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Grazer StraßennamenStadthistoriker Karl Kubinzky signierte sein neues Buch

Graz und seine Straßen: Während die Politik über bedenkliche Namen debattiert, erklärt ein neues Buch, was hinter den Buchstaben auf allen Schildern steckt. Autor Karl Albrecht Kubinzky signierte sein neues Buch am Samstag bei der Buchhandlung Moser.

Historiker Karl Kubinzky mit seinem neuen Buch
Historiker Karl Kubinzky mit seinem neuen Buch © Juergen Fuchs
 

Wir schreiben sie Hunderte Male - auf Formulare, auf Postkarten, auf Verträge, auf Einladungen, und doch wissen wir selten, was unsere Adresse aussagt oder woher der Straßenname kommt. Wer steckt hinter der Jakoministraße, wieso gibt es den Rehgrund, seit wann existiert die Beethovenstraße?

Diese und viele weitere Fragen werden in der vierten Ausgabe des Buches „Grazer Straßennamen, Herkunft und Bedeutung“ beantwortet. Kürzlich ist die Neuauflage des 500 Seiten langen Werkes von Stadthistoriker Karl Kubinzky und Kunsthistorikerin Astrid Wentner erschienen.  Am Samstag (8. Dezember) lud man nun um 15 Uhr zur Signierstunde in die Grazer Buchhandlung Moser am Eisernen Tor.

Identifikationspunkt

Warum bewegen Straßennamen eigentlich so? „Straßen sind eine Orientierungshilfe und ein Namensdenkmal für Personen, Orte und Ereignisse“, erklärt Autor Kubinzky. „Sie sind ein Identifikationspunkt für Bewohner. Mit seinem Ort, Bezirk oder seiner Straße identifiziert man sich.“

Kubinzky kann es nicht verleugnen: Hier wird gearbeitet
Kubinzky kann es nicht verleugnen: Hier wird gearbeitet Foto © Juergen Fuchs

So weiß jeder Bescheid, wenn man von der Herrengasse spricht oder der Schmiedgasse. Man kennt die Bezirke, die Plätze, aber nicht immer ihre Geschichte. Die Jakoministraße verdankt ihren Namen etwa Caspar von Jacomini, der im 18. Jahrhundert große Gründe im Süden der Altstadt erwarb und dort seine eigene Vorstadt schuf. Dieses ist eines von 1700 Beispielen des Grazer Straßennetzes, das im Buch thematisiert wird, 50 Straßen sind seit der dritten Auflage hinzugekommen. Zum Thema machen Kubinzky und Wentner auch jene Namen, die von einer Expertenkommission als historisch belastet eingestuft wurden, „es handelt sich um 180 Personen, wir haben Querverweise bei ihnen gemacht“.

Was und wer steckt eigentlich hinter den Grazer Straßennamen?
Was und wer steckt eigentlich hinter den Grazer Straßennamen? Foto © Juergen Fuchs

Namensschilder sind auch Spiegelbilder der jeweiligen Zeit. „So wie früher Namen vergeben wurden, die heute bedenklich sind, waren im 19. Jahrhundert klassische Bildungsnamen gefragt, so entstand die Beethovenstraße“, meint Kubinzky. Heute gilt als Voraussetzung für eine Namensgebung, dass die Person verstorben ist. „Das hat viel mit Traditionsbewahrung zu tun, weswegen moderne Bezeichnungen schwer sind.“

Stets beliebt sind „Naturbenennungen wie Blumenhang oder Sonnenhain“, so Kubinzky. „Je mehr die Natur verloren geht, desto eher klammern wir uns an den ,Rehgrund' oder ,Waldweg'“. Natur also schön und gut, belastete Namen heiß umstritten, und was ist mit der Geschlechteraufteilung?

Straßen sind eine Orienteriungshilfe und ein Namensdenkmal für Personen, Orte und Ereignisse.

Karl Kubinzky

Drei Prozent der Grazer Straßen sind nach Frauen benannt. „Man ist jetzt bemüht, dies nachzuholen, auch bei internationaler Prominenz stehen wir schlecht da. Shakespeare oder Molière sind bei uns nicht zu finden“, so Kubinzky.

Auch politisch gesehen wird weiterhin über die sogenannten bedenklichen Straßennamen debattiert: Eine Historikerkommission, die drei Jahre lang forschte, hatte ja heuer im März einen Bericht zu historisch belasteten Grazer Straßennamen vorgelegt. Davon wurden 82 als bedenklich und 20 als sehr bedenklich eingestuft. Es wurden Forderungen laut, diese Straßen umzubenennen oder Hinweisschilder zu den bedenklichen Personen aufzustellen.

Gemeinderat Peter Piffl-Percevic (ÖVP), der im Ausschuss der Stadt- und Grünraumplanung für Straßennamen zuständig ist, sprach im Oktober von einer möglichen Straßen-App. Es würden dann Zusatztafeln mit Onlineverweisen auf den Kommissionsbericht aufgestellt werden.

„Noch ist nichts geschehen“, beklagt Aktivbürgerin Claudia Beiser, die für eine Umbenennung der Max-Mell-Allee eintritt. Gemeinderat Georg Topf (ÖVP), der auch im Straßenausschuss sitzt, sagt: „Es sollte in Kürze einen Beschluss geben.“ Eine Entscheidung muss dann im Gemeinderat fallen.

 

 

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