Es ist nicht das erste Mal, dass es sich zwischen der Holding Graz Freizeit und der Grätzlinitiative Margaretenbad spießt. Letztere hat sich im Zug der Rettung des Geidorfer Bades im Jahr 2007 zusammengefunden und macht heute mit einem vielfältigen Programm Stadtteilarbeit im Viertel. Mit der Forderung, die Öffnungszeiten des Freibads flexibler zu halten und das Gelände auch in der kalten Jahreszeit für Freizeitaktivitäten zu öffnen, steht der Verein rund um Obfrau Claudia Beiser seit Jahren regelmäßig (vergeblich) bei der Holding Graz auf der Matte.

Sechs Monate geschlossen

Nun sorgt - wieder einmal - das Lokal beim Bad für schlechte Stimmung. Dort versorgen sich nicht nur die Sonnenanbeter im Sommer. Es hat das ganze Jahr geöffnet. Oder, besser gesagt, hatte: Nach jahrelangem Leerstand und wechselnden Pächtern ist aktuell die Pizzeria-Kette David  im Eingangsgebäude des Margaretenbades eingemietet. "Mit Einverständnis der Holding wurde der Betrieb mit November für sechs Monate geschlossen. Das Restaurant bleibt für ein halbes Jahr zu, für Anrainer und Anrainerinnen gibt es in der näheren Umgebung keine Alternative", kritisiert Beiser.

Nicht wirtschaftlich

"Der Standort ist im Sommer gut, aber der Ganzjahresbetrieb ist dort schwierig", so Holding-Graz-Sprecher Gerald Zaczek-Pichler. Nachdem die Energiekrise und die wenig aussichtsreiche Suche nach Personal die Situation für den Pächter noch schwieriger machen, sei  man ihm mit dieser Lösung entgegen gekommen. Aufgesperrt werden soll tatsächlich erst wieder im Mai.

Kritik am Angebot

Bei der Grätzlinitiative sieht man das anders: Nicht der Standort sei schuld am mangelnden Geschäft in den Wintermonaten, sondern das Angebot. "Der Betreiber hat eine Cocktailbar eingerichtet, die hier einfach nicht geht, aber nie ein regelmäßiges Menü oder Kaffee und Kuchen angeboten. Bei Anrainern und den Beschäftigen der Ämter in der Körblergasse könnte man damit punkten", ist sich Beiser sicher. Bei der Auswahl eines Pächters, der den Ganzjahresbetrieb erfolgreich stemmen kann, sieht der Verein die Holding Graz in der Pflicht.

Sanierung geplant

Langfristig sorgt sich die Grätzlinitiative gar um den Bestand der gesamten Freizeiteinrichtung. "Es ist klar, dass das USI (Anmerkung: Universitätssportinstitut) in den nächsten Jahren ausziehen wird. Das Eingangsgebäude ist jetzt schon marod. Je weniger der Betrieb insgesamt abwirft, desto größer ist die Chance, dass der Standort in Zukunft wieder in Frage gestellt werden könnte", befürchtet Beiser. Was den Zustand des Bades betrifft, gibt es allerdings positive Nachrichten. Nachdem zuletzt drei Millionen Euro in die Sanierung des Augarten- und Stukitzbades geflossen sind, sind für das kommende Jahr Modernisierungen im Margaretenbad geplant. "Die Umkleiden und die Duschen sollen saniert werden", erläutert Zaczek-Pichler die Pläne. Aktuell wird gerade der Vorplatz zum Bad umgestaltet - ein Projekt, das auf Initiative der Grätzlinitiative mit einem Teil des Grazer Bürgerbudgets umgesetzt wird.