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ReichspogromnachtStolpersteine: Eingraviert zur ewigen Erinnerung

Heute Nacht jährt sich die Reichspogromnacht. Mit den Stolpersteinen gedenkt man der Opfer des Nationalsozialismus in Graz. Welche Bedeutung die Steine für die Hinterbliebenen haben.

Daniela Grabe (Verein für Gedenkkultur) hilft, Geschichte aufzuarbeiten © Jürgen Fuchs
 

Ein Name, ein Geburtsdatum, eine Kurzbiografie – eingraviert in einen Stein auf den Straßen der Stadt. Zur bewussten Erinnerung. 170 sogenannte Stolpersteine finden sich in Graz. Sie werden in Gedenken an politisch verfolgte Opfer verlegt – Juden, Homosexuelle, Roma oder Widerstandskämpfer.

Individuelle Schicksale in der Öffentlichkeit

„Manche meinen, man tritt drauf und das sei despektierlich“, sagt Elie Rosen, Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz, „aber ich kann mich mit dem System der Stolpersteine anfreunden. Sie sind im öffentlichen Raum präsent und zeigen individuelle Schicksale auf.“ Die Schicksale der Familien Schkolnik, Benedikt oder Bonyhady zum Beispiel. Eric Bonyhady wurde im Zuge der Reichspogromnacht im November 1938 verhaftet, ihm und seiner Familie gelang dann noch die Flucht über England nach Australien.

Oder die Schwestern Ruth und Sylvia Schkolnik. „Die beiden Damen, die 1938 nach Israel geflüchtet sind, habe ich vergangenes Jahr bei einem Konzert in Graz kennengelernt“, berichtet Rosen. Er initiierte eine Stolpersteinverlegung für die Schwestern.

Ein Stein als Balsam auf der Seele

„Die Steine sind nämlich nicht nur für Verstorbene, sondern auch für Überlebende gedacht“, erklärt Daniela Grabe vom Verein für Gedenkkultur. Wenn Vorschläge für Stolpersteine eingebracht werden, kümmert sich der Verein um die Recherche und Umsetzung. „Hat die Person zwischen 1938 und 1945 in Graz gelebt? Zählt sie zu einer betroffenen Opfergruppe? Und hat sie sich selbst nicht antisemitisch verhalten? Diese Kriterien überprüfen wir.“ Die Stolpersteine sind für Grabe ein wichtiges Zeichen zur Aufarbeitung der NS-Geschichte.

„Ein Stein macht nichts ungeschehen, aber kann etwas Balsam auf den Wunden sein.“ So hätten Hinterbliebene einen Ort, an den sie zurückkehren könnten. Grabe berichtet von einem Mann, der im Zuge einer Verlegung auf dem Grazer Rathaus-Balkon stand und meinte: „Das war die Stadt der Volkserhebung. Dass ich, der Judenbua, einmal hier oben stehe, hätte ich nie gedacht.“


Am 27. November findet die erste Stolpersteinverlegung in Leoben statt, im Frühjahr 2019 sollen 20 weitere in Graz folgen. „Gedenken heißt nicht nur daran denken, Gedenken muss in Reflexion enden. Nur durch die Reflexion nutzt das Gedenken etwas, sonst ist es bloß ein Aufzählen historischer Fakten“, meint Rosen.

Stolpersteinspaziergang: Am Dienstag, dem 13.11.2018 findet ein Gedenkspaziergang in Erinnerung an das Novemberpogrom 1938 statt. Treffpunkt: 18 Uhr vor der Villa Oser in der Johann-Fux-Gasse 35, Graz.

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