechteckig ohne Rundung, damit keine Verwechslungsgefahr besteht.“ Denkbar ist außerdem, dass eine neue Gemeinde auf das Wappen verzichtet. In der Steiermark besteht kein Zwang – anders als etwa in Vorarlberg.

Aus Erfahrung weiß man im Landesarchiv jedoch, dass die Steirer nicht gerne auf ihre Wappen verzichten. Neue Wappen, eventuell aus den Elementen von ehemaligen, seien gefragt.

Dann ist die Heraldik, die Lehre von den Wappen, zu bemühen, damit es nicht wie dereinst zu Unschärfen kommt. So vieles ist zu beachten: „Der Wappenschild soll nicht mit Figuren überladen sein.“ Auch Metall an Metall geht gar nicht, Gold und Silber ebenso wenig, das zeigt ja das päpstliche Wappen. Und als Grundfarben sind Rot, Blau, Grün und Schwarz vorgesehen. Es darf nur Farbe auf Metall (und umgekehrt) zu liegen kommen. Nicht zu vergessen: „Das farbeneutrale Pelzwerk, Kürsch oder Hermelin.“

Kein „Sauschädel“ mehr

Ist das einmal geklärt, dann geht es an die Details: Das kann dauern, neun Jahre sollten es im Fall von St. Andrä im Sausal und Höch in der Südsteiermark sein. Am Ende musste der Eberkopf im Wappen von St. Andrä – man sagt, er hätte deftige Anspielungen Marke „Sauschädel“ provoziert – weichen. Die Weintraube erhielt den Vorzug – nachzulesen in „Miniaturen zur steirischen Landesgeschichte und Archivwissenschaft“ (herausgegeben von Josef Riegler).

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  • Kommentare (2)

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    woaheit
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    Hr. Obersteiner !

    Der Name St. Barbara im Mürztal war wohl der dämlichste , welcher ihnen eingefallen ist.
    Er ist die Lachnummer im ganzen Mürztal

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    Unfug12
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    Die Bürger sind die Verlierer

    Die Zeche der Gemeindereform zahlen eindeutig die Bürger. Durch die Zusammenlegungen werden die Wege der Bürger zu ihrer neuen Gemeinde länger, das ergibt höhere Benzinkosten. Auch müssen eventuell eigene Bauämter geschaffen werden, die Termine für Bauverhandlungen werden immer weiter in die Ferne geschoben. Ein neues Wappenschild ist wohl das geringste Übel.

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