GrazAutofreie Innenstadt: "Ja, die Zeit ist jetzt reif dafür"

Nimmt die Verkehrswende in Graz Fahrt auf? Das sagen Experten und Lobbyisten für sanfte Mobilität zu den Plänen für die autofreie Altstadt.

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Die baumbestandene Kaiserfeldgasse soll Teil der erweiterten Fußgängerzone werden
Die baumbestandene Kaiserfeldgasse soll Teil der erweiterten Fußgängerzone werden © Gerald Winter-Pölsler
 

Von einer „neuen Ära“ war in der Kleinen Zeitung zu lesen, als im November 1972 bis dahin Unvorstellbares geschah: Autos blieb die Durchfahrt durch die Herrengasse verwehrt. Erich Edegger schuf in den 1980er und frühen 90er Jahren nicht nur ein Konzept für eine fußgängerfreundliche Stadt mit dem Titel „Platz für Menschen“, sondern Tatsachen. Das Franziskanerviertel wurde ebenso autofrei wie der Glockenspielplatz oder die Hofgasse. Was in den Jahrzehnten danach folgte: Zögerliche Schritte in Richtung Verkehrswende. Ein großer Wurf wie Tempo 30 auf allen Nebenstraßen, das 1991 in Graz eingeführt wurde? Lange nicht in Sicht.

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LaoQui
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Park&Ride ist auch nicht sehr klug, außer

diese Plätze werden dort gebaut, wo die Pendler in Zug oder Bus umsteigen können, also draußen im "Land". Kombi-Tickets sind dabei auch eine Lösung. Wieso sollte die Stadt Graz das Parken für Pendler allein finanzieren? Die Grazer müssen ja auch zunehmend auf ihr Auto verzichten, sogar in ihren Wohnvierteln dafür Gebühren entrichten. Das Auto ist in der Stadt sicher das unwirtschaftlichste Fortbewegungsmittel ist. Es ist längst erkannt worden, dass ein fast den ganzen Tag wertvollen Stadtraum stehlendes Auto nicht mehr zeitgemäß ist. Öffentlichen Grund gratis zu verparken, kann nicht mehr akzeptiert werden. Aber auch in Innenstadt-Nähe haben P&R nichts verlofen. So wäre auch der geplante Parkplatz in der Weinzöttlstraße bei der Andritzer Maut kontraproduktiv. Ich kann alle verstehen, die begleitende Maßnahmen verlangen, aber: nur an die Vernunft zu appellieren, bringt nichts. Die Stadtpolitik - als eigentlicher "Stadtherr" - muss den Stadtraum im Interesse ihrer Bewohner neu verteilen. Nicht leicht, aber der Wille ist jetzt da, und das freut mich sehr.

Ragnar Lodbrok
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Viel wichtiger wäre es die etwa 110.000

Pendlerautos die jeden Tag die Stadt verpesten, am Stadtrand abzufangen! 110.000 in der Früh rein, 110.000 am Abend wieder raus. Ein ökologischer Wahnsinn! Entweder.man baut Parkhäuser am Stadtrand und baut die Öffis massiv aus - oder man hebt eine Citymaut ein, die so hoch sein muss, daß es sich jeder 2x überlegt. Alle wollen im Grünen wohnen, weil die Luft dort sooo gut ist. Und dann fahrt jeder mit seinem Auto alleine in die Stadt zum Arbeiten. - Das muss die Politik abstellen!

bond007
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Parkplätze für Autos

Dann MÜSSEN aber trotzdem Abstellplätze für Autos geschaffen werden. Entweder Vor der Autofreien Zone mit guter Öffi Anbindung oder bessere und KOSTENFREIE P&R Parkplätze vor den Toren von Graz, damit keiner in die Stadt selbst fahren muss. Es wird aber leider immer nur Autofrei geplant aber dann nicht überlegt, wie schaffe ich eine trotzdem möglichst bequeme Anreise von Autofahrern. Denn jemand aus Leibnitz muss ja wo hin mit seinem Auto wenn er nach Graz muss aber nicht mehr in die Stadt selbst fahren kann. Und nur Öffi ist halt noch keine Alternative. So ehrlich und objektiv muss man sein.

wabra149a
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"nur Öffi ist halt noch keine Alternative"

Das stimmt aber nicht: Die S-Bahn fährt in 38 Minuten Graz-Leibnitz im Halbstundentakt. Weiter geht's mit Bus oder Bim. Oder man nimmt sein Fahrrad (Faltrad) in der S-Bahn mit und ist innerhalb von Graz sowieso am schnellsten.

FySy
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Nur bei Schönwetter

Ein Punkt wird hier vergessen, was tun bei Schlechtwetter und im Winter.
Außerdem gehört es auch zur österreichischen Kultur sich für die Stadt schöner zu kleiden, vor allem wenn man sich mit Freunden trifft.
Speziell sehe ich hier für die Stadtgastronomie ein Problem. Nicht jeder wird mir dem Offi und mit Gummistiefel zum Abendessen fahren.

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Dass man mit eleganter Kleidung...

...nicht radfahren oder die Straßenbahn benutzen kann, ist eine sehr "interessante" Sichtweise. Wenn es darum geht, die Privilegien des Autos zu verteidigen, sind der Kreativität bei der Argumentation anscheinend keine Grenzen gesetzt ;-)

Und wenn es wirklich mal bei Schlechtwetter oder Schnee mit eleganter Kleidung in die Oper oder zu einem Ball gehen soll: dafür gibt es Taxis und Tiefgaragen (eine zB direkt unter der Oper).

Ein eher armeliger Versuch, gegen eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt zu argumentieren...

ialiofen
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Da bin ich ganz bei Ihnen

Bei Reiseberichten über die Grazer Altstadt wird meistens erwähnt dass die Menschen stets gut gekleidet sind. Diese klassische Radlerbekleidung, - meist in entsetzlichen Farbtönen - würden nicht in die Restaurants passen......

Auch auf Ältere und Menschen mit Gehbehinderungen sollte nicht vergessen werden. Die tun sich mit dem Rad und den Öffis auch schwer.

Auch möchten manche ihr schönes Auto auch herzeigen. Erinnern wir uns als Charly Temmel den Kaiserhof übernommen hat, welche schönen Fahrzeuge davor geparkt haben.....

rb0319
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@bond007

Genau so ist es! Das wichtigste wäre schnelle P+R Verbindungen in die Innenstadt zu schaffen. Es hilft ja einem Pendler nichts, wen er nach 30-50 Minuten Autofahrt zu einem P+R-Standort dann nochmal bis zu 40min mit den Öffis bis zu seinen Arbeitsplatz in der Innenstadt braucht, wenn er für dieselbe Strecke mit dem Auto nur wenige Minuten benötigen würde. Siehe zB P+R in Mariatrost oder Graz Nord. Hier muss angesetzt werden, dann verringert sich in ganz Graz der Individualverkehr erheblich. Aber das traut sich kein Politiker anzugreifen, weil hier wahrscheinlich Milliarden investiert werden müssten, um schnelle, umweltfreundliche Verbindungen in ausreichender Menge zu schaffen. Dass das aber langfristig eine sehr lohnende Ivestition wäre (Senkung der Emissionen, Reduktion von Unfällen, da weniger Verkehr, schnellere Wege für Busse und Bim auf Straßen, ...) scheint egal zu sein. Bei entsprechend sinnvoller Planung würden Bund und Land bestimmt mit aufspringen auf den Zug.