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Volkskulturfest in Graz

"Aufsteirern" lockte rund 75.000 Besucher an

75.000 Besucher stürmten trotz Regenprognose zum Aufsteirern nach Graz und verwandelten die Innenstadt in ein Trachtenmeer. Der Lohn: Die Niederschläge hielten sich zurück.

© Fuchs/Hassler/Hoffmann
 

Zwar preist so manch eine Bauernregel den Septemberregen als Segen an, die Schauer der letzten Tage waren aber dennoch etwas zu viel. Beim 13. Aufsteirern in der Grazer Innenstadt, präsentiert von der Kleinen Zeitung, bangte mancher am Sonntagvormittag an den Ständen gar um das Fest. Stadtpfarrprobst Christian Leibnitz versprach daher, dass er "bei Petrus ein gutes Wort einlegen wird, um das Fest möglichst trocken über die Bühne gehen zu lassen“. Und tatsächlich: Gegen Ende des Aufsteirern-Gottesdienstes in der Stadtpfarrkirche war es mit dem gröbsten Niederschlag vorbei.

Accessoire Regenschirm

"Leider hat der Regen der letzten Tage ja auch viel Schaden angerichtet“, wissen etwa Sarah Hackl, Sophie Hirner, Elisabeth Kienreich und Eva Hofer aus dem Bekanntenkreis. Das Aufsteirern möchten sie dennoch nicht missen: "Diesmal aber nur mit Regenschirm. Der ist heuer das wichtigste Accessoire.“ Gemeinsam reimten die vier Freundinnen ganz spontan auch eine persönliche "Bauernregel“ zum Tag: "Trotz dass Küh' und Schweine untergeh'n, zelebrieren wir die Volkskultur im Reg'n.“

"Das hält uns z'samm"

Ganz im Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Hochwassers stand der Empfang von Landeshauptmann-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer im Innenhof der Grazer Wechselseitigen. Im Hinblick auf das florierende Vereinswesen im Land - das beim Aufsteirern ja auch im Mittelpunkt steht - meinte LH Franz Voves, der sich am Vormittag selbst ein Bild von der Lage gemacht hatte: "Diese Gemeinschaft brauchen wir, die hält uns z'samm." Und Minister Gerald Klug sagte mit einem Nicken die Hilfe des Bundesheers zu.

Im Sinne des Zusammenhalts stießen viele Promis auf den "Ausdruck unserer Lebensart" (Zitat Schützenhöfer) an: ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka, Landtagspräsident Franz Majcen, Nationalratsabgeordnete Beatrix Karl, TS-Klubobfrau Kathrin Nachbaur, Promitänzer Willi Gabalier, Sängerin Zabine, Grawe-Generaldirektor Othmar Ederer und Ehrenpräsident Franz Harnoncourt-Unverzagt, Mister Austria Philipp Knefz, Sturm-Präsident Christian Jauk, Caritas-Landespräsident Franz Küberl, Styria-Vorstand Klaus Schweighofer, Kleine-Chefredakteur Hubert Patterer und Haubenkoch Gerhard Fuchs, der trotz Doppelbelastung (Kochbuch, neues Gasthaus) aus Ehrenhausen anreiste.

Verregnet war trotz der schlechten Vorhersage nur die Eröffnung. Da fiel sogar der Bieranstich, den der für seinen Hammerschlag gefürchtete Bürgermeister Siegfried Nagl durchführte, trockener aus. Unter Assistenz von Landesrat Christopher Drexler, Ex-Skistar Hans Knauß und Brauunion-Verkaufsdirektor Gerald Paunger war das Fass in Rekordzeit angestochen.

Die Landwirtschaftskammer lud, ganz im Zeichen des Russland-Embargos, zum Apfelkrapfen-Wettbacken. Mit überraschendem Ausgang: Trotz erschwerter Bedingungen für Männer - wie dem ungewohnten Nudelwalker ("Der ist eigentlich den Frauen vorbehalten", scherzte Johann Seitinger) und Schürzen mit dem Aufdruck "Die Bäuerinnen" - setzten sich Agrarlandesrat und Bürgermeister gegen so manche Backfachfrau durch.

Einen großen Auftritt legte auch Bob-Olympiasieger Harry Winkler hin: Mit seinem 15er-Steyr-Traktor (Eckdaten: "15 PS, 15 km/h, Baujahr 1954") fuhr er nicht nur als Präsident des karitativ tätigen Oldtimer-Clubs Stattegg vor und sorgte für Aufsehen. Sein Kennzeichen? "G Bob 1".

Von den meisten unbemerkt schauten später übrigens noch zwei große Söhne der Steiermark vorbei: Johann Lafer folgte einer Einladung von Mothwurf und verzichtete nach dem Finanz-Eklat um ihn gerne auf Aufsehen. Und Andreas Gabalier ging privat, abseits vom großen Trubel, am Abend mit seinen Kumpels auf ein Getränk.

Abseits vom Regen war das Aufsteirern heuer besonders multikulturell. Reisegruppen aus Asien drängten genauso durch die Innenstadt wie die Grazer Karl-Franzens-Universität mit einer Delegation von Erasmus-Studenten: "Nirgendwo sonst können wir die Steiermark in all ihren Facetten so einzigartig präsentieren“, so die Organisatoren. Und dann war da noch Aisha aus Simbabwe, die ganz alleine durch das Getümmel wuselte – in einer afrikanischen Tracht, und das, quasi passend zur weiß-grünen Mark, ganz in Grün gehalten: "Ich mag es, die steirische Kultur auf diese Art und Weise kennenzulernen. Ich lebe ja schon länger hier und finde dieses Volksfest einfach gigantisch“, sagt sie. Aber nun muss sie weiter – auf den Tummelplatz, die Schuhplattler stehen fix auf ihrem Plan.

Blick Richtung Himmel

Einen fixen Programmpunkt gab es indes auch für die kleinsten Aufsteirern-Besucher, die im Lesliehof einen eigenen Bereich bespielten – mit jugendlichen Volkstanzgruppen oder dem Flechten von Blumenkränzen. Abseits davon strömten rund 75.000 Gäste ins Zentrum der Landeshauptstadt, vorbei an Ständen voller Kernöl oder Wein, vorbei an Korbflechtern, Holzschuhmachern oder Trachtendesignern. Alles in allem also Volkskultur vom Feinsten: Sänger, Musikanten, Tänzer – das ist Aufsteirern! Diese Vielfalt ist es auch, auf die Hildegard Semlitsch aus Fürstenfeld "wirklich abfahrt!“. Sie bleibt nach dem Aufsteirern bei Freunden in Graz: "Weil es jedes Jahr lange dauert.“ Passend dazu hat auch sie eine persönliche Regel parat: "Ein echter Steirer geht nicht unter, er feiert weiter, frisch und munter!“

Mittendrin durfte stets eines nicht fehlen: der Blick in Richtung Himmel! Hält das Wetter? Den ganzen Nachmittag hat Petrus den Wunsch der Steirer erhört. Hans Müller jedenfalls wäre auch ein weiterer Regenguss egal gewesen: "Ich bin gebürtiger Steirer, lebe aber in Stuttgart. Ich komme jedes Jahr wegen der tollen Stimmung hierher. Regen hält mich nicht ab.“ Ein paar Meter weiter zitiert Ilse Braun aus Haus im Ennstal eine Bauernregel: "Nach Septembergewittern wird man im Winter vor Kälte zittern. Ich hoffe nicht, dass das stimmt. Einen allzu strengen Winter will ich nach diesem kühlen Sommer nämlich nicht.“

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