Schon die trockenen Fakten machen einiges her: 750 Gäste an 250 Tischen, die insgesamt eine Länge von 350 Meter ausmachen - mitten auf dem Grazer Hauptplatz. Doch so richtig imposant wird das Schauspiel in echt, wenn Kellnerinnen und Kellner mit 1200 Flaschen Wein über den roten Teppich wuseln. Mit 1500 Flaschen Mineralwasser. Und mit Gerichten aus 250 Kilogramm Kalbfleisch und 300 Kilogramm Saibling.

Ja, nach zweijähriger Coronapause fand sie am Samstag (20. August) wieder statt - die "Lange Tafel der Genusshauptstadt". Mit Blick auf das Rathaus und den Uhrturm greifen Gäste aus der Steiermark, aus Österreich und der ganzen Welt zu. "Die weiteste Anreise hatten in der Vergangenheit Gäste aus Neuseeland bzw. Hong Kong", wissen Waltraud Hutter und Dieter Hardt-Stremayr, die im Namen von Graz-Tourismus dieses Event organisieren - und somit gschmackige Werbung für die steirische Landeshauptstadt machen.

2020 und 2021 musst die Tafel abgesagt werden: Corona machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung, umso höher waren die Erwartungen an den heutigen Abend.

Waltraud Hutter und Dieter Hardt-Stremayr haben die lange Tafel organisiert
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Vorspeise: Wettersorgen

Doch lange währte die Unsicherheit, ob das Groß-Event überhaupt wie geplant über die Bühne gehen kann: Die Wetter-Prognosen diverser Apps sagten für den Nachmittag Regen voraus. Die Tafel am Hauptplatz findet aber nur bei Schönwetter statt. Dementsprechend hoch die Spannung bei den Organisatoren: "Ich hatte schon ruhigere Stunden", verrät Hardt-Stremayr.

Bei Regen haben die Organisatoren einen Plan B: Mit der Tafel in den Stefaniensaal im Grazer Congress ausweichen. Das Problem: Dort haben nur 250 der 750 Gäste Platz. Also Kampf um die begehrten Plätzen? "Nein, das ist schon im Voraus fixiert, wer dort einen Platz bekommen würde", beruhigt Hardt-Stremayr. Und wer sind die glücklichen? "Diejenigen, die eine lange Anreise hatten und ein Hotel-Packet gebucht haben, der Rest bekommt einen Gutschein für unsere Partnerbetriebe." 

Und tatsächlich deutete lange alles auf Regen hin. Um 16 Uhr wurden die ersten Gäste in den Landhaushof zu Aperitif und Fingerfood eingelassen, eine Dreiviertelstunde später fegte eine Windböe dutzende Gläser von den Stehtischen. 

Ein Windstoss - und schon fliegen die Gläser
© Philipp Axmann

Glück mit dem Wetter - ein gelungener Abend

Nachdem sich die Prognosen überraschend verbesserten herrschte beim ganzen Personal Optimismus, weiter erhöht wurde die Stimmung durch die musikalische Untermalung von der "Steirischen Streich", der "Clock Tower Dixie Band" und einem Ensemble des Musikvereins der Graz Linien.

Nun konnten sich die Gäste also der Kulinarik widmen - und das lohnt sich, wie Waltraud Hutter erzählt: "Wir haben internationale Küche, aber alle Produkte aus der Steiermark!" Ein Beispiel: steirische Garnelen. Für sie ist klar: "Die lange Tafel soll auch eine Präsentation der Steiermark und der Grazer Gastro sein." 

Auch für das Personal ist es eine ganz besondere Veranstaltung: "Viele wollen hier einfach einmal dabei gewesen sein", weiß Hardt-Stremayr. Einer von ihnen: Alexander Robin, der schon einige Mal bei der "Langen Tafel" dabei war und heute gemeinsam mit Marcel Eferl vom Landhauskeller die Verantwortung für das Finger Food hatte.

Marcel Eferl und Alexander Robin: Heute für Finger Food verantwortlich
© Philipp Axmann

Hohensinner: "Wichtig für den Tourismus"

ÖVP-Tourismus-Stadtrat Kurt Hohensinner eröffnete den Abend und betonte: "Die Lange Tafel ist für den Grazer Tourismus wichtig, sie bringt uns 500 Nächtigungen." Durch den Abend führte Reinhart Grundner - zu Beginn forderte er zum Applaus für das Service-Personal auf. Musikalisch eröffnet wurde passenderweise mit der steiermärkischen Landeshymne.

Pünktlich um 18 Uhr zogen die Gäste unter Anführung der "Steirischen Streich" vom Landhaushof zum Hauptplatz, wo um 18.30 Uhr der erste Hauptgang serviert wurde. Es folgten gemütliche und kulinarisch niveauvolle Stunden vor dem Grazer Rathaus. Von einem Regentropfen wurden die Gäste den ganzen Abend über nicht genervt. Ein Umstand, der den meisten Käufern der 150-Euro-Tickets gefallen haben dürfte.