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Stadtspaziergang mit PaulaVon den lichten Höhen der Burg hinab

Sie gehört nicht zu den frequentierten Routen von Graz, würde aber mehr Besucher verdienen - denn die Burggasse führt durch die Jahrhunderte.

Die Burggasse in Graz wurde bereits im Mittelalter angelegt und führte einst entlang der Stadtmauer von der landesfürstlichen Burg hinunter © Karl A. Kubninzky
 

Wo vermengen sich aristokratische, kirchliche und waldbäuerliche Spuren, verbrämt mit bodenständiger Gastronomie und einer leisen Ahnung von Altengland? Das gibt es nur in einer Gasse von Graz. Durchstreiften wir zuletzt die Bürgergasse, biegt Paula nun zielstrebig, immer ihrer Schnauze nach, in die schon im Mittelalter entlang der Stadtmauer angelegte Burggasse ein.

Ursprünglich war diese Gasse praktisch von zwei Toren wie ein Kleinod eingefasst. Unten, dort wo sie heute in den Opernring mündet, befand sich zwischen 1835 und 1856 das Franzsenstor, erzählt unser Stadthistoriker Karl A. Kubinzky. Hinauf führt sie zum gotischen Burgtor, zu dem Kubinzky auch eine Erklärung parat hat: „Das ist deshalb so gut erhalten geblieben, weil es früher zumeist geschlossen war. Die landesfürstlichen Statthalter wollten das, was für sie das Gesindel von außerhalb der Stadtmauer war, nicht in ihrer Nähe haben.“

Für Autofahrer stellt die Burggasse eine beliebte Durchzugsstraße von der Stadtkrone zum Ring dar, Fußgänger nutzen sie eher spärlich. Der ins Tal führende Bereich ist römisch-katholischer Boden. Mit Dom und Mausoleum auf der einen Seite, gegenüberliegend der Dompfarrhof, im 16. Jahrhundert als Haus des erzherzoglichen Leibhosenschneiders Hans Amon errichtet, im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut, seit 1866 im Dienst der Dompfarre.

Stadtspaziergang mit Paula: Unterwegs in der Burggasse

Nach der  Bürgergasse durchstreift Paula die Burggasse - von der Stadtkrone in das Tal hinunter. Die Nummerierung der Burggasse beginnt auch von oben.

Jürgen Fuchs

Zwischen Bürger- und Burggasse: Dom mit Mausoleum.

Jürgen Fuchs

Dom und Mausoleum in alter Ansicht.

Karl A. Kubinzky

Die Burggasse wurde bereits im Mittelalter angelegt und führte einst entlang der Stadtmauer von der landesfürstlichen Burg hinunter.

Karl A. Kubinzky
Jürgen Fuchs

Nummer 7: Das Gebäude wurde im 16. Jahrhundert errichtet.

Jürgen Fuchs

Nummer 9: Das ehemalige Palais Dietrichstein, 1785 umgebaut.

Jürgen Fuchs

Ecke Burggasse/Salzamtsgasse einst.

Karl A. Kubinzky

Das Gebäude der Handelskammer, das nach der Übersiedelung in die Körblergasse vom Land Steiermark erworben wurde.

Jürgen Fuchs

Die ehemalige Lehrerbildungsanstalt.

Karl A. Kubinzky

Nummer 8: Eine American-Bar zog im Neubau ein

Karl A. Kubinzky

Ecke Burggasse/Einspinnergasse: Neubau (Numemr 8 und 10) entsteht gegenüber der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt, die dann später einem Neubau der damaligen Handelskammer weichen mußte.

Karl A. Kubinzky

In den 70ern das „Victorian Steakhouse“, dann wurde es das „Kommod-Haus“, jetzt entsteht hier das spektakuläre Projekt der Stararchitektin Zaha Hadid.

Jürgen Fuchs

Wo das "Kommodhaus" stand entsteht ein international beachtetes Werk der mittlerweile verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid.

Jürgen Fuchs

Nummer 16: Im Portal eingemeißelt, dass hier Peter Rosegger von 1880 bis 1918 wohnte.

Jürgen Fuchs

Eine zusätzliche Erinnerungstafel für Peter Rosegger

Jürgen Fuchs

Im Eckhaus gegenüber der Parkanlage wohnte Peter Rosegger mehr als die Hälfte seines Lebens. 1936 wurde das von Wilhelm Gösser geschaffene Denkmal errichtet und die die Grünanlage erhielt den Namen des Schriftstellers

Karl A. Kubinzky

Blick aus Richtung Opernring hinauf die Burggasse: Unten befand sich  zwischen 1835 und 1856 das "Franzenstor".

Karl A. Kubinzky
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Wir schlendern vorbei an dem Haus Nummer 7, ein palaisartiges Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, mit gut sichtbarem reliefartigen Steinportalrahmen. Auf Nummer 9 wird es hochherrschaftlich, unter dieser Adresse findet sich das Palais Dietrichstein. „Mit einem leider nur teilweise renovierten Prunksaal“, seufzt Stadthistoriker Kubinzky. Heute befindet sich das Palais im Besitz des Landes Steiermark und bietet Beihilfestellen wie auch dem Referat für Flüchtlingsangelegenheiten Raum. In dem folgenden lang gestreckten Bau im Stil der 60er-Jahre befanden sich die Dienststellen der Handelskammer, nach deren Übersiedlung in den Neubau in der Körblergasse sprang das Land als Käufer ein, die rote Reichshälfte wurde im Ausgleich mit Aufkäufen und Vermietungsprivilegien in der Stempfergasse gut bedient.

Womit wir die kulinarische Seite der Burggasse erreichen. In dem nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Haus Nummer 8 bot eine American Bar gepflegte Unterhaltung, daneben kehrte die nach den Bombenschäden in die Salzamtsgasse ausgesiedelte Ferls Weinstube zurück, und wurde wieder zum Stammlokal der Handelskämmerer von gegenüber, aber auch von gewichtigen Honoratioren aus Stadt und Land.

Nur noch in der Erinnerung existiert das Victorian Steakhouse, in den Siebzigerjahren eines der feinsten Restaurants der Stadt. Rot austapeziert, mit einem wuchtigen modellierten Stierschädel an der Wand, ein Barpianist begleitete die Gäste mit diskreter Hintergrundmusik. Eine Art feiner Erlebnisgastronomie - flambiert wurde direkt an den Tischen, damit alle Gäste etwas davon hatten, wurde das Licht gedimmt. Im Keller war ein gepflegtes Tanzlokal namens Downstairs angesiedelt. Erst später wurde aus diesem Bau das sogenannte Kommod-Haus, dessen Verwahrlosung bis zum Abbruch 2003 gezielt betrieben wurde. Das doch noch fertig werdende Neubauprojekt Argos der verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid schließt die Lücke und dürfte zu einer neuen touristischen Attraktion in der Burggasse werden.

Eine Gedenkstätte älteren Datums befindet sich gegenüber, in der Burggasse 16. Im dritten Stock des Gebäudekomplexes, von Georg Hauberrisser (der auch für Erzherzog Johann das Palais in der Leonhardstraße entwarf) errichtet, wohnte ab 1880 der Schriftsteller Peter Rosegger mit seiner Familie. Der Schriftsteller blieb hier 34 Jahre, bis kurz vor seinem Tod, wohnhaft. An ihn erinnert auch der am Eck Burggasse/Opernring angelegte Roseggergarten mit dem 1936 errichteten Denkmal. Nach einer Verschnaufpause zieht Paula zum nächsten Spaziergang, wieder der Schnauze nach. Wohin uns der führt - das erfahren Sie in der nächsten Folge. Bis dahin noch schöne Tage.

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